ÖPNV „Phantom-Diskussion muss enden“

Nachdem die ÖPNV-Doppelstrategie beschlossen worden ist, wurde sie immer wieder in Frage gestellt. Neben den Niederflurbahnen sind vor allem die geplanten Schnellbusse, die demnächst auf den Weg gebracht werden sollen, stark in der Kritik.
Nachdem die ÖPNV-Doppelstrategie beschlossen worden ist, wurde sie immer wieder in Frage gestellt. Neben den Niederflurbahnen sind vor allem die geplanten Schnellbusse, die demnächst auf den Weg gebracht werden sollen, stark in der Kritik. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 04.07.2018

Nie waren wir in den letzten 20 Jahren so nah dran, eine so große Verbesserung im ÖPNV hinzubekommen als jetzt“, sagte Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec in der Pressekonferenz zur Entwicklungsstrategie des ÖPNV am Dienstagmorgen. Es sei gerade jetzt bei drohenden Fahrverboten und ständigen Staus wichtig, Alternativen zu schaffen, die Infrastruktur zu verbessern und im ÖPNV mehr als nur Tarifreize zu setzen. „Das bestehende System steht an der Belastungsgrenze, der ÖPNV ist völlig überfüllt“, ergänzt Spec. So weit, so bekannt.

Doppelstrategie in der Kritik

Was Ludwigsburgs OB allerdings nicht nachvollziehen kann, ist die Diskussion, die, wie er sagt, seit einigen Wochen aufgekommen ist. Gegenstand der Diskussion ist die beschlossene Doppelstrategie für den öffentlichen Personennahverkehr, eine Kombination aus BRT-Schnellbussen (Bus Rapid Transit) und einer Niederflurbahn (die BZ berichtete). Eine Hochflur-Lösung sei bei einigen Gemeinderäten wieder im Gespräch, und das „sehen wir sehr kritisch“, äußerte sich Spec. Eine Hochflurbahn lasse sich nicht in das Stadtbild der authentisch erhaltenen Barockstadt Ludwigsburg integrieren, da die Hochflurbahn nicht nur große Kurvenradien habe, sondern auch hohe Einstiege nötig wären. „In keiner Stadt, in der es das gibt, wären die Eingriffe in das Stadtbild so massiv wie in Ludwigsburg“, sagte Spec dazu.

Die Doppelstrategie sei von der Mehrheit im Gemeinderat beschlossen worden. „Die Phantom-Diskussionen müssen ein Ende haben“, sagt der OB. Erneute Diskussionen würden nur zu noch weiteren Diskussionen, und nicht zur gewünschten baldigen Verbesserung des Nahverkehrs führen.

Einigkeit fehlt

Doch nicht nur diese Diskussion hemmt das Voranschreiten des ÖPNV. Während die Stadt vom Gemeinderat einen Beschluss über die Reaktivierung der Schienenstrecke Ludwigsburg–Markgröningen sowie über den Streckenverlauf der BRT-Trassen möchte, um in der nächsten Jahreshälfte in die konkrete Planung zu gehen, scheint die Einigkeit über die Entscheidung zur Doppelstrategie nicht gegeben zu sein. Immer wieder wird das BRT-System in Frage gestellt. Diesen Donnerstag sowie am 19. Juli soll daher im Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt über besagte Themen erneut gesprochen werden. Ziel ist allerdings, nach diesen beiden Ausschusssitzungen, in der Gemeinderatssitzung am 25. Juli einen Beschluss über die geplante zentrale Achse zu haben, den Ost-West-Korridor, der eine Erschließung von Oßweil über die Innenstadt bis in die Weststadt sichern soll. Die ausgewählte Variante soll dann vertieft untersucht werden.

Es stehen vier Korridore für die Oststadt, und ebenso vier Korridore für die Weststadt zur Diskussion. Laut Baubürgermeister Michael Ilk wird für die Variantenprüfung Ost der Korridor von Oßweil Süd über die Kornwestheimer Straße, Fuchshofstraße, Oststraße, Schorndorfer Straße zum Bahnhof/ZOB priorisiert. Für Ludwigsburg West spricht sich die Stadt aus für den Korridor vom Bahnhof/ZOB über die Hoferstraße, Gänsfußallee, Mörikestraße zum Waldäcker.

Auf gleichen Stand bringen

Diesen Freitag findet im Landratsamt zusätzlich eine Infoveranstaltung statt, die laut Einladung „die Mitglieder der politischen Gremien aller Kommunen auf einen gemeinsamen Kenntnisstand bringen“ soll. Nach den vergangenen Vorwürfen der Kommunen, sie seien später über den aktuellen Planungsstand informiert worden als andere (die BZ berichtete), ist das auch durchaus sinnvoll. Am Donnerstag wird dem Gemeinderat auch der Finanzierungsschlüssel vorgestellt. Die Kosten werden zu 50 Prozent vom Landkreis getragen. Die andere Hälfte der Kosten teilen sich die Kommunen auf. Die Verteilung errechnet sich aus der Einwohnerzahl (20 Prozent der anfallenden Kosten), der Haltestellenanzahl (ebenfalls 20 Prozent) sowie der Streckenlänge, die durch das jeweilige Gemeindegebiet führt (60 Prozent der Kosten, die getragen werden müssen).

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