Ludwigsburg / Uwe Roth

Am Ende des Bürgerspaziergangs stellt Bürgermeister Michael Ilk fest: „Mit den Leuten vor Ort zu reden, ist mir viel lieber, als Hunderte von Seiten an Informationsmaterial und Mails zu schreiben.“ Vor Ort – das ist an diesem Freitag Ludwigsburg-Oßweil. Etwa 40 Menschen, hauptsächlich Bewohner des östlichen Stadtteils und einige Gemeinderäte, sind trotz eisigen Gegenwinds zum Treffpunkt in die Fuchshofstraße vor das neue HCL-Vereinsheim gekommen. Der Anlass für das Treffen der städtischen Vertreter „mit den Leuten“ ist der gleiche wie acht Tage zuvor: Die Begehung einer geplanten Trasse für den Bus Rapid Transit (BRT) quer durch die Stadt. „Diese Form der Beteiligung bietet die Möglichkeit, Fragen und Anregungen direkt vor Ort zu diskutieren“, heißt es in der Einleitung. Damit das gelingt, wird ein Akku betriebener Lautsprecher aufgestellt.

Keine Vorstellung

Oberbürgermeister Werner Spec, der ebenfalls „unter den Leuten“ ist, erläutert über ein Drahtlosmikrofon, dass der BRT ein schienenloser Bus sei. Obwohl im Rathaus bereits Hunderte von Seiten über ihn geschrieben worden sind, eine richtige Vorstellung von der Mixtur aus Bus und Tram haben die Bürger immer noch nicht, wie die Fragen der Bürger zeigen. Ein solcher BRT ist breiter und länger als ein übliches Personentransportmittel auf Gummirädern, wird aus den Erklärungen von Ilk, Spec und dem Mobilitätsbeauftragen Sascha Behnsen deutlich. Aber das wichtigste Unterscheidungsmerkmal des XXL-Bus ist, dass er um einiges kürzer ist als eine schienengebundene Stadtbahn. Diese fährt mit Strom. Beim BRT weiß man es noch nicht.

Eine BRT-Linie soll in wenigen Jahren von der Weststadt bis nach Remseck führen. Der erste Bürgerspaziergang führte am Freitag vor acht Tagen vom Arsenalplatz zum Berliner Platz am Stadionbad. Der zweite folgt der weiteren Linienführung durch die Fuchshofstraße, weiter am südlichen Rand von Oßweil bis zum Stadtausgang. Von allen Teilabschnitten ist die Trassenplanung im Osten wohl diejenige, die die wenigsten Schwierigkeiten machen dürfte. Auf den Straßen fahren lediglich Anrainer, und zwischen den Stadtteilen Oststadt und Oßweil sind landwirtschaftliche Flächen, auf die die Trasse gelegt werden kann. Keine bestehende Bebauung stört.

Gute Planungen in den 1970ern

Außerdem profitieren die städtischen Planer von ihren Vorgängern. Die haben in den 1970er-Jahren eine Straße in damaligen Neubaugebiet so breit angelegt, dass daraus mit einer Breite von über 15 Metern eine Stadtautobahn hätte werden können. Zum Glück für die Anwohner ist die Fellbacher Straße bis heute eine Sackgasse geblieben. Für den BRT wird sie geöffnet.

Wegen der Breite können sich die Fahrzeuge problemlos begegnen. „Eine eigene Trasse werden sie trotzdem nicht bekommen“, kündigt Ilk an. Weil so wenig Verkehr sei, könne der BRT auf der Straße ohne Zeitverlust gegenüber einer eigenen Trasse fahren. Das spart der Stadt viel Geld – und Subventionen gibt es dennoch in vollem Umfang. Die Planer der Stadtbahn (in diesem Fall der Landkreis) können nur aus dem Vollen schöpfen, wenn sich diese den Platz nicht mit dem Autoverkehr teilen muss.

Bei diesem Bürgerspaziergang gibt es wenig kritische Fragen. Beim ersten war das anders: An der stark befahrenen Myliusstraße mussten Spec und Ilk erläutern, wie die XXL-Busse durch die Innenstadt kommen sollen.