Stadtbahn „Ludwigsburg muss sich klar bekennen“

Ludwigsburg / Uwe Roth 07.08.2018

Acht Kommunen stellen sich gegen Ludwigsburg. Ihre Forderung beim Ausbau des ÖPNV lautet seit Montag: Die Stadt müsse sich bis Jahresende nicht nur zu einer Planung, sondern ebenso zum konkreten Bau einer Niederflurbahn vertraglich verpflichten. Die dafür notwendigen Trassen durchs Stadtgebiet dürften von der Stadt nicht blockiert werden. Ohne eine vertragliche Zusicherung würden andernfalls die Gleise für eine Hochflurstadtbahn der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an Ludwigsburg vorbei gebaut. Die Große Kreisstadt wäre als Projektbeteiligte dann außen vor. Darauf hat sich Landrat Rainer Haas mit den Rathauschefs von sieben Städten und Gemeinden verständigt, die im Landkreis von den Stadtbahnplänen ebenfalls betroffen sind. Haas hat Oberbürgermeister Werner Spec in einem Schreiben vom 3. August davon unterrichtet, dass er sich einer Niederflurbahn nicht generell verweigern wolle, sollte sich Ludwigsburg auf die Forderung nach einer juristisch abgesicherten Verbindlichkeit einlassen.

Nachbarn wollen Klarheit

In einem gemeinsamen Pressegespräch im Landratsamt betonten die Oberbürgermeister und Bürgermeister der Städte Remseck, Kornwestheim, Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Markgröningen und Möglingen, dass sie ebenso wie der Landkreis entgegen ihrer inneren Überzeugung einer Niederflurbahn zustimmen werden, wenn Ludwigsburg mit einer Unterschrift auf einem öffentlich-rechtlichen Vertrag keine Zweifel mehr daran aufkommen lasse, dass die Stadt in Wahrheit lediglich eine schienenlose Bahn (BRT) wolle und letztlich keine schienengebundene Bahn – egal ob Nieder- oder Hochflur. Äußerungen aus dem Gemeinderat, aber auch aus dem Rathaus ließen immer wieder den Verdacht aufkommen, man wolle in Ludwigsburg überhaupt keine Schienen in der Innenstadt, berichteten die Rathausvertreter.

OB Spec „begrüßte“ in einer ersten Stellungnahme am Montag, dass der Landrat „wieder zu einem Verzicht auf die Hochflur-Stadtbahn zurückgefunden hat.“ Ob sich die Stadt als Bekenntnis zur Niederflurbahn auf einen verbindlichen Vertrag einlassen wird, ließ er jedoch völlig offen. Haas hatte in seinem Brief an Spec erneut die Vorteile einer Fortführung der SSB-Stadtbahn betont, die „nach wie vor die von uns favorisierte Lösung“ sei. Haas begründete im Pressegespräch, warum er eine Niederflurvariante nicht ausschließen wolle, damit, dass er „die Hoffnung nicht aufgegeben hat, im Konsens mit Ludwigsburg etwas zu machen“. Der Ludwigsburger Rathauschef signalisierte in seiner Reaktion auf das Schreiben des Landrats dagegen, dass die Stadt aus seiner Sicht keinen Grund habe, von ihrem Kurs abzuweichen. Die BRT-Planung und die Reaktivierung der Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg seien „auf einem guten Weg“. Spätestens im Jahr 2022 könne die Regionalbahn in Betrieb gehen, so Spec. Diesen Zeitplan halten die Kommunalvertreter hingegen für völlig unrealistisch. An einen Brennstoffstellenzug will Haas nicht mehr glauben. Aus dem Landesverkehrsministerium habe er den Hinweis erhalten, dass allein die Bestellzeit mindestens drei Jahre betrage. Und die Planungen für die Strecke sowie das Genehmigungsverfahren seien noch nicht abgeschlossen. Die Planung einer Stadtbahn würde kaum länger dauern. Bürgermeister Rudolf Kürner sagte, dass im nächsten Haushalt von Markgröningen 150 000 Euro für Planungskosten bereitgestellt werden. Ohne einen Vertrag mit Ludwigsburg würden diese aber nicht ausgegeben werden. „Für Luftnummern steht das Geld nicht zu Verfügung“, sagte Kürner.

Notfallplan liegt bereit

Sollte es zu keinem Vertrag mit Ludwigsburg kommen, trete Plan B in Kraft, wie der Landrat ankündigte. Dieser sieht in einem ersten Schritt vor, die SSB-Stadtbahn von Remseck nach Pattonville weiterzuführen. Das Wohngebiet mit knapp 8000 Einwohnern teilt sich die Stadt mit Kornwestheim. Eine Anbindung an das Stadtbahnnetz sei dort von vorneherein vorgesehen gewesen, sagte Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier. In einem zweiten Schritt soll laut Haas mit einer Stadtbahn zeitnah nach Schritt eins Schwieberdingen mit Markgröningen, Möglingen und gegebenenfalls Ludwigsburg verbunden werden. Eine weitere Stadtbahn von Ditzingen über Korntal-Münchingen nach Schwieberdingen ist ebenfalls im Gespräch (die BZ berichtete). Kürner würde eine solche Lösung sehr begrüßen, wie er sagte. Markgröningen wäre dann auf zwei Seiten mit Stuttgart verbunden. Bürgermeister Joachim Wolf von Korntal-Münchingen sah es ebenso. Im Zweifel sei das Interesse der Bürger, nach Stuttgart zu kommen größer als nach Ludwigsburg.

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