Ludwigsburg Aus der Spielwut wurde ein Auftrag

Die Macher des Vereins Kulturwelt in der Reithalle der Karlskaserne, in der sie ihre Produktionen inszenieren (von links): Susanne Piwonka mit dem Maskottchen aus dem „kleinen Horrorladen“, Fabian Piwonka und Sandra Willmann.
Die Macher des Vereins Kulturwelt in der Reithalle der Karlskaserne, in der sie ihre Produktionen inszenieren (von links): Susanne Piwonka mit dem Maskottchen aus dem „kleinen Horrorladen“, Fabian Piwonka und Sandra Willmann. © Foto: Helmut Pangerl
Von Gabriele Szczegulski 05.09.2018

Knackige 18 seien sie gewesen und voller Spielwut, sagt Susanne Piwonka, theaterpädagogische Leiterin des Vereins Kulturwelt in Ludwigsburg, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Gemeinsam mit ihrem Mann Fabian Piwonka und anderen Schülern hat sie nach der Schulzeit an der Waldorfschule vor 25 Jahren eine Laientheatergruppe gegründet, die nach ihrem ersten Stück, „Der kleine Horrorladen“, das Horrorladenteam genannt wurde, heute Kulturwelt. Andere Kultstücke, wie „Linie 1“ oder „Hair“ folgten. Aus der Horrorladenzeit ist noch die kleine seltsame Pflanze aus dem Stück als eine Art Markenzeichen geblieben und fast der gesamte Vorstand des Vereins, der aus Susanne und Fabian Piwonka, Steffen Lentmeier, Judika Hüttmann und Lars Schüler besteht.

Aus den spielwütigen jungen Leuten sind professionelle Theatermacher geworden. „Wir haben einfach immer weiter Theater gespielt und junge Leute dazu animiert, mitzumachen“, sagt Fabian Piwonka, der Fotograf gelernt hat, aber heute die künstlerische und technische Leitung der Theaterstücke innehat. Die 30 bis 40 Theateraufführungen  jährlich sind das eine Standbein des Vereins. Seine Frau Susanne studierte Theaterpädagogik an der Akademie der Darstellenden Künste in Stuttgart. Sie ist mittlerweile die Leiterin der theaterpädagogischen Arbeit, betreut die Ensembles Campus, in dem Jugendliche Theater spielen, und Kulturwelt-Kids für Kinder sowie Oststadt-Circus, eine Kooperation mit allen Ludwigsburger Grundschulen. Sie betreut auch Kooperationen mit Flüchtlingen.

Von 2000 bis 2009 finanzierten sie die Theaterarbeit durch Partys in der Karlskaserne. „Tanz in den Mai“ und Halloween wurden dabei zu Kulturevents, gerieten jedoch laut den Piwonkas bald zu „Bierpartys, die sich mit unserer Einstellung und unseren Aussagen in der Theaterarbeit nicht mehr vereinbaren ließen“. 2012 stand der Verein vor dem Aus. „Wir wussten nicht, wie wir unsere Projekte bezahlen sollten“, sagt Susanne Piwonka. Letzter Strohhalm: die Stadt Ludwigsburg. Die kürzte  zu der Zeit gerade ihren Kulturetat um fünf Prozent. Die Aussicht, dass Kulturwelt eine Unterstützung bekomme, war gering, erinnert sich Fabian Piwonka. Und dennoch: Der Leiterin des Fachbereichs Kultur, Wiebke Richert, war klar, dass eine Institution, die das Junge Theater in Ludwigsburg fördert, im Aufgeben begriffen war und ein Verlust sein würde. Kulturwelt bekam von 2012 bis 2014 befristet die institutionelle Förderung der Stadt von 35 000 Euro. Seit 2015 ist diese jährliche Förderung unbefristet, der Auftrag der Stadt ist die Theaterarbeit mit und für junge Menschen. „Das bedeutet eine Wertschätzung unserer Arbeit durch die Stadt“, sagt Fabian Piwonka.  Das Geld wird für die Bezahlung der Fixkosten, wie 1,5 feste Stellen, das Betriebsbüro oder die Probebühne verwendet. Die Produktionen werden mit Sponsorengeldern und Förderungen finanziert.

Im Jubiläumsjahr wird nicht nur die Gala am 21. September vorbereitet, sondern auch die Eigen-Produktion „Zukunft 6.0“, die am 16. November Premiere feiert. Die eigene Zukunft von Kulturwelt sehen die Piwonkas rosig: „Wir sind zufrieden, mehr Aufführungen wollen wir nicht machen“, sagt Fabian Piwonka. „Wir wollen noch mehr Menschen durch Theaterarbeit zusammenbringen“, sagt seine Frau. Weiter wolle man „aufflammende Themen, die Jugendliche beschäftigen und die gesellschaftlich relevant sind, auf der Bühne thematisieren“. Im Verein diskutiere man, wieder mehr kleinere Produktionen zu machen, um damit auf Tournee zu gehen. Die Karlskaserne, auf deren Bühnen man hauptsächlich spiele, soll zur Produktionsstätte werden.

Der Verein Kulturwelt

Kulturwelt e.V. wurde zur Förderung und Pflege der Musik- und Theaterkunst in Ludwigsburg gegründet und steht für das junge Theater in der Stadt. Der Verein hat es sich zu seiner zentralen Aufgabe gemacht, junge Menschen an Kunst und Kultur heranzuführen, bestehende Barrieren abzubauen und Theater zu machen, das auf seine Zielgruppe zugeschnitten ist.

Mit seinen Künstlergruppen wie Horrorladenteam, Campus-Theater, Oststadt-Circus und Kulturwelt-Kids bringt man aktuelle Themen auf die Bühnen der Karlskaserne.

Der Jubiläumsfestakt 25 Jahre Kulturwelt findet am Freitag, 21. September, 19 Uhr, in der Reithalle der Karlskaserne statt. Es gibt eine Best-of-Show von Kulturwelt-Produktionen, im Anschluss spielt das Trio Bluesette. Der Eintritt ist frei, Reservierungen sind notwendig.

Die Produktion „Zukunft 6.0“ feiert am 16. November in der Karlskaserne Premiere. Das Betriebsbüro von Kulturwelt befindet sich in der Pflugfelder Straße 5, Telefon (07141) 2990758, E-Mail info@kulturwelt-lb.de. bz

www.kulturwelt-lb.de

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