Die UN-Behindertenrechtskonvention stellt einen Meilenstein in der Behindertenpolitik dar, indem sie den Menschenrechtsansatz einführte und das Recht auf Selbstbestimmung, Partizipation und umfassenden Diskriminierungsschutz für Menschen mit Behinderungen formulierte sowie eine barrierefreie und inklusive Gesellschaft forderte. Seit 26. März 2009 ist die UN-Konvention auch für Deutschland verbindlich.

Zehn Jahre UN-Behindertenrechtskonvention waren für den Arbeistkreis „Selbst bestimmt leben im Landkreis Ludwigsburg“ und Professor Jo Jerg von der kirchlichen Hochschule Anlass, um über ihre Umsetzung nachzudenken. dies teilt die Evangelische Hochschule mit. Einen Abend lang wurde kritisch hinterfragt, wie nach zehn Jahren Anspruch und Wirklichkeit zusammengebracht werden konnten.

Im Rahmen der Veranstaltung nahmen Professor Jo Jerg und Professorin Dr. Simone Danz als „Enthinderungsbeauftragte“ für die Evangelische Hochschule Ludwigsburg die Danke-Skulptur des Sozialwissenschaftlers Dr. Faraj Remmo entgegen. Der Sozialwissenschaftler aus Bielefeld verleiht die Skulptur an Personen und Einrichtungen, die Vorbild, Kraft- und Inspirationsquelle für Diversity, Partizipation und Inklusion sind. Zuletzt nahm die Literatur-Nobelpreisträgerin von 2019, Olga Tokarczuk, die Auszeichnung an. Weitere Geehrte sind Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der chinesische Künstler Ai Weiwei.

Um Widerstände und Barrieren, um Verbesserungen und Ausblicke ging es bei den Berichten aus der Praxis zahlreicher Mitarbeiter der Kompetenzzentren „Selbstbestimmt Leben“ aus Nordrhein-Westfalen. Danach konnte Wissenschaftlerin und UN-Rechtsexpertin, Professorin Dr. Theresia Degener,´von der Evangelischen Hochschule Bochum, Impulse und Ansprüche auf die selbstverständliche Teilhabe in allen Lebensbereichen – Kindertagesstätten, Schulen, Ausbildung, Arbeit und Wohnen, deutlich machen. Zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention wies Degener auf die große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Umsetzung hin. Gerade in Bezug auf ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung müssen die derzeitigen stationären und zum Teil ambulanten Wohnangebote grundlegend reformiert und neue individuelle Formen etabliert werden.

Antonio Florio vom Verein „Selbstbestimmt Leben im Landkreis Ludwigsburg“ betonte, dass es weitere Verbesserungen für Kinder geben müsse. „Mit der Entscheidung für die erste Betreuungseinrichtung außerhalb des Elternhauses werden wichtige Weichen gestellt“. Professor Jo Jerg,  Enthinderungsbeauftragter der EH Ludwigsburg, zog das Fazit: „Der Begriff der Enthinderung gibt wichtige Impulse.“

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