BZ-Schulpreis „Widdewiddewitt“ aus Alt mach Neu

Die Astrid-Lindgren-Grundschule erreichte den ersten Platz in der Kategorie Klassen 1 und 2 für das Projekt „Neues Leben für Altkleider“. Nach der Übergabe des BZ-Schulpreises in Bönnigheim führten die Schüler ihre selbstgenähten Kleider vor.
Die Astrid-Lindgren-Grundschule erreichte den ersten Platz in der Kategorie Klassen 1 und 2 für das Projekt „Neues Leben für Altkleider“. Nach der Übergabe des BZ-Schulpreises in Bönnigheim führten die Schüler ihre selbstgenähten Kleider vor. © Foto: Martin Kalb
Erdmannhausen / Heidi Vogelhuber 26.06.2018

Die wohl bekannteste Figur Astrid Lindgrens ist Pippi Langstrumpf. Viel würde einem beim Beschreiben der Figur einfallen, nicht jedoch, dass sie gut gekleidet ist mit ihren unterschiedlich langen Strümpfen. Astrid Lindgren ist seit 2010 die Namensgeberin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Erdmannhausen. Und entgegen der fiktiven Figur der schwedischen Autorin haben sich die Schüler der ersten und zweiten Klassen, die in der jahrgangsgemischten Klasse E3 zusammengefasst sind, denkbar viele Gedanken über Kleidung gemacht.

Um nachhaltige Kleidung und Recycling von Altkleidern, um genau zu sein. Im Projekt „Neues Leben für Altkleider“ hatten sich die 14 Erstklässler und elf Zweitklässler mit ihren beiden Klassenlehrerinnen Thorid Krüger und Kathrin Kubach vorgenommen, aus abgetragenen Kleidungsstücken, die eigentlich in der Altkleidersammlung gelandet wären, neue und schicke Kleidungsstücke zu entwerfen und zu fertigen.

Das Projekt wurde vier Wochen lang von den 25 Schülern verfolgt. Auch wurde fächerübergreifend gearbeitet. Zu Beginn stellten die beiden Lehrerinnen den Kindern die Idee des Projekts vor: Es geht um Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sowie darum, einen kritischen Blick auf die heutige Wegwerfgesellschaft zu werfen. Nur weil etwas außer Mode geraten ist, ist es noch lange nicht abgeschrieben. „Wertvolle Ressourcen gehen nicht einfach verloren, Wertstoffe können einen neuen Zweck erfüllen“, schreiben die beiden Lehrerinnen in der Projektbeschreibung.

Sammeln für das Projekt

Und dann waren alle gefragt: Bekannte, Familien und Freunde sammelten abgelegte Kleidung für die motivierten Kinder. Von ausgedienten Herrenhemden über bunte Damenblusen, der Schürze von der Oma bis zu Nachthemden war alles dabei – in verschiedenen Größen, Stoffqualitäten und Farben.

 In Kleingruppen beschäftigten sich die Kinder dann mit dem Entwerfen der neuen Kleidungsstücke. Es wurde gezeichnet, anprobiert und über verschiedene Ideen diskutiert, bis der finale Entwurf dann zur Umsetzung kam. Die Kinder schnitten, einige freiwillige Mütter ließen die Nähmaschine unermüdlich rattern, aber auch die Kinder selbst zückten Nadel und Faden. Zum Abschluss konnten die neuen Teile noch mit modernen Drucken veredelt werden.

Was kommt nach dem Entwerfen und Produzieren von Mode? Das Präsentieren natürlich. Zu diesem Anlass verwandelten sich die Schüler in Models, die ihre selbst kreierte Kollektion dem Publikum vorführten. Im Sportunterricht wurde eine Choreografie einstudiert, auch die Musik für den Laufsteg wurde gemeinschaftlich ausgewählt. Im Schulfach Deutsch schrieben die Kinder Einladungen für die bevorstehende Modenschau, die dann in der Schuldruckerei gesetzt und gedruckt wurden.

Auch ein Modekatalog wurde zusammengestellt. Am 6. Februar war es dann endlich soweit, der Tag der Präsentation war gekommen. Vor Mitschülern, Eltern, Lehrern sowie der Schulleiterin Beate Hartmann-Matter zeigten die kreativen Kinder ihre Werke.

Judo-Ass und Kochfee

So wurde aus einem abgetragenen Herrenhemd ein schicker Trainingsanzug, auf dem „Judo-Ass“ zu lesen ist. Aus einem ähnlichen Hemd konnte aber auch ein ärmelloses Kochkleid werden, das mit dem Aufdruck „Kochfee“ verziert wurde. Doch damit war das Projekt noch nicht am Ende. Vor dem Rathaus in Erdmannhausen wurden die Modekataloge sowie die umgemodelten Kleidungsstücke im Zuge der internationalen Nachhaltigkeitswoche verkauft. Am Donnerstag, 7. Juni, um 8.30 Uhr begonnen, war der Verkaufsstand bereits knapp zwei Stunden später wie leergefegt.

Die Kinder nahmen 169,25 Euro Spenden und stolze 418 Euro durch den Verkauf ein. Im Mathe-Unterricht wurden die Einnahmen daraufhin gezählt. Knapp 600 Euro werden nun im Rahmen der Sommer-Projektwoche zum Thema Frieden an ein Unicef-Projekt für notleidende Kinder in den Bürgerkriegsgebieten im Jemen gespendet.

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