Die Planung der BRT (Bus Rapid Transit)-Busse ist seit Dienstag einen großen Schritt vorangekommen. Die Stadt Ludwigsburg traf sich mit dem Landesverkehrsministerium beim Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, um über den Antrag auf Programmaufnahme in das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) zu sprechen, den die Barockstadt im Oktober letzten Jahres eingereicht hat.

Das Ergebnis: Das Land stimmt zu – damit ist Ludwigsburg die erste Stadt Deutschlands, die für ein BRT-System öffentliche Gelder erhalten könnte. Nach dem ersten Etappensieg kann die Stadt nun in die Detailplanung einsteigen und möchte bis Herbst einen konkreten Förderantrag beim Land einreichen. Bereits im Herbst 2020 sollen die ersten BRT-Busse durch die Stadt fahren. Für Deutschland sei das System noch unbekannt, obwohl es in Metropolen schon im Einsatz sei und sich bewährt habe, sagt Oberbürgermeister Werner Spec beim Pressegespräch am Mittwoch. „Für mich ist nicht erklärbar, warum andere Städte auf das System noch nicht aufgesprungen sind“, ergänzt Matthias Knobloch, Leiter des städtischen Fachbereichs Nachhaltige Mobilität.

Land fördert nun auch Busse

Peter Sautter, Geschäftsführer der IGV Stuttgart, befasse sich seit 17 Jahren mit dem Thema. „Der Bund förderte Busse nicht, außerdem waren es Dieselfahrzeuge und damit nicht unbedingt besser für die Umwelt“, so Sautter. Die Situation ist nun aber eine andere. Die geplanten BRT-Busse sind emissionsfrei und elektrisch, auch fördert das Land Baden-Württemberg als einziges Bundesland seit 2016 Bussysteme. Die Finanzierung muss differenziert betrachtet werden. Die Investitionskosten liegen inklusive 15 Prozent Risikopuffer bei rund 41 Millionen Euro. Darin ist auch die Fahrradinfrastruktur enthalten, denn es sollen nicht nur die Bustrassen angelegt, sondern das Radwegenetz gleich mitbedacht werden, erklärt Sascha Behnsen, Teamleiter Integrierte Mobilitätsplanung. Mit dem Verkehrsministerium müsse die Strecke durchgegangen werden, dann könne man schauen, aus welchem Förder-Topf welche Teilstrecke abgerechnet werden könne, also Rad oder BRT. Allgemein sind 50 Prozent Fördermittel vom Land vorgesehen. Die Restkosten teilen sich dann der Landkreis und die beteiligten Städte. „Die Fördermittelrichtlinien sind auch für Land und RP noch brandneu“, sagt Behnsen, „wir betreten gemeinsam Pionierland.“

Die umgangssprachliche Bezeichnung „Schnellbus“ sei irreführend warnt Knobloch, denn „der BRT rast nicht durch die Stadt.“ Schneller werde der Bus durch Fahrkarten-Automaten, die an den Haltestellen aufgestellt werden sollen und die Fahrgastwechselzeit reduzieren, sowie die eigenen Trassen und die Bevorrechtigung an Ampeln.

Jetzt müsse mit den Bürgern die Trassenführung diskutiert werden. Die konkrete Trassenführung sei Grundlage für den konkreten Antrag, so Spec. Auch möchte der OB noch vor der Sommerpause im Gemeinderat in die Beratungen einsteigen. Kommunal- und OB-Wahl komme den BRT-Planungen nicht in die Quere, sagt Spec auf Nachfrage: „Ich kann nicht erkennen, dass jemand den Plan infrage stellen würde.“

Infos zur West-Ost-BRT-Trasse


11,3 Kilometer lang soll die BRT-Trasse sein.

32 Knotenpunkte soll es geben, an denen BRTs bevorrechtigt werden.

80 Prozent der Strecke soll der Bus auf eigener Trasse fahren.  hevo