Filmakademie Afrikanische Filmemacher zu Gast

An der Filmakademie wurden zwischen deutschen, nigerianischen und kenianischen Filmemachern in den vergangenen Tagen interessante Kontakte geknüpft.
An der Filmakademie wurden zwischen deutschen, nigerianischen und kenianischen Filmemachern in den vergangenen Tagen interessante Kontakte geknüpft. © Foto: Foto Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski 09.11.2018

„Nigeria hat die zweitgrößte Filmindustrie, genannt Nollywood, nach Bollywood (Indien) und vor Hollywood (USA)“, sagt Guido Lukoschek, Koordinator für internationale Beziehungen an der Filmakademie Ludwigsburg. Grund, für Lukoschek, sich dieser westafrikanischen Industrie mehr zu widmen. Bei den „Afrika-Tagen“ an der Filmhochschule ging es aber nicht nur um die florierende nigerianische Filmwirtschaft, sondern um das weniger kommerzielle Kino im ostafrikanischen Staat Kenia. Lukoschek und die Filmakademie fungieren dabei als Vermittler.

Zu Gast waren zwei Tage lang Jane und Chike Maduegbuna von der Firma Afrinolly in Nigeria sowie Judy Kibinge und Pete Mudamba von dem privaten Dokumentationsfilm-Fonds Docubox in Nairobi (Kenia). „Wir wollten wissen, was für Filme machen diese afrikanischen Länder, um dann Netzwerke etablieren zu können“, sagte Lukoschek, der auch die internationale Filmklasse betreut, in der derzeit elf Filmschaffende aus dem Iran, Südafrika, Mozambique, Venezuela, den USA, Palästina und Kenia studieren.

Während in Nigeria die Filmindustrie ähnlich wie in Indien kommerziell sehr erfolgreiche Filme dreht, mit „viel Sex, Crime, Macho-Gehabe“, so Lukoschek, produzieren die Ostafrikaner eher Dokumentationen. Die Filmwirtschaft ist klein und es gibt keine Art von Filmschulen. Deshalb hat es sich die Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart, so deren Vertreter Frank Albers, zur Aufgabe gemacht, die kenianischen Filmemacher und die, die es noch werden wollen, zu unterstützen. In Nairobi finden internationale Workshops mit Dozenten aus Ludwigsburg statt, die gemeinsam mit der internationalen Stiftung Docubox, die die Rolle einer Filmschule übernimmt, organisiert werden – finanziert durch die Stiftung, genauso wie der kenianische Besuch. Die Reise der Nigerianischen Filmemacher sponserte die Baden-Württemberg-Stiftung. Grund für die Einladung nach Ludwigsburg, so Lukoschek, sei eine Vernetzung deutscher mit afrikanischen Filmemachern, aber auch die der afrikanischen Kinoindustrie untereinander.

Engagierte Autodidakten

Der Robert-Bosch-Stiftung sei es wichtig, die Filmemacher Arabiens und Afrikas zu unterstützen, aber auch deutsche Filmemacher nach Afrika zu bringen, sodass ein internationales Netzwerk entstehe. „Die Filmemacher vor allem in Ostafrika sind sehr engagierte Autodidakten, von denen Studierende, denen an deutschen Filmhochschulen alles geboten wird, noch viel lernen können“, so Albers.

Bei der Präsentation der Filme am Mittwoch und Donnerstag aus den beiden „kulturell völlig unterschiedlichen“ afrikanischen Ländern habe man gemerkt, dass zwar die nigerianischen Filme „sehr professionell“ seien, aber auch die Kenianischen von viel praktischer Erfahrung zeugten, „ihnen fehlen nur noch professionelle Feinheiten, um kleine Lücken zu füllen“, dann könnten auch die Kenianer, so Albers, im internationalen Filmgeschäft mitspielen.

Für die deutschen Studierenden sei es, so Lukoschek, vor allem interessant, zu sehen, wie die Afrikaner Geschichten erzählten. „Und das ist komplett unterschiedlich“, sagt Albers. Und es sei auch unterschiedlich, welche Filme in den Ländern im Kurs stehen. „Die Nigerianer dominieren den afrikanischen Markt. Läuft einer der nigerianischen Schauspieler durch das ostafrikanische Nairobi, ist es, als ob Brad Pitt durch Ludwigsburg marschiert, so werden sie von Fans umringt“, sagt Albers. „Davon kann man nur lernen“, so der Projektmanager.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel