Werner Hillenbrand war eines der Gründungsmitglieder des 1983 aus der Taufe gehobenen Arbeitslosenzentrums (ALZ) Ludwigsburg, ist heute noch stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins. Er sorgt sich nun aber kurz vor der Landtagswahl um den Fortbestand der professionellen Beratung von Hartz-IV-Beziehern.

Denn die wurde erst Ende 2012 möglich, als ein auf drei Jahre ausgelegter "Modellversuch" der Landesregierung jährlich 40.000 Euro in die Kasse des Ludwigsburger Arbeitslosenzentrums spülte, womit eine hauptamtliche Sozialberaterin finanziert werden konnte. Mit diesem "Modellversuch", der die Landesregierung 500.000 Euro kostet, werden zwölf unabhängige Arbeitslosenzentren in Baden-Württemberg finanziell unterstützt. Er wurde 2015 um ein Jahr verlängert.

Die Ludwigsburger Sozialberaterin heißt Annegret Jeziorski, ist diplomierte Betriebswirtin und hat durch ihr Engagement und ihre Sachkenntnis spürbar für kräftigen Aufwind in der Beratung von Langzeitarbeitslosen gesorgt. Allein im vergangenen Jahr sind von ihr und ihren ehrenamtlichen Helfern rund 1300 Beratungsgespräche geführt worden, dazu kamen noch etwa 400 Telefonate oder E-Mail-Kontakte. Jeziorski prüft Bescheide, gibt Hilfestellungen beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen, klärt Fragen zum Arbeitslosengeld und zu Hartz IV (ALG II), bringt Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand und verweist auf Stellenangebote im Internet. Der ehrenamtliche Geschäftsführer Bernd Steuer, früher Betriebsratsvorsitzender der GdF Wüstenrot, ist stolz auf die geleistete Arbeit, denn: "Wir wissen, was wir in den vergangenen drei Jahren bewegt haben."

Deshalb möchte er, wie auch sein Vereinsvorsitzender Martin Zahner von der katholischen Betriebsseelsorge, diese Tätigkeit finanziell absichern und hat deshalb die Landtagskandidaten im Wahlkreis Ludwigsburg befragt: Jürgen Walter (Grüne), Claus Schmiedel (SPD), Klaus Herrmann (CDU), Oliver Kube (Linke) und Stefanie Knecht (FDP). In ihren Antworten würdigten zwar alle fünf die Arbeit des Arbeitslosenzentrums Ludwigsburg, doch keiner von ihnen wollte oder konnte seine feste Unterstützung zusichern. "Enttäuschend", so Bernd Steuer. "Ob die Förderung über 2016 hinaus möglich ist, entscheidet sich Mitte des Jahres, wenn eine Auswertung über die Arbeit der Beratungsstellen vorgelegt wird", ließ Klaus Herrmann wissen. Auch Claus Schmiedel wollte wie Jürgen Walter erst den Evaluationsbericht der Uni Tübingen abwarten, der erst nach der Wahl vorgelegt wird, und daraus dann seine Schlussfolgerungen ziehen, während Stefanie Knecht daneben auch noch "verlässliche Messgrößen" einfordert. Oliver Kube hält das Arbeitslosenzentren generell noch für unerlässlich und "daher auch mit allen Mitteln zu fördern".

Was passiert, wenn zwar die Evaluierung des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung positiv ausfällt, aber wider Erwarten dann doch die weitere Förderung nicht gewährt wird? "Dann", so Zahner, "werden wir die Beratungen auf etwa die Hälfte zurückfahren müssen". Denn dann müssen 2017 wieder Ehrernamtliche die Beratungen leisten und das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg hat noch eine Arbeitslose mehr: Nämlich Annegret Jeziorski.