Theater Zweite Premiere von „My Fair Lady“: Anders, doch kein bisschen schlechter

Auch bei der „zweiten Premiere“ des Naturtheaters wussten die Spieler zu überzeugen Oben (von links) Higgins (Manuel Meiswinkel), Pickering (Manfred Lohmüller) und Eliza (Dina Tanzmann).
Auch bei der „zweiten Premiere“ des Naturtheaters wussten die Spieler zu überzeugen Oben (von links) Higgins (Manuel Meiswinkel), Pickering (Manfred Lohmüller) und Eliza (Dina Tanzmann).
Heidenheim / HZ 26.06.2017
Es war eine andere, aber keine zweite und schon gar keine zweitrangige Besetzung, die am Samstag abend die sogenannte „zweite Premiere“ von „My fair Lady“ im Naturtheater bestritt.

Das Musical wird gespielt bis 19. August, in geplanten 18 Aufführungen. Das schafft man mit nur einer Besetzung nicht, ergo wurden alle Sprechrollen doppelt besetzt. Kann damit das Niveau der „ersten“ Premiere am Freitag gehalten werden?

Ja, man muss keine Befürchtungen haben. Am Samstag spielte die jugendlich feingliedrige Dina Tanzmann die Eliza; und sie tat das kess und unerschrocken, spielerisch manchmal vielleicht etwas filigraner respektive weniger unterschichten-unfein, aber gesanglich ganz hervorragend. Ob blond oder schwarz – jede Eliza sorgt für kribbelndes und plastisch konturiertes Vergnügen.

Deutlich unterschiedlich wird Elizas Vater dargestellt, der Müllkutscher Alfred P. Doolittle, als „Mann von Welt“ stand- und trinkfest in der Gosse. Am Samstag spielte das „Elizas“ leiblicher Vater, Karsten Tanzmann. Auch er, wie seine Tochter, gab die Figur weniger polternd prollhaft, dafür mit mehr Augenzwinkern. Die szenische Präsenz des überragenden Andreas Warken erreichte er nicht ganz, ohne freilich einen Moment lang zu enttäuschen.

Manuel Meiswinkel spielt einen smarten und des Hochsprachlichen noch ein wenig deutlicher verpflichtenden Phonetikprofessor Higgins (sein gelegentliches feines Lispeln war nicht das einzige am Samstag und störte kein bisschen). Als Frauenquäler und Brachialpädagoge ist er verbindlicher, weniger schroff, eine Spur empathischer. Und sein Wett-Gegenüber, Oberst Pickering, wird von Manfred Lohmüller ein wenig müde, melancholisch und gänzlich unmilitaristisch gespielt.

Unterschiede waren auch zu bemerken bei Higgins' Mutter (Martha Munz agierte fein, schien aber gelegentlich ein kleines bisschen unkonzentriert) und seiner Häushälterin (Susanne Schneider gab einen gelegentlich kernigen häuslichen Widerpart).

„My fair lady“ ist ein habhaftes Vergnügen, spielerisch, sängerisch, tänzerisch - egal, wer auf der Bühne steht. Die Akteure überzeugen in allen Rollen; und sie sind durch eine durchdachte und sorgsame Regie bestens eingebunden in einen mitreißenden Spielfluß. Am Freitag wie am Samstag gab's immer wieder spontanen Applaus – und das ganz zu Recht!