Heidenheim Brückengemeinde: Theaterpremiere am Wochenende

Monika Aigle, Tanja Urban und Karsten Tanzmann (von links) sind gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer ihres neuen Stückes „Last Minute – einmal Familie retour“, das am 9. und 10. November im Gemeindezentrum aufgeführt wird.
Monika Aigle, Tanja Urban und Karsten Tanzmann (von links) sind gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer ihres neuen Stückes „Last Minute – einmal Familie retour“, das am 9. und 10. November im Gemeindezentrum aufgeführt wird. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 07.11.2018
Die Mitglieder der Theatergruppe „4-the-1“ der evangelischen Brückengemeinde zeigen am kommenden Wochenende ihr diesjähriges Stück – und damit eine deutsche Erstaufführung.

Wenn wir zu schnell sind, stoppen Sie uns bitte“, sagt Karsten Tanzmann, als er zusammen mit Tanja Urban und Monika Aigle das neue Theaterstück „Last Minute – einmal Familie retour“ der Gruppe „4-the-1“ der evangelischen Brückengemeinde vorstellt. Die drei stecken mitten in den Proben; und wo Schauspieler normalerweise darauf achten, sich langsam und deutlich zu artikulieren, neigen die Hobby-Schauspieler momentan eher dazu, einen Tick zu schnell zu sprechen.

„Das Stück dauert zweieinhalb Stunden und hat sehr viele Dialoge – das darf man nicht auch noch unnötig in die Länge ziehen“, sagt Tanzmann, der Regie führt und gleichzeitig eine kleinere Rolle übernommen hat. Er lächelt. Damit, wie sich etwas in die Länge ziehen kann, hat er Erfahrung: Ganze acht Jahre ist es her, dass er das aktuelle Stück, das Stück einer christlichen Theatergruppe aus der Schweiz, zum ersten Mal gesehen hat – natürlich auf Schweizerdeutsch.

Als er sich schließlich dazu entschlossen hat, „Last Minute“ auch in Heidenheim zu zeigen, hat es nochmal zwei Jahre gedauert, bis mit dem Einverständnis und der Hilfe der Autoren die deutsche Übersetzung fertig war. „Ja, Schwyzerdütsch kann ich jetzt ziemlich gut – zumindest lesen und verstehen“, sagt der 52-Jährige.

Stückauswahl fällt nicht leicht

Warum es ausgerechnet ein Stück aus der Schweiz sein musste? Das hat den simplen Grund, dass es einfach nicht viele christliche Theaterstücke gibt. Und da ein Schwank oder ein klassisches Stück für die Brückengemeinde nie in Frage kam, musste man den Radius bei der Stückauswahl etwas erweitern. „Theaterabende bieten wir schon seit 2012, aber bisher waren es immer Stücke von und mit Ewald Landgraf, der damit von Stadt zu Stadt tourt“, so Tanzmann. Das diesjährige Stück ist also nicht nur etwas Besonderes, weil es aus der Schweiz stammt, sondern weil es von den Theatermachern der Brückengemeinde komplett selbst erarbeitet wurde – „die Aufführung am Freitag, 9. November, ist nicht nur eine Premiere, sondern sogar eine deutschsprachige Erstaufführung.“ Natürlich stand aber vor der Entscheidung für „Last Minute“ die Tatsache, dass vor allem der Inhalt des Stückes die Verantwortlichen überzeugt hat.

„Es ist anders als alles, was wir bislang hatten. Wir trauen uns, damit einen Einblick in den ganz normalen Alltag einer Patchworkfamilie zu geben. Es geht um Beziehungskonstrukte, persönliche und hochaktuelle Fragen, um tragische und zugleich komische Alltagsmomente“, sagt Tanzmann. Gezeigt wird eine Woche im Leben von Sarah Blöchlinger (gespielt von Tanja Urban), die nach der Trennung von ihrem Mann versucht, ihr Leben mit den drei Kindern wieder auf die Reihe zu bringen – inklusive der Tatsache, dass sowohl sie als auch ihr Noch-Ehemann bereits neue Beziehungen eingegangen sind.

Das Theaterspiel in der Brückengemeinde hat eine lange Tradition und seinen Ursprung in den Anspielen im Gottesdienst (siehe Infokasten). Für die Gruppe, die sich daraus ergab, ist es ein Nebenher-Projekt – aber eines, in das sie viel Zeit und Engagement stecken.

Regelmäßige Proben sind schwierig zu organisieren, viele Mitglieder der Theatergruppe sind berufstätig und arbeiten gar im Schichtdienst; so gelingt maximal alle zwei Wochen ein Treffen, bei dem dann immer diejenigen Szenen geprobt werden, für die die meisten Spieler anwesend sind. 17 Szenen, das ergibt also 34 Wochen, um das komplette Stück einmal proben zu können.

Requisiten selbst beschafft

Beleuchtung und Tontechnik liegt wie schon in den Vorjahren in den Händen von Patrick Pelz, der sich hierfür stets ein eigenes Team zusammen sucht. Requisiten, Möbel, Bühnenbild – all das, was sonst Ewald Landgraf mit seinem Theater mitgebracht hatte, mussten sich die Mitglieder dieses Mal selbst zusammen suchen. „Meine Nachbarn haben schon gefragt, ob ich ausziehe, weil ich ständig Möbel raus geschleppt habe“, sagt Tanja Urban.

Sie konnte sie beruhigen: Die Verlagerung ihres Wohnzimmers ins Gemeindezentrum der Brückengemeinde sei von vorübergehender Natur. Genauer gesagt nämlich nur, bis die beiden einzigen Aufführungen am 9. und 10.November über die Bühne gegangen sind. Und dann? „Starten wir gleich mit den Proben fürs nächste Stück. ,Des Himmels General' wird im Februar gezeigt – diesmal ist es wieder eine Aufführung von Ewald Landgraf“, sagt Tanzmann.

Wann gespielt wird und wie sich die Gruppe „4-the-1“ entwickelt hat

Die Theatergruppe „4-the-1“ zeigt „Last Minute - einmal Familie retour“, ein Theaterstück von Patricia Gotsch und Beat Müller, in der deutschen Übersetzung von Karsten Tanzmann.

Aufgeführt wird das Stück am 9. und 10. November, jeweils um 20 Uhr im Gemeindezentrum (Wilhelmstraße 136, Heidenheim).

Die Theatergruppe besteht bereits seit sechs Jahren; 2012 wurde das erste Stück aufgeführt. Der Ursprung liegt in den Gottesdienst-Anspielen.

Eine kleine Gruppe wollte noch mehr Theater spielen als die fünf Minuten im Gottesdienst, und seit einem Workshop 2013 gibt es jedes Jahr ein neues Stück. Angefangen hat die Gruppe mit rund zehn Personen und ist inzwischen auf etwa 20 Mitglieder angewachsen.

Anfangs spielten nur Mitglieder der Brückengemeinde mit, inzwischen hat sich das aber geändert. Die Gruppe ist offen für jeden und sucht ständig neue Mitspieler.

Im aktuellen Stück spielen elf Personen mit - eine Zweitbesetzung ist aus personellen Gründen aber nicht möglich.

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