Heidenheim Industriepark: Heidenheim und Königsbronn schaffen Platz für Zeiss

Heidenheim und Königsbronn wollen gemeinsam ein neues Gewerbegebiet auf Königsbronner Markung erschließen, insbesondere um die Fläche Zeiss anbieten zu können.
Heidenheim und Königsbronn wollen gemeinsam ein neues Gewerbegebiet auf Königsbronner Markung erschließen, insbesondere um die Fläche Zeiss anbieten zu können. © Foto: Geyer-Luftbild/Montage HZ
Heidenheim / Andreas Uitz 20.07.2018
Heidenheim und Königsbronn gründen einen Zweckverband, um ein gemeinsames Industriegebiet zu erschließen, auf dem Zeiss seine Produktion erweitern könnte.

Heidenheim hat nicht mehr viele Flächen, die man Industrie und Gewerbe als Bauland anbieten könnte. Königsbronn hat die Möglichkeit, eine Fläche von 12,3 Hektar zu erwerben, die als Gewerbegebiet genutzt werden könnte, aber die Erschließung ist sehr teuer. Und Zeiss hat ein Auge auf diese Fläche geworfen, weil sie an der B 19 genau gegenüber des SMT-Werks liegt. Was also liegt näher, als dass Heidenheim und Königsbronn die freie Fläche gemeinsam erschließen und Zeiss anbieten?

Das sieht auch der Heidenheimer Gemeinderat so, der in seiner Sitzung am Donnerstag der Gründung eines Zweckverbands für die Erschaffung eines interkommunalen Gewerbegebiets (wir berichteten) mehrheitlich zustimmte.

Zeiss hat großes Interesse

Wie Stadtkämmerer Guido Ochs dem Gremium erläuterte, besteht „Nachfrage aus der örtlichen Wirtschaft, es wurde Bedarf an den Flächen geäußert“. In der Vorlage für den Gemeinderat ist „Betrieben aus der Optik-/Elektronikbranche“ die Rede. Dass es sich dabei um Zeiss handelt, ist kein Geheimnis, denn erstens liegt das große Werk in unmittelbarer Nähe, zweitens hat das Unternehmen angekündigt, bis 2020 200 Millionen Euro in den Standort Ostwürttemberg zu investieren.

Die Rahmenbedingungen für den Zweckverband, dem auch der Königsbronner Gemeinderat zustimmte sehen vor, dass sich die beiden Kommunen die Kosten für Planung und Erschließung hälftig teilen und die Einnahmen zu gleichen Teilen verteilt werden. Ochs erklärte, dass mit Bodenuntersuchungen und Planänderungen bald begonnen werden muss, „weil das Unternehmen zügig starten will.“

„Das ist alles nachvollziehbar, wir haben keine Flächen und die Menschen brauchen Arbeitsplätze, also werden alle ihren Nutzen haben“, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Rudi Neidlein. „Wir stimmen da mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu“, erklärte Linke-Stadtrat Norbert Fandrich. Einerseits werde hier Natur geopfert, andererseits entstünden Arbeitsplätze in der Region: „Wenn wir es nicht tun, tut es jemand anders.“

Grüne waren dagegen

„Wir wären nicht die Grünen wenn wir nicht Bedenken hätten“, sagte Stefani Schall-Uhl. Für sie persönlich sei die Erschaffung eines neuen Gewerbegebiets in Königsbronn „nicht nachvollziehbar, die Argumente sind nicht schlüssig. Die Industrie hat sich schon genug reingefressen in dieses wunderschöne Tal.“ Auch DKP-Stadtrat Reinhard Püschel ist der Überzeugung, dass für die Industrie keine Natur geopfert werden sollte. „Wir sind nicht die Verhinderer, aber jedem muss klar sein, dass das Wachstum auch mal zu Ende geht und es wird sowieso schon viel zu viel Natur zerstört“, so Grünen-Stadtrat Hans Kurowski.

Diese Äußerungen von Seiten der Grünen-Fraktion brachten nicht nur Oberbürgermeister Bernhard Ilg auf die Palme: „Das ist mit den Heidenheimer Grünen immer das Gleiche. Die Wirtschaft bringt uns Arbeitsplätze und Geld, das wir ausgeben um Kindergartenplätze anzubieten. Außerdem haben die Kindern dann mal die Chance auf qualitativ hochwertige Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien“, sagte Ilg in einem emotionalen Ausbruch und warf den Kritikern „Doppelzüngigkeit“ vor. Er jedenfalls sei dankbar um jeden Arbeitsplatz, der in der Region geschaffen werde. So argumentierte auch Christoph Weichert (Freie Wähler). Und Ulrich Grath, Fraktionschef der Freien Wähler, äußerte ebenfalls seinen Unmut über die Kritiker: „Da könnten Arbeitsplätze in der viel gelobten Industrie 4.0 entstehen, ich verstehe nicht, wie man dagegen sein kann.“

Auch Neidlein zeigte sich verärgert: „Wollen die Grünen keine wachsende Wirtschaft?“ Ebenso Sabine Skwara (CDU): „Wir sollten glücklich darüber sein, wenn sich Firmen vor Ort weiterentwickeln wollen und Arbeitsplätze schaffen.“

Letztlich stimmte das Gremium mehrheitlich der Gründung des Zweckverbands zu. Püschel stimmte ebenso dagegen wie Schall-Uhl und Kurowski, der Rest der Grünen-Fraktion enthielt sich der Stimme.

OB Ilg betonte, dass die Zustimmung des Gemeinderats ein wichtiges Signal in die Region und auch nach Stuttgart ist. In der Frage, ob sich auch Oberkochen an dem Zweckverband beteiligt, sagte Ilg „Die Türen stehen offen und wir würden uns freuen.“

Der zweite Anlauf mit neuem Partner Heidenheim

Schon 2016 hatte Königsbronn den Plan, das Areal beim Seegartenhof zum Gewerbegebiet zu machen, damals allerdings gemeinsam mit dem Nachbarn Oberkochen. Doch dort wurde kein Bedarf gesehen.

In der Folge kam es zu erheblichen Störungen des Verhältnisses, so dass Königsbronn auf Heidenheim zuging um einen neuen Partner zu finden. Hier rannte man offene Türen ein.

Das Verhältnis der Lokalpolitiker in Königsbronn und Oberkochen ist noch immer zerrüttet. Aus Heidenheimer und Königsbronner Sicht wäre es dennoch sinnvoll, wenn sich Oberkochen dem Zweckverband für das neue Gewerbegebiet anschließen würde. Das wurde in beiden Gemeinderatsgremien betont. Ob es dazu kommen wird, ist allerdings noch offen, ebenso wie die eventuellen Bedingungen.

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