Zu Beginn des Wahlkampfabends in Ludwigsburg war es vor dem Forum lauter als im Festsaal. Fast 250 Demonstranten, größtenteils jünger als 30 Jahre, wollten der AfD den Abend vermiesen. Gelungen ist es ihnen nicht. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass die Einzelnen, die es darauf anlegten, den Saal  stürmen und den Bundes-Chef der AfD, Jörg Meuthen, am Reden hindern konnten. Versucht hatten es einige Junge immer wieder, doch nur einmal ist es ihnen gelungen, die Polizeisperre wenige Meter vor dem Eingang zu durchbrechen. Sie kamen bis zu den Türstehern.

Im Forum, in dem mehr als 1000 Stühle Platz finden, saßen am Dienstagabend etwa 350 Sympathisanten der AfD, die der Einladung des Kreisverbands zu seiner größten Veranstaltung des Wahlkampfes gefolgt waren.

Die Themen waren klar verteilt: Martin Hess, der Bundestagskandidat für den Wahlkreis Ludwigsburg, sprach über Innere Sicherheit, der Publizist Nicolaus Fest über die „Lügenpresse“ und Bundes-Chef Jörg Meuthen über beides und alles andere.

Hess bezog sich vor allem auf die Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg, als Linksextremisten „marodierend und mit unfassbarer menschenverachtender Gewalt“ vorgegangen seien. „Null Toleranz ist die einzige Sprache, die diese Verbrecher verstehen“, sagte Hess. Kritik am Vorgehen der Polizei verbat er sich. Nicht die Polizei, sondern die Politik habe versagt, weil sie die Polizei kaputt gespart habe.

Nicolaus Fest ist so etwas wie der „Lügenpresse“-Referent der Partei. Der Berliner arbeitete bei der Bild am Sonntag, zuletzt als Vize-Chefredakteur. Er ging 2014 im Streit nach einem islam-kritischen Kommentar. Er betonte: Handwerklich schlechten Journalismus habe es schon immer gegeben. Heutzutage aber gebe es eine „systematische Irreführung“. Unter anderem unterstellte er der deutschen Presse, sie hätte das Bildungsniveau der Flüchtlinge kolossal überschätzt.

Die Einseitigkeit der Medien sah er auch darin belegt, dass die Pressebank im Forum leer war. Dem Sinn nach: Über die AfD wird mal wieder nicht berichtet. Allerdings waren sämtliche Lokalzeitungen vertreten, von Meuthen, Hess und Fest schossen mehrere Fotografen Bilder.

AfD erwägt Klage gegen Sender

Am Ende seines Vortrags sagte Fest mysteriös: „Sobald wir einen Politikwechsel haben, wird auch der Journalismus nachziehen.“ Am Mittwoch präzisierte er auf BZ-Anfrage, was er damit meinte: „Jene Journalisten, die bisher ein eher denunziatorisches Verhältnis zur AfD pflegen“, würden dann zu einer Berichterstattung wechseln, wie sie gegenüber den „Altparteien“ selbstverständlich sei: „kritisch und distanziert, aber im Bemühen, die Position der AfD objektiv darzustellen.“

Auch Jörg Meuthen beklagte eine Benachteiligung der AfD durch die Medien. So habe er ausrechnen lassen, dass AfD-Politiker extrem selten in die großen Talkshows von ARD und ZDF eingeladen würden. In der Parteiführung ziehe man eine Klage in Betracht. „Wir überlegen derzeit, ob wir diesen Weg gehen“, sagte Meuthen wörtlich.

Auch beklagte er, dass die Medien seinen Konflikt mit Frauke Petry aufbauschen würden. Die Sächsin bildet mit Meuthen das Führungs-Duo der AfD im Bund. Meuthen hatte bekannt gegeben, dass er wieder als Parteichef kandidieren wolle, aber dieses Amt nicht mehr mit Petry ausüben wollte, weil, wie er auch im Forum betonte, die „Reibungsverluste“ zu hoch seien. Er zeigte sich verwundert, dass über den Streit ausgiebig berichtet wird: „Das war doch schon lange bekannt.“ Bekannt war, dass das persönliche Verhältnis zwischen Petry und Meuthen kälter als Trockeneis ist. Eine Kandidatur gegen Petry hatte er allerdings erst jetzt öffentlich angekündigt – und dafür viel Schelte aus der Partei erhalten.

Gegen Ende ging Meuthen noch auf die „Antifanten“ (Meuthen) ein, die Protestler vor dem Forum, zu denen auch Mitglieder der „Antifa“ gehörten. „Die haben versucht, diesen Saal zu stürmen“, sagte er. Das aber sei „durch Gewalt“ verhindert worden, wie ihm zugetragen worden sei. „Unsere Security ist klasse“, sagte Meuthen beschwingt.

„Bis auf zwei kleinere Rangeleien“ sei allerdings nichts Besonderes passiert, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn. Zwei Demonstranten wurden kurz festgesetzt. Sie hatten die Anweisungen der Beamten ignoriert.