ADK „Es hat sich alles zusammgeruckelt“

Dr. Elisabeht Schweeger fühlt sich an der Akademie für Darstellende Kunst und in Ludwigsburg sehr wohl und überhaupt nicht provinziell.
Dr. Elisabeht Schweeger fühlt sich an der Akademie für Darstellende Kunst und in Ludwigsburg sehr wohl und überhaupt nicht provinziell. © Foto: Helmut Pangerl
Von Gabriele Szczegulski 14.07.2018

Der Wiener Schmäh’ ist unüberhörbar, wenn Dr. Elisabeth Schweeger anfängt zu reden. Sagt man den Wienern aber nach, langsam zu sein, dann ist die Leiterin der Akademie für Darstellende Künste (ADK) in Ludwigsburg keine typische Wienerin. Schweeger spricht schnell und voller Leidenschaft. Seit vier Jahren leitet sie die Geschicke der Hochschule, die jetzt ihr zehnjähriges Bestehen feiern kann. Und man merkt, sie steht mit all ihrer Kompetenz hinter der Ludwigsburger Akademie. „Wenn jemand sagt, Ludwigsburg als Hochschulort sei provinziell, dann irrt er“, sagt Schweeger. Wo, meint sie, habe man solch geballte Kompetenz mit der ADK, der Filmakademie, dem Animationsinstitut sowie der Pädagogischen Hochschule auf einem Fleck. „Wir sind hier modern, zeitgemäß und zukunftsorientiert.“

Wie oft bei Neugründungen sind die ersten Jahre einer Akademie schwierig. Nach schnellen Wechseln in der Leitung war es Schweegers Aufgabe, die Hochschule zu stabilisieren. „Es galt, die ADK finanziell zu konsolidieren, die Studiengänge zu restrukturieren, die Anerkennung der Hochschule im internationen Kontext voranzutreiben sowie die Lehrkräfte enger an das Haus zu binden“, sagt Schweeger. Zudem sei die Öffnung nach außen eines ihrer Ziele gewesen.

Das sei ihr gelungen. „Es hat sich alles zusammgeruckelt“, sagt sie in ihrem Wiener Akzent. Die Grundkonzeption, die zur Gründung der Akademie der Darstellenden Kunst geführt habe, ist immer noch dieselbe, sagt sie: Banden bilden, interdisziplinär denken und praxisorientiert ausbilden, doch sie wurde weiter erneuert und restrukturiert, so Schweeger.  Anders als die Theaterausbildung in Stuttgart, wo Schauspieler ausgebildet werden, ist die Ludwigsburger Akademie breit gefächert: Sie bietet Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Schauspiel, Regie und Dramaturgie an, und verbindet Theater und Film eng miteinander.

Schweeger ist es vor allem wichtig, die Studierenden auf einen sich im Wandel befindlichen beruflichen und künstlerischen Alltag vorzubereiten. „Dazu gehören die handwerkliche Perfektion, die künstlerische Haltung und Vision und sich zu vernetzen“, sagt sie.  Das Studium ziele auf eine praxisorientierte, projekthafte Ausbildung ab.

Das Netzwerk ist ein Wort, das bei Elisabeth Schweeger oft vorkommt und dass sie mit Inhalten füllt. Ihr ist die enge Kooperation mit der Filmakademie gelungen, aber auch eine internationale Verknüpfung mit anderen Hochschulen oder Theatern. So ist die Hochschule Mitglied in einigen Netzwerken.  Mit zahlreichen Theaterhäusern tauscht sich ADK durch die Teilnahme an Festivals und Gastspielen aus. Seit Frühjahr 2015 ist die ADK Mitglied der Organisation E:UTSA, deren Ziel es ist, Hochschulen und ihre Studierenden europaweit zu verbinden, und Mitglied bei mitos21, einem 2008 gegründeten Verbund von Theaterschaffenden an den Theaterinstitutionen Europas.

Brücken bauen

Das von Elisabeth Schwegler ins Leben gerufene „Furore“-Festival, zu dessen Eröffnung am Donnerstag, 19. Juli, auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt, ist ein Beispiel für die Arbeit der ADK: Die Studenten planen und organisieren das Theaterfestival eigenständig. Zudem werden hierbei neue Brücken zu anderen Theaterschaffenden gebaut. Und: Ludwigsburg als Heimat der Akademie kommt in den Genuss internationaler Produktionen. Schweeger führte auch die Reihe „Montags an der ADK“ ein, auch hier wird der Campus mitten im Ort, der ADK und Filmakademie verbindet, zum Treffpunkt von Künstlern und interessierten Bürgern.  Es sind Veranstaltungen mit Persönlichkeiten des Zeitgeschehens, die über ihre Arbeit sprechen und mit denen das Publikum ins Gespräch kommen kann. Der „Treffpunkt Campus International“  ist eine Initiative der Studierenden der ADK und  der Filmakademie, bei dem „Menschen von auswärts, wie es Studierende sind, aber auch andere Migranten, sich treffen und austauschen können“, erklärt Schweeger.

Gelungen sei ihr in ihrer Amtszeit, dass „die Abläufe besser funktionieren, die Finanzierung sichergestellt ist, ein neues Probenzentrum eröffnet werden konnte, die Akkreditierung über die Bühne gegangen ist. Dieses Paket musste erledigt werden und es ist erledigt“, sagt die Akademieleiterin. Auch gibt es fixe Studiengangsleiter, die für Kontinuität sorgen.  Jetzt, so Schweeger, könne sie daran gehen, Neues zu wagen. Das Studienangebot soll ausgeweitet werden, und die „Einmaligkeit des Standorts noch geschärft werden“. Mehr internationale Studenten und Lehrende will sie holen. „Die Open Academy für Jugendliche und Berufstätige soll ausgebaut werden“, sagt Schweeger. Das bedeute, dass die ADK mit Schulen und Lehrern zusammenarbeiten will. Zu vermitteln, warum die Kunst und die Künstlerschaft so wichtig sind, das brenne ihr auf der Seele. „Denn in allem, was wir tun, kann Kunst maßgeblich den differenzierten Blick schärfen und gesellschaftliche Prozesse nachhaltig anregen und mitbestimmen.“

Furore – Internationales Festival für junges Theater

Furore ist ein Festival, das Dr. Elisabeth Schweeger initiierte. Es wird komplett von den Studierenden organisiert. Die Studenten wählen auch die 13 internationalen Produktionen aus anderen Theaterakademien aus. Furore sei ein Begegnungsraum, so Schwegler, und zeige, was junge Künstler spielen und entwerfen. Drei Tage lang spielen 60 Künstler aus zehn verschiedenen Ländern Theater.

Donnerstag, 19. Juli, 19.30 Uhr, Eröffnung mit Ministerpräsident Winfried Kretschman und Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec.
16 Uhr: „In Between“ von der London International School of Performance.(auch um 17 und 18 Uhr, und am Freitag, 20. Juli, 15.30, 18.30 und 19.30 Uhr.
20.30 Uhr: „Jakos to Bedzie. Spektakl o robotach – Somehow it will bei. Performance about robots“, Teatr Grupa, Polen.
20.30 Uhr: „Hasen-Blues. Stopp“, Akademie für Darstellende Kunst Ludwigsburg.

Freitag, 20. Juli, 12 Uhr: Film-Matinee mit Filmen der Filmakademie.
16.30 Uhr „H.A.N. – Hermaphrodita. Androgy. Narcissos“, University of Theatre and Film Arts of Budapest.
19.30 Uhr, „BURT – when I was five I killed myself“, Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin.

21.30 Uhr, „Awakening“, Aleksander-Zelwerowicz-Theaterakademie Warschau.

Samstag, 21. Juli, 15 Uhr: „A Gentle Spirit“, Buran Teatr, Tschechien.
17 Uhr: „The World of Others“, Royal Conservatoire of Scotland.
19 Uhr: „Heimat von oben“, Akademie für Darstellende Kunst Ludwigsburg.
21 Uhr: „The Power of unknown Chaos“, Mauricia Portugal.

Der Eintritt für die Theaterstücke kostet acht Euro, ermäßigt fünf Euro, der Festivalpass kostet 30 Euro. Spielstätten sind in der ADK, im Albrecht-Ade-Studio der Filmakademie und im Caligari-Kino. Karten gibt es per E-Mail an karten@adk-bw.de. sz

www.adk-bw.de

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