Karlshöhe 140 Jahre miteinander leben

Ludwigsburg / Jürgen Kunz 08.11.2016

„Evangelische Kinder- und Brüderanstalt“, so lautete der ursprüngliche Name der acht Gebäude am Ludwigsburger Salonwald, die am 6. November 1876 in Anwesenheit von König Karl von Württemberg eingeweiht wurden. Inzwischen hat sich einiges getan: Aus dem vormaligen Kinderheim wurde eine Einrichtung für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, Senioren ebenso wie Kinder und Jugendliche, Menschen mit besonderen sozialen Problemen und psychischen Erkrankungen.

„Wir feiern mehr einen Geburtstag als ein großes Jubiläum“, so Jörg Conzelmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit an der Karlshöhe, „140 Jahre sind nicht 150“. Am Samstag wurde das Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Karlshöher Kantorei am Schlosspark aufgeführt. Am Sonntag erwartete die zahlreichen Besucher ein Festgottesdienst in der Karlshöher Kirche.

Im Anschluss fanden für Interessierte Führungen über das Gelände statt. Ein Novum dabei: Die Führer waren Bewohner. Einer von ihnen war Claudio Montanaro, der „die Karlshöhe so zeigen will, wie sie ist“, meinte Beate Kurle, seine Vertrauensperson, die ihn bei der Führung unterstützte.

Entspannungsraum im Keller

Da ist erstmal der Salonwald, wo Montanaro joggen geht. Weiter geht es über die Küche, die Schulen in ganz Ludwigsburg mit Essen beliefert, zum Reitstall Kassiopeia, wo therapeutisches Reiten angeboten wird. Auch Claudio Montanaro reitet hier immer wieder auf einem der elf Pferde, erzählt er. Die Idee ist, dass auch Leute von außerhalb hier reiten“, so Beate Kurle, sodass gemischte Gruppen entstehen. In der Kinderkrippe werden Kinder unter drei Jahren betreut, überwiegend sind sie von Studenten. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen hier zusammen leben können“, meint Kurle, die auch auf der Karlshöhe wohnt.

Im Brüderhaus sind Studenten-WGs – und, ganz wichtig, „Partys“ im Keller, lacht Montanaro. Auch wichtig ist der Apfelbauer nebenan, der nicht zur Karlshöhe gehört, bei dem aber viele einkaufen, „Äpfel, Himbeeren, Kiwis“, zählt er auf.

Die Führung endet vor dem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung. Das Highlight hier: Der Entspannungsraum im Keller, in dem auch ein Wasserbett steht. Claudio Montanaro ist einer von vielen, denen es gut geht auf der Karlshöhe – und dazu trägt er auch selbst bei: Er ist ehrenamtliches Mitglied im Bewohnerrat. Jonathan Lung