Schülerprojekt „Eine Geschichte bleibt länger hängen als Zahlen“

Uschi Traub (links vorne) vom Gesundheitsamt und Suraya Bertz (rechts vorne), Schülerin der Klasse 10, stellten das Projekt „Ein geschenktes neues Leben“ Schülern der Klasse 8a der Elly-Heuss-Knapp-Realschule vor, gemeinsam mit (sitzend von links): Heinrich Haag (Betroffener), Lehrer Michael Burkhart und Schulleiterin Heidrun Gross.
Uschi Traub (links vorne) vom Gesundheitsamt und Suraya Bertz (rechts vorne), Schülerin der Klasse 10, stellten das Projekt „Ein geschenktes neues Leben“ Schülern der Klasse 8a der Elly-Heuss-Knapp-Realschule vor, gemeinsam mit (sitzend von links): Heinrich Haag (Betroffener), Lehrer Michael Burkhart und Schulleiterin Heidrun Gross. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 17.07.2018

Bei einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2016 wurden 4002 14- bis 75-Jährige nach ihrer Einstellung zu Organspenden gefragt. Das Ergebnis zeigte, dass 81 Prozent Organspenden eher positiv, 9 Prozent eher negativ gegenüberstehen. Nur 58 Prozent der Befragten hatten eine Entscheidung für sich getroffen und nur ein kleiner Prozentsatz hat den Entschluss schriftlich festgehalten.

Dr. Uschi Traub vom Gesundheitsdezernat des Landratsamts Ludwigsburg ist sich sicher, dass dies größtenteils an fehlender Aufklärung liege. Wenn mehr Menschen die Schicksale Betroffener kennen würden, wäre die Spendebereitschaft höher. Daher hat sie gemeinsam mit Heidrun Gross, der Schulleiterin der Elly-Heuss-Knapp-Realschule in Ludwigsburg (EHK) und dem Lehrer Michael Burkhart in Zusammenarbeit mit dem Verein „Lebenstransplantierte Deutschland“ das Schülerprojekt „Ein geschenktes neues Leben“ auf die Beine gestellt. Im Frühjahr 2017 führten die 27 Schüler der damaligen Klasse 9a der EHK-Realschule im Rahmen des EWG-Unterrichts (Erdkunde, Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde) Interviews mit acht Betroffenen, denen durch ein Transplantat das Leben gerettet werden konnte. In Kleingruppen hörten sich die Schüler die Geschichten der Menschen aus Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg und Affalterbach an, und schrieben sie auf. Jetzt können die Jugendlichen die Früchte ihrer Arbeit ernten: Ihre Aufschriebe sowie Fotos von den Interviews sind nun gebündelt in einem Heft erschienen.

„Ich bin stolz auf das Engagement der Schüler“, sagt Schulleiterin Heidrun Gross bei der Präsentation der Aufklärungshefte am Montag in der EHK-Realschule. Mit dem Schulprojekt möchten die Beteiligten auf die Organspende aufmerksam machen – und das bereits im Schulalter, denn die Hefte seien auch für den Gebrauch im Unterricht an anderen Schulen gedacht. Kinder haben, so berichtet Uschi Traub, bereits ab 14 Jahren das Recht, einer Organspende zu widersprechen, und ab 16 Jahren können sie der Spende aktiv zustimmen, daher sei es sinnvoll, so früh wie möglich Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Eine Geschichte bleibt länger hängen als irgendwelche Zahlen, denn so entsteht ein emotionaler Zugang und Betroffenheit“, sagt Traub zu der Grundidee des Hefts. Auch in der Umsetzung des 40-seitigen A5-Aufklärungshefts sei man auf den schulischen Hintergrund eingegangen. Eine Tafel auf dem Titel sowie andere Schul-Elemente illustrieren das Heft. Der baden-württembergische Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha sowie Landrat Dr. Rainer Haas haben das Grußwort geschrieben, und damit ihre Wertschätzung ausgedrückt, sagt Traub.

Pläne für die Zukunft

„Wir dachten, dass Leute kommen, die wir aufmuntern müssen. Das Gegenteil war der Fall. Diese Menschen waren gut gelaunt und voller Pläne für die Zukunft“, berichtet Lehrer Burkhart von den Interviews. „Der Tag mit den Patienten war wirklich toll“, ergänzt die Schülerin Suraya Bertz, die am Projekt beteiligt war.

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