Eine stattliche Anzahl von erwartungsvollen Gästen war am Dienstagvormittag am Eingangstor zum Blühenden Barock versammelt, denen die gespannte Erwartung anzumerken war, und denen die aufrichtigen Grußworte von Gartenbaudirektor Schöchle galten.“ Dies war im April 1969 im Enz-und Metter-Boten zu lesen. Denn tatsächlich wird die beliebte Fahrt im blauen Bötchen dieses Jahr 50 Jahre alt. Heutzutage werden jährlich etwa 400 000 Besucherfahrten durchgeführt, teilt Frank Weber, der Technische Leiter des Blüba auf Anfrage der BZ mit.

Finanzminister im Boot

Der erste Gast der Gondelfahrt auf dem 400 Meter langen Märchenbach war übrigens der damalige Finanzminister Robert Gleichauf. Einen Monat später stand im Enz- und Metter-Boten, „die ‚Gondoliere’ – 8000 wurden an einem Tag bereits gezählt – lassen sich ins Märchenland entführen.“ Auch heute ist die Bootsfahrt noch beliebt. An Regentagen sind es rund 20 Fahrten, bei gutem Wetter gut 350, berichtet Weber. Für die vierminütige Rundfahrt stehen zehn Bötchen bereit, in die jeweils maximal vier Personen passen.

Albert Schöchle ist der Vater des Märchengartens. Inspiriert durch einen holländischen Märchengarten bei Tillburg, erdachte der Gründer des Blühenden Barocks sich das Ludwigsburger Märchenland. Bereits zwei Jahre später, nämlich im Mai 1959, war seine Idee in die Realität umgesetzt worden und der Märchengarten konnte fünf Jahre nach Gründung des Blühenden Barocks seine Pforten öffnen, zunächst mit neun Märchen. Regelmäßig kamen zusätzliche Attraktionen hinzu, wie zehn Jahre später der Märchenbach mit der Mühle und den Bötchen. Heutzutage sind es fast 50 Märchenszenen. 1969 wurden 200 000 D-Mark in den Bachlauf, das Hebewerk und die Mühle mit Wasserrad investiert. 2002/2003 wurde der komplette Bachlauf instandgesetzt. „Die alten Wannen wurden durch neue GFK-Wannen (Glasfaserverstärkter Kunststoff) ersetzt“, berichtet Weber. Die Kosten dafür lagen bei 240 000 Euro. Jedes Jahr fallen aufs Neue Instandsetzungskosten für Bachlauf, Hebewerk, Mühle und Boote an, diese liegen bei insgesamt rund 10 000 Euro.

Drei Märchenszenen zu sehen

Auf der Bootsfahrt sind drei Märchenszenen zu sehen: „Die kluge Else“ (1969) „Das tapfere Schneiderlein“ (1970) und „Pinocchio“ (2003). Die Fahrt führt zunächst mitten durch das Elternhaus der klugen Else, wo ihre größte Angst miterlebt werden kann: die Hacke über dem Fass. Als nächstes fährt das Boot an der Schneiderstube vorbei, wo das tapfere Schneiderlein fleißig bei der Arbeit ist. „Sieben auf einen Streich“ ist zu hören. Die Fahrt in den Walfischbauch ist der Abschluss der Bootsfahrt. Gemeinsam mit Pinocchio, Gepetto und dem Thunfisch wird im blauen Schiffchen der Bauch des Walfisches durchquert. Durch den Märchenbach fließen übrigens zirka 320 Kubikmeter Wasser. Das Boot selbst wurde von Blüba-Mitarbeitern entworfen und ist aus besagtem GFK. Bei 2,40 Metern Länge, einer Breite von 1,50 Metern und einer Höhe von 40 Zentimetern kommt jedes der zehn Boote, die aktuell in Betrieb sind, auf ein Gewicht von 35 Kilo.

Info Während der Saison (bis 3. Oktober) ist der Märchengarten von 9 bis 18 Uhr geöffnet.