Schlossfestspiele „Es ist jedes Jahr ein Kunststück“

Thomas Wördehoff, der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, ist zufrieden mit der Saison 2018.
Thomas Wördehoff, der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, ist zufrieden mit der Saison 2018. © Foto: Reiner Pfisterer
Gabriele Szczegulski 24.07.2018

Ich freue mich sehr auf meine letzte Saison“, sagt der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Thomas Wördehoff, nachdem die diesjährige Saison, seine vorletzte, beendet ist. Fast beendet, muss man sagen, denn am Mittwoch, 1. August, findet im Rahmen der KSK Music Open im Schlosshof noch eine Operngala mit dem Orchester der Schlossfestspiele unter Leitung von Julia Jones statt. Zudem gibt es noch Konzerte in den Außenspielorten.

Mit 80 Prozent Auslastung und 35 000 Zuschauern sei diese Saison besser als die im Jahr zur und das, obwohl es im Forum eine große Produktion weniger gab als im vergangenen Jahr. Denn, so Wördehoff: „Alle zwei Jahre sollte es eine Produktion im weniger Menschen fassenden Schlosstheater, das ja zu unserer Identität gehört, geben.“ Die Aufführung von Händels „Lucio Cornelio Silla“ war an drei Tagen ausverkauft und ein voller Publikumserfolg. Es sei alljährlich „ein Kunststück des Teams“ und ein „Kraftakt“, ein so hochwertiges Programm zu bieten – vor allem, weil es seit 15 Jahren keine Zuschusserhöhung mehr gebe, die Kosten aber immer weiter stiegen, so Wördehoff.

800 000 Euro bekommen die Internationalen Festspiele Baden-Württemberg von der Stadt, 845 000 vom Land und 37 000 vom Landkreis. Die Außenspielorte, wie Bietigheim-Bissingen einer ist, beteiligen sich an den Produktionskosten der jeweiligen Aufführung.

Dass nach neunjähriger Amtszeit das Publikum sein Programm so annehmen würde, war zu Beginn gar nicht klar. „Ich hatte hier richtig schwere Zeiten“, sagt Wördehoff und meint die Auseinandersetzung mit dem Kuratorium der Schlossfestspiele, die anfangs wenig begeistert von seinen Ideen und vor allem von der fehlenden Auslastung waren. „Ja, es gab Pleiten. Als L’Arpegiatta das erste Mal im Forum auftraten, saßen da 200 Besucher oder bei Musik aus dem Balkan 170. Das waren die größten Pleiten meiner Zeit hier. Aber die wenigen Besucher waren aus dem Häuschen“, sagt er. Am vergangenen Freitag trat L’Arpegiatta wieder auf im Forum, das Konzert über die Balkanroute war fast ausverkauft. So ändern sich die Zeiten.

„Das war ein langsamer Prozess, weil wir anfangs nicht vermitteln konnten, was wir machen, dass für mich die Sinfonie gleichwertig mit dem Song ist, der ja die Kunstform des  20. Jahrhunderts ist“, übt der Intendant Selbstkritik. Aber langsam hätten die Besucher Vertrauen gefasst. Heute, so sagt Thomas Wördehoff, seien er und sein Programm angekommen bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Ein Grund für den jetzigen Erfolg sei auch, „dass wir mit Pietari Inkinen als Chefdirigenten einen so tollen Fang gemacht haben“. Inkinen habe aus einem Mittelklasseorchester einen Hochkaräter gemacht.

Jetzt, so Wördehoff, würde er sich auf seine letzte Saison freuen. Nicht, weil er weg wolle, aber „weil ich mir dann noch ein paar Träumchen erfülle“. Mehr will er nicht verraten. Auch nicht über seine Zeit nach Ludwigsburg, nur dass es einige Optionen gebe. „Es ist so ein Luxus, entscheiden zu können, was man machen will.“ Vielleicht schreibe er ein Buch, oder erfülle sich den Traum, ein Oper zu inszenieren.

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