Gericht Anklage fordert 13,5 Jahre Haft

Ludwigsburg / Bernd Winckler 13.03.2018

Im größten Waffen- und Drogenprozess im Kreis Ludwigsburg hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart  gegen den Hauptangeklagten Freiheitsstrafe bis zu 13 Jahren und 6 Monaten gefordert. Nach sechs Monaten Verhandlungsdauer und der Vernehmung von mehr als 40 Zeugen und mehreren Sachverständigen hat die Staatsanwältin auch gegen die übrigen sieben Beschuldigten Haftstrafen zwischen dreieinhalb und acht Jahren beantragt, und ging von rund 60 Kilogramm Drogen aus (die BZ berichtete).

Die Anklägerin sprach  von „besonders schweren bandenmäßigen professionellen Drogen- und Waffenhandel“, der sich teilweise mitten in Ludwigsburg abspielte. Den 52-jährigen Hauptangeklagten bezeichnete die Anklägerin als den „intellektuellen Kopf der Bande“. In erster Linie über ihn seien seit Anfang 2016 die  Rauschgift- und Waffengeschäfte gelaufen. In der Tiefgarage seines in Ludwigsburg liegenden Bistros wurden Drogen angeliefert und zwischengelagert, ehe sie an Unterhändler weitergereicht wurden. Teilweise waren Pakete mit mehr als 30 Kilogramm in einer Lieferung, die von Kurieren aus den Niederlanden gebracht wurden.

Doch in dem Verfahren vor der 19. Großen Strafkammer in Stuttgart ging es nicht nur um Drogen. Nach einer landesweiten Razzia der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des LKA Baden-Württemberg Ende Januar 2016, fand diese zwölf scharfe Waffen, darunter Gewehre, die in den Bereich der Kriegswaffen einzustufen sind. Damit, so die Staatsanwältin, sicherten sich die Angeklagten bei ihren Drogengeschäften ab – und handelten auch damit.

Kriegswaffen schützten die Ware

Für die Drogen- und Waffengeschäfte sollen auch sechs der männlichen Mitangeklagten hinter Gitter: Ein 31-jähriger aus Bietigheim-Bisssingen für elfeinhalb Jahre, weil er bei der Waffen- und Drogenbeschaffung als Mittäter gilt. Siebeneinhalb Jahre soll nach dem Antrag der Anklägerin ein aus Markgröningen stammender 26-jähriger Italiener  hinter Gitter, ebenso auch jener arbeitslose 29-jährige italienische Transportunternehmer, der als letzten Wohnort die Niederlande angegeben hatte. Ein aus Rotterdam stammender 24-jähriger Türke soll laut Antrag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt werden, weil er als Beihelfer große Drogenmengen nach Ludwigsburg lieferte, und ein 33-Jähriger aus Asperg, dem bandenmäßiges Handeltreiben vorgeworfen wird, soll zu 4 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt werden. Der Letzte der Männerriege, ein 46-jähriger Serbe aus Ludwigsburg, soll wegen Waffenbesitz und Drogen- und Waffenhandel für acht Jahre in den Strafvollzug. Ihn bezeichnete die Anklägerin als Chef Nummer zwei der Bande.

Lediglich bei der 23-jährigen Mitangeklagten, die als letzten Wohnsitz Belgien angab, billigt die Staatsanwältin eine Strafe im Bewährungsbereich, da ihre Tatbeiträge nicht zu schwer eingestuft werden.

In der monatelangen Beweisaufnahme hat der Hauptangeklagte ein Geständnis abgegeben, das jedoch von seinen Mitbeschuldigten aufs Heftigste angegriffen und als unwahr bezeichnet wurde, da er die anderen als Mittäter bezeichnet hatte. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass er die Wahrheit sagte.

16 Verteidiger für 8 Angeklagte

Die 16 Verteidiger – jeder Angeklagte hat zwei Anwälte neben sich – werden erst am nächsten Verhandlungstag, 19. März, ihre Anträge stellen. Möglicherweise werden an diesem Tag dann auch die Urteile verkündet.

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