Kreis Ludwigsburg 3300 neue Wohnungen im Jahr notwendig

Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 11.09.2018

Die SPD hat die Wohnungsmisere bundesweit zu ihrem Thema gemacht. Nun trägt sie ihren Einsatz gegen den ihrer Meinung nach ungebremsten Mietanstieg am Mittwoch in die Stuttgarter Regionalversammlung. In einem von Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger mitunterzeichnetem Antrag fordert seine Fraktion mehr Unterstützung für die Gemeinden in der Region bei der Ausweisung von Wohngebieten. Ziel der SPD ist, den Einfluss des Verbands Region Stuttgart (VRS) und seine regionalplanerischen Kompetenzen auf die Wohnbaupolitik in der Landeshauptstadt sowie den umliegenden fünf Landkreisen zu stärken. In der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung wird laut Tagesordnung der Wohnungsmarktbericht der Region debattiert. Er gibt die Entwicklung der Jahre 2010 bis 2016 wieder. Daraus ergibt sich unter anderem ein immer stärkeres Gefälle bei den Kosten fürs Wohnen zwischen der großstädtischen Kernregion, zu der vor allem der südliche Teil des Landkreises Ludwigsburg gehört, und den ländlich geprägten Rändern der Region. Das zeigt sich an den im Bericht ausgewiesenen Baulandpreisen. Diese seien im Bundesvergleich auf höchstem Niveau und „dreimal höher als der durchschnittliche Preis in Deutschland von 157 Euro je Quadratmeter“. Im Stadtkreis Stuttgart seien 2016 sogar 1183 Euro pro Quadratmeter fällig gewesen.

Unterschiede in der Region

Generell, so haben die Autoren des Berichts festgestellt, seien in der Region „deutliche Preisunterschiede zwischen dem Stadtkreis Stuttgart und den Landkreisen festzustellen“. Auf Stuttgart folgt im Preisranking der Landkreis Böblingen mit knapp 400 Euro für einen Quadratmeter baureifes Land. Im Rems-Murr-Kreis waren im Untersuchungszeitraum 2016 im Durchschnitt 311 Euro fällig. 329 Euro zahlte der Käufer im Schnitt im Kreis Ludwigsburg. Im peripher gelegenen Kreis Göppingen waren die Baulandpreise mit 224 Euro über 100 Euro günstiger. Anfang des Jahrzehnts waren die Baulandpreise als Folge der damaligen Immobilienkrise zurückgegangen, seither wurden sie Jahr für Jahr teurer. Seltsamerweise bildet der Kreis Ludwigsburg eine Ausnahme: Zwischen 2010 (342 Euro) und 2016 (320 Euro) fiel der Preis um 13 Euro je Quadratmeter. In Stuttgart ist die Wohnungsmisere am größten. In der Folge orientieren sich die Menschen auf dem Immobilienmarkt im näheren Umland – mit dem Wunsch, der Landeshauptstadt möglichst nah zu bleiben. Daher ist es inzwischen auch in Städten wie Ditzingen, Fellbach und Ludwigsburg eng geworden. Auch sie zählen zu den teuersten 30 Städten Deutschlands.

Preisanstieg breitet sich aus

Die Attraktivität des Epizentrums Stuttgart hat ein Preisanstieg ausgelöst, der sich wellenförmig in die Region ausbreitet. Verlierer der Entwicklung seien vor allem die Sozialschwachen, stellen die Sozialdemokraten in ihrem Antrag an die Regionalversammlung fest: „Die gegenwärtige Preisentwicklung bei den Immobilien und Finanzierung des Wohnungsmarktes spaltet die Städte sozial und droht ganze Schichten der Gesellschaft aus ihren Quartieren und letztlich aus der Stadt zu verdrängen“, heißt es darin. Diese Problematik habe längst die mittleren und kleinen Städte erreicht. Die SPD erwartet vom VRS, dass dieser den Gemeinden dabei helfe, sich im Ausbau des „unteren Wohnungsmarkts“ zu engagieren.

Insgesamt liefert der Wohnungsmarktbericht wenig Hoffnungsvolles: Die Anzahl der Wohnungen habe in der Region Stuttgart von 2011 bis 2016 um knapp drei Prozent zugenommen, die Bevölkerung sei jedoch um fünf Prozent gewachsen. Vom Statistischen Landesamt wird bis 2035 ein weiterer Zuwachs von 81 000 Einwohnern prognostiziert. Der werde vor allem durch den zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften aufgrund der demografisch bedingten zunehmenden Renteneintritte begründet. Demnach müssten bis dahin 56 400 weitere Wohnungen entstehen, um diesen zusätzlichen Bedarf zu decken. Das wären im Durchschnitt 3300 Wohnungen pro Jahr.

Laut einer IHK-Umfrage diesen Jahres zur Wettbewerbsfähigkeit von Standorten wird aus Sicht der Betriebe die Anwerbung von Fachkräften in der Region bereits aktuell durch die mangelnde Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum erschwert. Letzteres wurde als einer der wichtigsten Standortfaktoren einge-
­schätzt.

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