Ludwigsburg "Jazz on a sunday": Jazzig, groovig und ein Hauch Folk

Ludwigsburg / SUSANNE YVETTE WALTER 27.01.2014
Gitte Haenning, die Jazzkantine, Nachwuchsjazzer aus Bayern und das Tenorsaxophon von Scott Hamilton in Kombination mit Olaf Polziehns Piano - bei "Jazz on a sunday" im Breuningerland gaben sich die Profis das Mikrophon in die Hand.

Trauben von Menschen hingen an den Geländern der einzelnen Stockwerke im Breuningerland, als am gestern Nachmittag um 16 Uhr endlich die heiß ersehnte, zeitlos Energie versprühende Gitte Haenning das Podium betrat. Die zwölfte Ausgabe des "Jazz on a Sunday" richtete den Fokus deutlich, aber nicht ausschließlich auf den dänischen Stargast. Doch auch schon am Vormittag, als das Landesjugendorchester aus Bayern auf der ersten der beiden Bühnen ganz in Schwarz die Instrumente auspackte, war viel von der leichten heiteren Stimmung zu spüren, die ein Jazzmeeting dieses Formats ausmacht.

Wenn sich auch der klassische Jazzfan eher dezent zu den fantasievollen Kreationen aus Nebenakkorden bewegt und niemals "flippen" würde - beschwingt war die Atmosphäre im Breuningerland schon morgens. Zum zwölften Mal lud das Einkaufszentrum zu diesem Spektakel ein. Es hat sich längst etabliert und wird so gut angenommen, dass man vor der Bühne schon sehr den Hals recken musste, um Gitte Haenning auch nur mit einem Blick zu erwischen.

Die Läden zu, die Bühnen offen, das ist genau die Atmosphäre, die Musiker und Besucher lieben. "Auf die Atmosphäre kommt es an. Es hat schon etwas, wenn da plötzlich ein Steinway-Flügel steht, ein angesagter Jazzpianist auftaucht und mit ihm einer der großen Saxofonisten. Die große Jazzwelt in Ludwigsburg. Das bringt es", freute sich zum Beispiel Besucherin Daniela Beyl aus Tamm.

Olaf Polziehn, Professor für Modern Jazz an der Universität in Graz, am Piano und Scott Hamilton am fein geschliffenen Sax: Ein Hauch von Ewigkeit schwingt mit, als beide sich begegnen, zeitlos, klassisch, dezent und elegant. Findige Zuschauer hatten die Chance beide ganz nah zu erleben. Mancher nutzte die Gelegenheit und stellte sich hinter den Pianisten, um ihm ganz genau auf die Finger zu sehen.

Jeder suchte sich seine Perspektive: Gitte Haennings Bühnenshow ist bodenständig wie sie selbst. Ganz Klevere erlebten sie von oben. Teils sind es deutsche Texte, die sich wie Blitzlichter ins Ohr graben. Doch Gitte kann auch irisch, voll urwüchsiger Kraft, mittelalterlich gefärbt und in einer Sprache, die kaum einer auch nur im Ansatz versteht. Gleich zu Beginn ihrer Show schmetterte sie für jeden gut hörbar mit der wunderbar vielfältigen Stimme "Ich hab Lampenfieber" ins Mikrophon. Man glaubt es ihr kaum, und doch sind es gerade diese ehrlichen Bekenntnisse, die man an Gitte Haenning mag. Sie lässt wissen, wie sie sich fühlt, wenn sie abends schlafen geht, wie die Welt sich um sie dreht und gibt sogar Einblick in ihren liebsten Traum. Sie kann röhren. Sie kann hauchen. Und: Sie ist bei allem sehr individuell. In Ludwigsburg prasselte der Beifall minutenlang.

Natürlich wollte sie keiner gehen lassen, genauso wenig wie die Jazzkantine, die bekannte Jazz-Rap-Band aus Braunschweig auf der anderen Bühne. Sie gehört zu den Großen in der Szene und blies passend zum Namen über die Mittagszeit den Staub von den Boxen. Zum Glück spielte die Musik auf beiden Bühnen zeitversetzt, so dass es nichts zu verpassen gab. Die Jazzkantine gründete sich aus dem Band-Projekt "jazzmazz" von Ole Sander, Matthias Lanzer und Christian Eitner. Längst hat sie sich zu einem eigenwilligen, kantigen und individuellen Ensemble entwickelt. Was sie auch in Ludwigsburg auszeichnete: die Vielfalt der Stile, die sich hier treffen. Da gehört der Rap dazu und Jazz in vielen Schattierungen. Eine Synthese aus erfahrenen wild Gebliebenen.

Nachhaltige Akzente setzten auch Ellen und Bernd Marquart und das Landesjugendjazzorchester aus Bayern, bei dem sich aus dem Jazz-Nachwuchs nur die besten zusammenfinden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel