Die Energiewende soll in Ludwigsburg zu einer Bürgerbewegung werden. Am Donnerstag stellte Baubürgermeisterin Gabriele Nießen die städtische Aktion „Wir Energiewender“ vor. Schwerpunkt der auf mehrere Jahre angelegten Kampagne ist, die Bürger kostenfrei über Themen zur energetischen Sanierung ihrer Immobilien zu informieren und sie bei der Suche nach Fördermitteln oder vergünstigten Krediten zu unterstützen. Neben der Fachabteilung innerhalb der Stadtverwaltung sind an der Aktion die Stadtwerke, die Ludwigsburger Energieagentur (LEA) sowie zwei weitere externe Dienstleister beteiligt.

Zusammen bilden die Mitarbeiter einen ansehnlichen Kreis an Fachberatern. Sie unterstützen in den nächsten Jahren die Stadt dabei, sich dem selbst gesteckten Ziel zu nähern, bis zum Jahr 2050 CO2-neutral zu sein. „Die privaten Haushalte verbrauchen einen großen Teil der Energie in Ludwigsburg“, begründete Nießen, warum diesmal Haus- und Wohnungseigentümer, aber auch Mieter angesprochen werden und nicht große Unternehmen wie in anderen Förderprogrammen. „Klimaschutz in den eigenen vier Wänden“, lautet folglich das Motto. Die Kampagne „Wir Energiewender“ bekommt Geld aus dem Haushalt des Bundesinnenministeriums des Innern, für Bau und Heimat. Eine weitere Unterstützerin ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Sie beschränkte die Ausschreibung zum Programm „Energetische Stadtsanierung“ auf einzelne Stadtgebiete. Daher werden von April kommenden Jahres an nur die Bewohner der Stadtquartiere Stadion (im Osten), Südliche Weststadt und Eglosheim-West direkt mit Informationen versorgt. Faltblätter kommen direkt in die Briefkästen. Ein erstes Bürgergespräch findet in diesen Stadtquartieren bereits am 14., 21. und 28. November jeweils um 18.30 Uhr statt. Die Bewohner anderer Stadtteile sollen aber nicht ausgegrenzt werden. „Niemand wird abgewiesen“, versicherte die Bürgermeisterin. Sie geht davon aus, dass die ersten Interessierten diejenigen Bürger sein werden, „die eine gewisse Affinität zum Thema haben“. Für Interessenten aus den ausgewählten Stadtquartieren sei „die Betreuung weitergehend“.

Der Untertitel der Kampagne ist: „Ludwigsburg macht. Modernisieren einfach.“ Anselm Laube, Geschäftsführer der LEA, erläuterte, dass es genau darum gehe. „Bestehende Gebäude können durch die Dämmung der Fassade, die Heizungserneuerung und den Austausch der Fenster noch viel Energie einsparen.

Anschlüsse ans Fernnetz

Die Stadtwerke, die die Kampagne ebenfalls finanziell mittragen, haben ein besonderes Interesse in den ausgewählten Stadtquartieren: Dort stehen Anschlüsse an das Fernwärmenetz zur Verfügung. Die Stadtwerke möchten neue Kunden gewinnen. Derzeit ist am Römerhügel Deutschlands größte Solarthermie-Anlage im Bau. Für das Warmwasser müssen die Stadtwerke bis Mai kommenden Jahres ausreichend Abnehmer finden. Dann soll die Anlage in Betrieb gehen.

Neben der energetischen Sanierung möchte die Stadt Ludwigsburg die Chance nutzen, die betroffenen Quartiere städtebaulich attraktiver zu gestalten, „damit sie als Wohnstandorte für Jung und Alt lebenswert bleiben“, sagt Nießen. Die Bürgermeisterin hatte am Mittwoch in Berlin den Preis für Ludwigsburg aus dem Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2019“ entgegengenommen (die BZ berichtete). Die Stadt will das Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro in die Umsetzung weiterer Vorhaben zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel investieren. Für die Mitnahme von Lebensmitteln, die nicht ohne Verpackung ausgegeben werden können wie Oliven, Käse oder Wurst, soll zunächst für die Innenstadt ein Pfandsystem aus Mehrwegbehältern eingeführt werden.

www.wir-energiewender.de