Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth  Uhr

Im Juni hatten im Landkreis 27 Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Betroffen davon sind 351 Beschäftigte. Das sind die jüngsten Daten von der Agentur für Arbeit. Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) der Region Stuttgart ist dieser Wert angesichts einer Arbeitsmarktquote von 2,7 Prozent jedoch „kein Hinweis auf Kurzarbeit“.

Thomas Class, Geschäftsführer von Südwestmetall Bezirksgruppe Ludwigsburg, bestätigt: „Wir beobachten derzeit bei den Mitgliedsfirmen im Landkreis Ludwigsburg und Altkreis Leonberg noch keine Zunahme der Kurzarbeit.“ Doch er warnt: „Für die kommenden Monate gehen wir davon aus, dass aufgrund der prognostizierten anhaltenden Abschwächung der Konjunktur mit einem Anstieg der Kurzarbeit zu rechnen ist.“

Hinweise geben ihm Anfragen zur Kurzarbeit an seine Geschäftsstelle, die „deutlich“ zunähmen: „Wir beraten derzeit mehrere Mitgliedsfirmen in Fragen der Kurzarbeit“, teilt er mit. Eine Entscheidung, tatsächlich eine solche anzuzeigen, „liegt uns derzeit jedoch noch nicht vor“. Die Kurzarbeit kann sich nach seiner Beobachtung „auf alle Bereiche eines produzierenden Unternehmens erstrecken“. Grundsätzlich gelte, dass eher Produktionsbereiche von Kurzarbeit betroffen seien als Verwaltungs- oder Stabsabteilungen.

Auch bei der Arbeitsagentur in Ludwigsburg mehren sich die Warnungen: „Anstiege von Beratungsanfragen von Unternehmen zum Thema Kurzarbeit weisen darauf hin, dass sich die Konjunktur vor allem im Bereich des produzierenden Gewerbes etwas abkühlt“, so Johannes Seiler, Teamleiter Arbeitgeber-Service. Überwiegend signalisierten derzeit Automobilzulieferfirmen und Dienstleistungsfirmen, die nur zum Teil für die Automobilzulieferindustrie tätig seien, verstärkten Beratungsbedarf zur Kurzarbeit. „Sie überlegen, ob sie unter Umständen im Herbst 2019 Kurzarbeit beantragen müssen“, so Seiler.

Die IHK kann solche Beobachtungen hingegen nicht betätigen. Sigrid Zimmerling, Geschäftsführerin der Bezirkskammer Ludwigsburg, stellt auf Anfrage fest: „Zum Thema Kurzarbeit liegen uns derzeit im Tagesgeschäft keine Anfragen vor.“ Ihre Erklärung: Für Schwankungen in der Auslastung stünden in den Betrieben Instrumente wie Zeitkonten zur Verfügung. Darüber hinaus könnten Betriebsferien beziehungsweise verlängerte Betriebsferien festgesetzt werden, um Spielraum zu gewinnen. Grundsätzlich sieht auch Südwestmetall die Lage für die Beschäftigten noch entspannt: „Auf rückläufige Auftragsbestände reagieren unsere Mitgliedsfirmen derzeit ganz überwiegend noch mit dem Abbau von Zeitguthaben aus bestehenden Arbeitszeitkonten“, sagt Class.

„Breites Instrumentarium“

Die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie böten den Mitgliedsfirmen „ein breites Instrumentarium“, so Class, zum Beispiel eine flexible Arbeitszeitregelungen oder die Möglichkeit zur vorübergehenden Absenkung der Arbeitszeit mit entsprechender Entgeltabsenkung. Daneben würden freie Stellen nicht nachbesetzt. Und die schlechte Nachricht für Leiharbeiter: Deren Zahl wird laut Südwestmetall in den Betrieben reduziert.

Bei der Gewerkschaft sieht man im Gegensatz dazu vor allem bei den kleinen und mittelständischen Firmen kaum Reserven, um Konjunkturdellen ohne Probleme auszugleichen. Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg/Waiblingen, sagt: „Seit der Krise 2009/2010 haben viele kleine und mittelständische Firmen ihre Eigenkapitalreserven aufgebraucht.“

Heftige Preisschlachten, Preisnachlassverhandlungen mit Großunternehmen, überdimensionierte Wachstumsanforderungen, Rohstoffpreiserhöhungen, dringend notwendige Investitionen und hausgemachte Problemlagen hätten ihre finanziellen Spuren hinterlassen, so Fuchs.

Die Konjunktur kühlt ab. Darin sind sich alle einig. Die IHK-Geschäftsführerin sagt: „Wir haben es mit einer schwächeren weltweiten Nachfrage und Investitionsbereitschaft zu tun. Das spürt unsere exportaktive Industrie.“

Abschwung wird spürbar

Bezogen auf den Auftragseingang lauteten die jüngsten Rückmeldungen 42 Prozent „fallend“ und 15 Prozent „steigend“. Dies allerdings „bei noch ganz ordentlichem Lageniveau“. Konjunkturstützen seien derzeit der Handel und die Bauwirtschaft. Der Südwestmetall-Geschäftsführer sieht die Lage so: Bei den meisten Unternehmen aus der Automobilindustrie und Maschinenbau seien die Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs bereits spürbar. Diese Firmen rechneten „mit einer weiteren Verschlechterung der Auftragsbestände und Auftragseingänge“. Daneben stünden die Unternehmen und Belegschaften aufgrund des technologischen Strukturwandels vor großen Herausforderungen.

Bei der Arbeitsagentur schätzt Teamleiter Seiler die Lage so ein: „Perspektivisch könnte die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Ludwigsburg nach zuletzt monatelanger positiver Entwicklungen wieder steigen.“