Kino „Filmstadt Ludwigsburg macht ihre Sache gut“

Wim Wenders war zur Eröffnung der „Lichtspielliebe“ im Scala eingeladen.
Wim Wenders war zur Eröffnung der „Lichtspielliebe“ im Scala eingeladen. © Foto: MARTIN KALB
Ludwigsburg / Heike Rommel 06.10.2018

Zur Eröffnung des Festivals „Lichtspielliebe“ hat der preisgekrönte Regisseur Wim Wenders, am Donnestagabend seinen digital in K 4 resturierten Film „Der Himmel über Berlin“ vorgestellt. Anschließend kam Wenders zum Podiumsgespräch mit dem Kurator des Filmmuseums in Frankfurt, Urs Spörri. Über die Filmstadt Ludwigsburg sagte Wenders, sie mache ihre Sache gut. Der 73 Jahre alte Wim Wenders zog jede Menge Publikum an. „Da kann einen ja nur die Freude packen in so einem schönen Kino“, sagte Wenders.

Sein 32 Jahre alter Film „Der Himmel über Berlin“ beweise, „dass früher nicht alles besser war“. Er hätte die „Schnapsidee“ gehabt, Schwarzweiß mit Farbe zu vermischen und dazwischen sei das Schwarzweiß verloren gegangen. 32 Jahre nach der Premiere in Cannes sehe der Streifen aber nach technischer Überarbeitung „richtig gut aus“. Das bemerkte das Publikum bei der Vorführung.

„Dem Kino geht es schon ziemlich gut, wenn ich euch hier so sehe und das Programm der nächsten Tage.“ An diesem Samstag gibt es um 16.30 Uhr „Styx“ unter Anwesenheit des Regisseurs Fischer und anderen, um 19 Uhr einen Vortrag von Urs Spörri über „Donald Trump im Film“ und um 20.30 Uhr „Wackersdorf“ mit dem Regisseur Oliver Haffner und anderen.

Charaktere, die zu Berlin passen

Mit seinen Hauptdarstellern Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander und Peter Falk („Columbo“) hat Wim Wenders zu den Dreharbeiten von „Der Himmel über Berlin“ so einiges erlebt. Sein Ausgangspunkt: „Mit welchen Leuten kann ich die ganze Stadt Berlin erklären?“ Und das auch noch ohne Drehbuch. Wenders brauchte Charaktere, um das Lebensgefühl Berlins rüber bringen zu können. Für die Texte las er jeden Tag Rainer Maria Rilke und setzte sich mit dem Schriftsteller, Peter Handtke, in Verbindung. Nach acht Jahren in Amerika hatte der Regisseur Heimweh nach Berlin bekommen. „Heimweh nach meiner Sprache,“ sagte er im Scala. Sein Film „Der Himmel über Berlin“ sei zunächst zu traurig und melancholisch gewesen. Das hätte er über einen Bekannten mit Kontakt zu Peter Falk aufgelöst. Telefonat: „Columbo?“ „Yes, what do you want?“ „Wir sind in Berlin und haben an Sie gedacht.“ Peter Falk („Columbo“) lachte und fragte, was er denn für eine Rolle spielen soll. „Ex-Angel“ (ehemaliger Schutzengel), Dreharbeit kommendes Wochenende.“ Zusage: „I‘ll be there.“

Nach der Erzählung, wie ermutigend es sei, an Schauspieler wie Peter Falk ran zu kommen, wenn man sich nur traue, lobte Wim Wenders die Filmstadt Ludwigsburg mit ihrer Filmhochschulen. Zu seiner Zeit, so Wenders, sei Regisseur noch kein Beruf gewesen. Nach der Eröffnung der ersten Filmhochschule in München hätte er sich dort beworben, aber eine Absage bekommen.

Zu „Der Himmel über Berlin“ hat Wenders nach dem Mauerfall und der Wende seine im Abspann des ersten Films angekündigte Fortsetzung gedreht. Wieder mit Peter Falk. Den leibhaftigen Papst Franziskus hat er auch ins Kino gebracht. Wie es der Regisseur geschafft hat, dass der Papst seinem Zuschauer ständig ins Gesicht blickt? Trick Teleprompte: Darauf war aber kein Text zu sehen, sondern nur das Gesicht von Wim Wenders.

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