Prozess Angeklagter kann sich nicht erinnern

Ludwigsburg / Bernd Winckler 17.07.2018

Am dritten Verhandlungstag gegen einen Ludwigsburger Sprinter-Fahrer wegen versuchten Mordes erlitt der Angeklagte einen Kreislaufzusammenbruch. Dem 47-jährigen Lkw-Fahrer wird vorgeworfen, am 13. Dezember vergangenen Jahres in der Friesenstraße in Ludwigsburg alkoholisiert einen Fußgänger überfahren und Unfallflucht begangen zu haben. Die Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht hat die Beweisaufnahme begonnen.

Gaffer erschweren Rettung

Man habe Minuten nach der Alarmierung das 73-jährige Unfallopfer auf dem Boden liegend angetroffen, sagte der Notarzt aus. Er habe gesehen, dass der Mann schwerste Verletzungen davon getragen hatte. Die Rettungsmaßnahmen und Unfallaufnahme sei besonders durch die damals schlechte Witterung, die Dunkelheit und zusätzlich durch viele Gaffer erschwert gewesen, sagte der Notarzt.

Ein ermittelnder Polizeibeamter, der später nach der Festnahme des Angeklagten diesem erste Fragen zum Unfallgeschehen gestellt hatte, gab zu Protokoll, dass der 47-Jährige sich nicht mehr an den Aufprall erinnerte. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, deutlich zu schnell und alkoholisiert den 73-Jährigen überrollt zu haben und dann geflüchtet zu sein, was die Tatbestände des versuchten Mordes im Verkehrsgeschehen und als Verdeckungstat durch Unterlassen, Trunkenheit im Verkehr, Unfallflucht und Gefährdung des Straßenverkehrs erfülle.

Angeklagter wird ohnmächtig

Im Laufe der Zeugenvernehmungen klagte der Angeklagte plötzlich über Unwohlsein und sackte auf der Anklagebank zusammen. Daraufhin wurde die Sitzung mehrere Stunden unterbrochen.

Der Angeklagte, so ergab die Beweisaufnahme weiter, war nach dem Unfall mit seinem Sprinter weiter gefahren, prallte auf einen am Straßenrand geparkten Volvo, wobei ein 4000-Euro-Schaden entstand, und hielt erst später an einem Parkplatz an, fuhr dann nach Hause. Danach will er in das Ludwigsburger Klinikum gefahren sein, um sich über den Zustand des Opfers zu erkundigen. Erst auf Nachfragen der Richter erinnerte sich der Beschuldigte plötzlich daran, dass er einen Schlag hörte und einen Schatten sah. Die Verhandlung wird mit weiteren Zeugen und Sachverständigen am 19. und am 26. Juli vor dem Stuttgarter Landgericht fortgesetzt.

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