Ludwigsburg Aus der Schlosshund-Perspektive

Auf einem Wandbild im Ludwigsburger Residenzschloss ist der Wolfshund des Herzogs Eberhard Ludwig Mélac zu sehen. Er war einer von Wenigen, der sich im Schloss alles erlauben konnte, denn er war angeblich der Liebling des Herzogs.
Auf einem Wandbild im Ludwigsburger Residenzschloss ist der Wolfshund des Herzogs Eberhard Ludwig Mélac zu sehen. Er war einer von Wenigen, der sich im Schloss alles erlauben konnte, denn er war angeblich der Liebling des Herzogs. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Von Ifigenia Stogios 14.03.2018

Eine „Lange Nacht“ steht im Residenzschloss im Rahmen des „Frühlingserwachens“ an. „Sie fragen sich bestimmt, warum das Frühlingserwachen gerade zu dieser Zeit stattfindet“, sagte Schlossverwalter Stephan Hurst im Pressegespräch am Dienstag angesichts der Veranstaltung. Normalerweise finden diese Veranstaltung sowie die Eröffnung des Blühenden Barock gleichzeitig statt. Da sich viele Mitarbeiter des Schlosses am 17. März in Stuttgart wegen der „Langen Nacht der Museen“ befinden, sei das „Frühlingserwachen“ dieses Jahr auf den 24. März verschoben worden, erläuterte Hurst.

Große Programmvielfalt

Die Besucher können sich auf einen stimmungsvollen Empfang verlassen. Das Motto lautet „Barock, sehen und schmecken“. „Wir möchten das Schloss ohne Zeitdruck erlebbar machen“, sagte Hurst. Im Halbstundentakt finden Schlossrundgänge statt. Von 17 bis 22 Uhr stehen Sonderführungen auf dem Programm. Stündlich gibt es Führungen durch die „Klötzbauer“ von 17 bis 23 Uhr. Auch ein Lego-Workshop für Erwachsene und Kinder ab 16 Jahren ist an diesem Tag geboten.

„Alle vier Museen haben bis Mitternacht auf“, sagte Hurst. „Zur späten Stunde herrscht eine mystische Stimmung im Schloss“, fügte er hinzu und riet den Kulturbegeisterten das Schloss auch mal nachts zu besuchen.

Noch ein Highlight: Das private Appartement des Herzogs Carl Eugen ist geöffnet, ebenso die Barockgalerie und die Ausstellung „Faszination Lego“. „Wer noch an einer Schlossführung teilnehmen möchte, muss sich beeilen“, sagte der Schlossverwalter. Die Führungen „Mätresse ­­­- im Bett geadelt“ und „Kronleuchter und Augenfunkeln“ seien schon ausgebucht.

Virtuelle Spaziergänge

„Hätte es das Schloss nicht gegeben, hätte es auch nicht die Stadt gegeben“, betonte Stadtarchivar Simon Karzel. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv eröffnet das Schloss die Fotoausstellung „Caché – Schloss Ludwigsburg hinter den Kulissen“. Die Bilder hat Fotograf Joachim Feigl gemacht. Ziel sei es „verborgene Räume des Schlosses in den Mittelpunkt zu rücken, statt nur aus der Postkarten-Perspektive zu fotografieren“, sagte der Stadtarchivar.

Abgelichtet werden Motive und Räume, die von der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Das Stadtarchiv ergänzt die Bilder mit  Texten, die historische Informationen liefern. Einerseits geht es um einen „allgemeinen Blick“ und darum, wie „vielfältig die Räume genutzt wurden.“ Anderseits ermöglicht die Fotoausstellung den Besuchern einen Einblick „auf der anderen Tapetentür“, so Kerzel. Damit bezog er sich auf das Schlosspersonal. Bestimmt haben sich bereits einige gefragt: Wie war das Leben der Kammerdiener oder der Zofen?

Absolute Narrenfreiheit

Außerdem beschäftigt sich die Ausstellung mit einem ganz besonderen Genossen des Herzogs Eberhard Ludwig, seinem Wolfshund Mélac. Der Name, so Starzel, geht auf einen französischen General, der in Ludwigsburg tätig gewesen sei, zurück. Die Ausstellung basiert auf dem Konzept, dass das Publikum  den Hund, „der Narrenfreiheit hatte“ auf einem Streifenzug durch das Schloss begleitet. Die Fotos sind deshalb aus der Perspektive eines Hundes gemacht worden, erläuterte Starzel. Der Vierbeiner ist auf einer Wand des Riesenbaus dargestellt. Er habe angeblich Möbel zerkaut, das Dienstpersonal gebissen, aber auch ein Kind vorm Ertrinken gerettet. Die Ausstellung ist zwei Monate lang zu sehen.

Parallel zur Ausstellung werden Sonderführungen zu ausgewählten Orten und Schauplätzen hinter den Kulissen angeboten, die in der Fotoausstellung zu sehen sind. Dieser Rundgang ermöglicht den Besuchern, den Blick und Standpunkt des Fotografen einzunehmen und gleichzeitig selbst einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Weil das diesjährige Motto „Von Tisch und Tafel“ lautet, konnten festliche Gerichte und Wein nicht wegbleiben. Mit einer offenen Verkostung heißt das Schloss die Besucher am 24. März willkommen. Das Residenzschloss kooperiert dabei mit dem Weingut Herzog von Württemberg.

Claudia Krügele vom Weingut erläuterte: „Die Gäste kriegen Wein in schwarzen Gläsern und sollen erraten, was da drin ist.“ Ein sogenanntes „Wein-Parcours“ ist eingeplant. Christoph Rieger vom Gasthaus Allgäu bereitet Häppchen aus dem 18. Jahrhundert zu. Davon bekommt jeder eins. „Barock muss man nämlich auch schmecken“ sagte er.

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