Inititiative Anreize für den Erstwohnsitz

Ludwigsburg / von Uwe Roth 14.05.2018

Studenten sind für Kommunen wertvolle Einwohnersubstanz. Die Erstwohnsitzkampagne „Heimvorteil“ der Stadt Ludwigsburg war im vergangenen Jahr an ihrem Ziel krachend gescheitert. Nun hat am Mittwoch der Bildungsausschuss des Gemeinderats grünes Licht für ein neues Konzept gegeben, das aus den über 10 000 Studenten in der Stadt möglichst viele Erstwohnsitzbürger machen soll.

Die Initiative nennt sich „Studierende Willkommen“ und besteht im Wesentlichen aus einer Art Geldkarte, der StudiCard. Jeder Student, der in einer der Ludwigsburger Hochschulen, der Filmakademie oder der Akademie für Darstellende Kunst eingeschrieben ist, erhält diese Karte. Mit ihr gibt es in verschiedenen Geschäften und Einrichtungen beispielsweise Rabatte. Aber nur, wer seinen Erstwohnsitz bei der Stadt anmeldet, bekommt darauf 200 Euro von der Stadtkasse gutgeschrieben.

100 000 Euro reserviert

Bei der Heimvorteil-Aktion, die 2012 gestartet war, hat es lediglich Gutscheine und Rabatte gegeben, die als monetäres Überzeugungsargument für eine Verlegung des offiziellen Wohnsitzes in die Barockstadt offensichtlich zu geringfügig gewesen sein mussten. 200 Euro hingegen, so die Überlegung des Fachbereichsleiters Bürgerdienste Jürgen Schindler, seien ein für Studentenverhältnisse ordentliches Geld. 100 000 Euro hat die Stadt dafür reserviert. Die Verwaltung betrachtet den Betrag gleichzeitig als eine Förderung des Einzelhandels. Denn das Geld können die Karteninhaber lediglich in teilnehmenden Geschäften der Stadt ausgeben.

Gewinn für die Stadt

Sollte die neue Aktion erfolgreich sein, kann sie im besten Fall sogar zu einer Einnahmenquelle werden. In ihrer Sitzungsvorlage macht die Verwaltung folgende Rechnung auf: Jährlich immatrikulieren sich in Ludwigsburg etwa 3000 junge Menschen. Sollten sich 500 neu eingeschriebene Studenten mit Erstwohnsitz in Ludwigsburg anmelden und das Guthaben erhalten, wären die 100 000 Euro aufgebraucht. Im Gegenzug aber erhält die Stadt für jeden mit Erstwohnsitz gemeldeten Einwohner Zuweisungen vom Land in Höhe von etwa 1300 Euro. Abzüglich des Umlagebetrags verbleiben etwa 850 Euro bei der Stadt.

Bei 500 Neubürgern aus Studentenkreisen kommen auf diese Weise 425 000 Euro zusammen. Dieser Summe steht die Investition von 100 000 Euro für die Kartenguthaben plus 8000 laufende Kosten im Jahr gegenüber. In den Aufbau des Zahlungssystems hat die Stadt einmalig 11 000 Euro investiert. Unterm Strich bleiben der Stadt über 300 000 Euro als Gewinn.

Diese Kostenaufstellung überzeugte den Gemeinderatsausschuss – zumal die Arbeit städtische Angestellte erledigen und keine Agenturkosten anfallen. Um der Zahl 500 möglichst nahezukommen, ist die Stadt zu Semesterbeginn und an den Hochschultagen mit Infoständen vor Ort präsent. Von der Aktion sollen auch die Studenten überzeugt werden, die lediglich ein oder zwei Semester in Ludwigsburg sind.

Wären im Übrigen alle Einwohner von Ludwigsburg bei der Stadt mit einem Erstwohnsitz gemeldet, läge die Einwohnerzahl der Stadt bereits bei knapp 96 700. Die magische Grenze zur Großstadt von 100 000 Einwohnern wäre damit schon so gut wie erreicht. Aktuell aber sind es etwas mehr als 93 500 Bürger mit Erstwohnsitz. Über 3000 Menschen müssten folglich überzeugt werden, aus ihrem Zweit- einen Erstwohnsitz zu machen.