Ludwigsburg / Ifigenia Stogios

Ministerpräsident Winfried Kretschmann war zu Gast in der  Musikhalle in Ludwigsburg. Das Deutsch-Französische Institut (DFI) hatte am Donnerstag zu einem Festvortrag eingeladen. In der Halle waren so manche bekannte Gesichter zu erkennen. Landtagsabgeordneter Klaus Hermann, SPD-Abgeordneter  Peter Hofelich, die ehemaligen Ludwigsburger Oberbürgermeister Hans-Jochen Henke und Otfried Ulshöfer. Außerdem noch der französische Generalkonsul von Stuttgart, Nicolas Eybalin, sowie Landrat Dr. Rainer Haas.

Die Jahrestagung des Instituts eröffnete der stellvertretende Präsident des DFI und zugleich Oberbürgermeister von Ludwigsburg, Werner Spec. Dann begann Kretschmann mit seiner einstündigen Rede.„Für den politischen Diskurs müssen wir als Gemeinschaft eine gemeinsame Sprache finden, abseits der Extreme und der Polarisierung“, betonte der Ministerpräsident.

Einerseits bestehe eine überzogene politische Korrektheit und andererseits ein erschreckender Verbalradikalismus sowie eine Verrohung der Sprache. Die politische Korrektheit würde sogar in Kinderbücher wie „Jim Knopf“ eindringen. Das sei ihm vor Kurzem aufgefallen, als er das Buch in seiner Hand hielt. Die beiden Hauptfiguren des Buchs reisen plötzlich nicht mehr nach China, sondern nach Mandala: „Als ob es nun die Welt besser machen würde“, kommentierte Kretschmann.

Neue Mittel wären angesagt, um solche Phänomene wie den Verbalradikalismus zu verhindern. Es sei bedeutsam eine Tonlage zu erreichen, die getragen von gegenseitigem Respekt sei, eine Sprache, die jeder verstehe, fuhr er fort. Respekt könne man allerdings nicht erzwingen, stellte DFI-Direktor Frank Baasner fest. Respektieren zu lernen, sei eine Erziehungssache, entgegnete Kretschmann.

Aber nicht nur innerhalb der Familie könne das gegenseitige Respektieren geübt werden. „Wenn es in einem kleinen Sportverein Streit gibt, muss man ihn so klären, dass man dem anderen nächste Woche in die Augen schauen kann“, so Kretschmann. „Nirgendwo engagieren sich so viele Menschen für das Ehrenamt wie in Baden-Württemberg. Ohne Emotionen existiert kein Engagement und auch keine Politik“.

Emotion und Politik

Ein weiteres Thema, über das der Grünen-Politiker sprach, war Emotion und Demokratie. In einer demokratischen Welt gelte das Prinzip, dass die Mehrheit zwar regiere, aber trotzdem die Minderheit nicht unterdrücken dürfe. Die Frage, die sich stelle, sei, wie man sich auseinandersetze, ohne dass Gewalt entstehe. Es gehören Kompromisse dazu. Ein weiterer Punkt, auf den Baasner, den Ministerpräsidenten ansprach, war der kritische Umgang mit Informationen und inwiefern die Bürger es schaffen, sie kritisch einzuordnen. „Die Leute informieren sich ganz einseitig“, sagte Kretschmann.

Ein Beispiel dafür seien die Vereinigten Staaten Amerikas. Dort habe jeder seinen Sender. In Deutschland sei das mit dem öffentlich rechtlichen deutschen Rundfunk jedoch anders. Der sei keiner Partei angehörig.

„Natürlich kann man sich alles aus dem Internet holen“, sagte er. Sinn der Sache sei jedoch, selbst in der Lage zu sein, die Informationen zu bewerten. Er selbst lese Zeitung. „Die Zeitung beschäftigt sich mit mir, und nicht immer freundlich, da steht mal was Nettes und auch mal was Kritisches“, so Kretschmann. Man könne sich nicht nur eins von beidem aussuchen.

Außerdem ging es noch um die deutsch-französische Freundschaft. „Partnerschaften sollen gefördert werden, gemeinsame Feste sollen gefeiert werden und Städtepartnerschaften sollen entstehen. Die jungen Leute leben heute in virtuellen Welten. Projekte müssen Dinge sein, die man anfassen kann“, fügte er hinzu.