Schnelles Netz „Beste Chancen“ im Wettbewerb mit den Großen

Uwe Roth 05.07.2018

Seit einem Jahr bauen die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim an eigenem Glasfasernetz für ein sehr schnelles Internet. Mehr als 600 Kilometer Leitung sind inzwischen nach Unternehmensangaben im Stadtgebiet verbaut worden. Insgesamt sind in den Ausbau über 60 Millionen Euro verplant.

Nun hat die Deutsche Telekom in dieser Woche in Stuttgart das Versprechen angekündigt, bis 2030 sämtliche Unternehmensstandorte, Schulen und neun von zehn Haushalten mit schnellem Internet versorgen zu wollen (die BZ berichtete). Die Rede ist von 1,38 Millionen Haushalte in der Region.

Was bedeutet dies nun für die Netzausbaupläne der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim? Mit einer großangelegten Werbekampagne verkündet die Telekom als Europas größter Telekommunikationsdienstleister: „Wir bauen für Sie den Vorsprung aus.“ Telekom habe den „vollständigen Glasfaserausbau in der Region“ zum Ziel, heißt es.

Unitymedia (früher KabelBW) ist in Ludwigsburg ebenfalls gut vertreten. Der Kabelnetzanbieter soll vom Weltkonzern Vodafone übernommen werden. Deutsche Telekom, Vodafone – angesichts solcher Wettbewerber vor der Haustüre klingt Stadtwerke-Geschäftsführer Bodo Skaletz relativ gelassen, wenn er feststellt: „Regionale Netzbetreiber wie Stadtwerke haben die beste Chancen, wirtschaftlich und kundennah Dienstleistungen im Bereich der Telekommunikation zu erbringen.“

Player vor Ort

Entscheidend ist für ihn die starke Stellung der Stadtwerke bei den mit Fiberglas ausgestatteten Hausanschlüssen, dem sogenannten FTTB/FTTH-Standard. Erst dieser garantiere eine maximale Geschwindigkeit. Deutschen Telekom und Vodafone haben nach seinem Wissen zusammen einen Anteil von „nur knapp über 50 Prozent“.

Die Frage, ob es angesichts solcher mächtiger Wettbewerber sinnvoll ist, als Stadtwerke das Breitbandnetz noch selbst zu betreiben, beantwortet Skaletz mit: „Selbstverständlich macht das Sinn.“ Stadtwerke seien „der Player vor Ort“. Als Querverbundunternehmen für fast alle Sparten „sind wir Rundumversorger mit persönlichen Ansprechpartnern vor Ort“. Das sei im Wettbewerb „eine optimale Ausgangsposition“.

Der Gigabit-Ausbau werde „in der Zukunft ein noch stärkerer Wirtschaftsfaktor für Städte und Gemeinden sein als bisher“, ist er überzeugt. Wer sich nicht nur auf einen der großen Netzbetreiber verlassen wolle, müsse „als Kommune selber handeln, investieren und das Netz ausbauen“.

Von den Verhandlungen der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) mit der Telekom haben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim nach seinen Worten erst „vor wenigen Wochen erfahren.“ In die Gespräche sei er nicht eingebunden gewesen. Die Telekom will 1,1 Milliarden Euro investieren. Die 179 Kommunen in der Region sollen eine halbe Milliarde Euro beisteuern. Dies könnten auch Sachleistungen sein, wie es in der am Montag unterzeichneten Vereinbarung heißt.

Ob das entstehende Breitbandnetz der Stadtwerke ein Beitrag zur Finanzierung des Gesamtnetzes in der Region sein könnte? Der Geschäftsführer sagt dazu: „Dies ist zurzeit nicht angedacht.“ Es handelt sich aus seiner Sicht „doch zurzeit wohl eher um eine Absichtserklärung“. Da sei noch Vieles nicht in trockenen Tüchern. „Wenn die Absicht konkreter wird, können wir darüber nachdenken, uns einzubringen“, so Skaletz.

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