Ludwigsburg "Scala on tour": Stefan Gwildis im Duett mit "The Voice"-Star John Noville

Eine Stimme, die ihresgleichen sucht: Sänger Stefan Gwildis.
Eine Stimme, die ihresgleichen sucht: Sänger Stefan Gwildis. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / MIRIAM STAUDACHER 27.11.2013
Er macht Jazz und Soul und ein bisschen Rock"n Roll. Und begeisterte jetzt mit seiner Musik und seinem mitreißenden Charme die Zuhörer im Saal der Freien Waldorfschule: Stefan Gwildis, der Hamburger Sänger und Entertainer.

Wer so sein Publikum begrüßt, muss ein netter Mensch sein: Stefan Gwildis steuerte zu Konzertbeginn nicht direkt die Bühne an, sondern schüttelte erst einmal Hände und gab Küsschen. Das Publikum freute sich über dieses so gänzlich allürenfreie Auftreten und dankte es ihm auf seine Weise: Von der ersten Nummer an gingen die Zuhörer begeistert mit, schnippten, klatschten, sangen und pfiffen mit dem Gentleman-Sänger, der zu Beginn seiner Karriere in Frauenzeitschriften gerne mal als deutscher George Clooney tituliert wurde.

Die Optik ist das eine. Das andere ist diese Stimme, die ihresgleichen sucht: zärtlich, weich, schmelzend, fast betörend, dann reibeisengleich, ungemein lässig und mit einer Menge Blues im Blut. Ob er sachte singt oder beatboxt, dass es nur so kracht: Diese wandelbare Stimme kommt an, zumal Stefan Gwildis ihr sprichwörtlich vielsagende Texte unterlegt: Die ruhige Auftaktnummer "Wer loslässt, hat die Hände frei" ist wunderbare Alltagspoesie, "Spiel das Lied in dir" eine groovige Aufforderung zur Bewegung und "Was ist denn schon dabei?" eine augenzwinkernde Reminiszenz an die 1970er-Jahre, in denen die freie Liebe das Maß der Dinge war. Stefan Gwildis schreibt Zeilen fernab seichter Belanglosigkeiten, Zeilen, die tiefer gehen: manchmal bis unter der Haut, manchmal gerade so an der Oberfläche kratzend, manchmal auch nur irgendwie komisch.

Gut, dass seine fantastischen Begleitmusiker (Tobias Neumann am Flügel, an den Keyboards und der Orgel, Martin Langer am Schlagzeug und Achim Rafain am Bass) um das hohe Niveau der Verse wissen und mit ihrem meisterlichen Spiel weit mehr als nur begleiten. Die Textvorlage für einen Höhepunkt des Konzerts hat Stefan Gwildis jedoch geklaut: "Der Einsame", ein Gedicht von Heinz Erhardt, war spannende Rezitationskunst und perfekte Unterhaltung in einem.

Stefan Gwildis ist mit mittlerweile 54 Jahren immer noch ein Hamburger Jung mit hanseatisch-erfrischendem Charme. "Poller setzen, Schiffe gucken, Schnauze halten ist eine feine Angelegenheit!", verriet er den Konzertbesuchern, die seinen locker eingestreut vorgebrachten Lebensweisheiten gerne zuhörten, die mit ihm lachten, als Assistentin "Sister Mary" mit dem Publikum Buchstaben tanzte ("Halleluja Luudwichsbuurch. Wir sind hier ja in einer Waldorfschule") und sich mit John Neville über dessen Auftrittsmöglichkeit auf der Livebühne freuten: Der in Barbados geborene und in Waiblingen lebende "The Voice"-Kandidat konnte sich in dem Fernseh-Castingformat vergangene Woche gegen David Hanselmann durchsetzen und sang im Duett mit Stefan Gwildis bei "sitting on the top of a bay" die englischen Originalzeilen.