Heidenheim 200 Jahre Hartmann: Zum Jubiläum ein Blick in die Zukunft

Heidenheim / Günter Trittner 13.06.2018
Das Unternehmen feiert sein 200-jähriges Bestehen mit einem prominent besetzten Zukunftsforum und hat mit Dr. Eckart von Hirschhausen einen schlagfertigen Ideengeber engagiert.

Die Paul Hartmann AG feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Solch ein Jubiläum bietet wahrlich Anlass für eine Rückschau zu den Anfängen in Heidenheim, als der Industriepionier Ludwig von Hartmann mechanische Webstühle zum Laufen brachte und zu einer Rückschau auf all die weiteren Stufen der Entwicklung, welche Hartmann zu einem führenden Unternehmen für Medizin- und Hygieneartikel hat werden lassen. Aber es war für Hartmann auch Anlass, nach vorne zu schauen.

Anstehende Aufgaben

Vorgeschaltet dem Festabend am Mittwoch im Congress-Centrum war ein hochkarätig besetztes Zukunftsforum. Experten von Rang äußerten sich zu aktuellen Fragen des Gesundheitswesens, auf welche auch das heute von Andreas Joehle geleitete Unternehmen Hartmann Antworten finden muss. Dazu gehören die Digitalisierung, der demographische Wandel, die Globalisierung, der Fachkräftemangel und zunehmende Reglementierungen bei Produkten und Märkten.

In fünf Themenrunden wurde diskutiert. Als Moderator hatte Hartmann den Arzt und Medizin-Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen gewonnen, der seinen ganz eigenen Gesundheitsansatz hat. Going Further For Health, heißt die Parole bei Hartmann, „Humor hilft heilen“, heißt es bei Hirschhausen.

Im Plenum gab Trendforscher Sven Gábor Jánszky einen Voraussblick auf das Gesundheitswesen in zehn Jahren, bevor Stephan Holzinger, der Vorstandsvorsitzende der Röhn-Klinikum AG, Prof. Christian Franken, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Doc-Morris, CEO Dr. Erik Hamann von Orpea Deutschland und Franz Wagner, der Präsident des Deutschen Pflegerats, die themenbezogenen Debatten eröffneten.

In diesen ging es um die Zukunft der Pflege, um die hausärztliche Versorgung, die Konkurrenz von Medizinversender und klassischer Apotheke oder um den betriebswirtschaftlichen Druck auf die Kliniken.

Alle Debatten seien lebhaft geführt worden, schilderten die Gruppenleiter, auch habe es viele Anregungen aus dem Publikum gegeben. Auch mutige Forderungen wurden gestellt: etwa nach 100.000 Pflegestellen statt der von der Bundesregierung beschlossenen 13.000. Oder es wurden gute Praxisbeispiele genannt.

Für die Versorgung von Patienten im ländlichen Bereich fährt im Hessischen ein wie eine Praxis ausgestatteter Mini-Bus von Ort zu Ort. Wohl mit Erfolg, wie zu hören war. „Wo aber sind dann die hundert weiteren Busse“, hakte Andreas Joehle ein. „Wir haben kein Erkenntnisproblem“, konstatierte der Hartmann-Chef, leider folge auf das Reden zu selten das Handeln. „Tun wir es doch endlich einmal“, so sein Appell.

Zu Fortschritten kommen

Auch bei der Pflege, mischte sich Joehle, der selbst eine einschlägige Ausbildung hat, ein. Wenn es um die Werbung für den Beruf gehe und man die Schulen als den richtigen Ort dafür ansehe, warum gehe man nicht gezielt auf diese zu? Auch von Hirschhausen lag daran, zu Fortschritten zu kommen, wie etwa zu einer besseren Arbeitsteilung von Ärzten und Pflegekräften. Ärzte täten sich schwer, Tätigkeiten abzugeben.

Aber von wem würde man sich lieber eine Wunde versorgen lassen: von einer routinierten Pflegekraft oder einem jungen Assistenzarzt? Eine Antwort brauchte von Hirschhausen nicht abzuwarten. Nicht Hierarchien zählten, „es zählt, wer Erfahrung hat“.

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