Heidenheim / swp  Uhr
Schmecken Zucchini bitter, können sie giftig sein, warnen Experten. Bereits 2015 war in Heidenheim ein Rentner an einer Vergiftung gestorben. Jetzt gibt es einen neuen Fall in Baden-Württemberg.

Gefährliches Gemüse: In den Gärten blüht und sprießt es zurzeit besonders gut. Mancher Hobbygärtner freut sich über lecker zubereitete Gerichte mit selbstangebautem Gemüse in der eigenen Küche. Doch Vorsicht: „Wenn Zucchini oder Speisekürbisse bitter schmecken, sollten Verbraucher die Finger davon lassen. Der bittere Geschmack deutet auf pflanzeneigene Inhaltsstoffe hin, die extrem giftig sind, warnt das Verbraucherschutzministerium in Stuttgart. Diese gefährlichen Stoffe heißen Cucurbitacine.

Experten des Ministeriums raten daher, vor der Zubereitung eines Zucchini- oder Kürbisgerichts vor allem selbst gezüchtete Ware zu probieren und bei einem bitteren Geschmack keinesfalls zu verwenden“, sagte Verbraucherschutzminister Peter Hauk. Aktuell sei in Baden-Württemberg wieder ein Vergiftungsfall durch bittere Zucchini gemeldet worden.

Tödliche Vergiftung 2015 in Heidenheim

Das Problem bei der empfohlenen „Kostprobe“: Ältere Personen empfinden Bittergeschmack oft nicht mehr so intensiv und sind dadurch möglicherweise stärker gefährdet.

Diese Tatsache kann schwerwiegende Folgen haben, wie zwei Fälle belegen:

  • Vor vier Jahren hatte eine tödliche Vergiftung durch Zucchini in Heidenheim für Aufsehen gesorgt: Ein Rentner-Paar hatte selbst angebauten Zucchini aus Nachbars Garten zu einem Eintopf verarbeitet und gegessen, obwohl er bitter geschmeckt hatte. Beide mussten mit Durchfall, Übelkeit und Erbrechen ins Klinikum Heidenheim gebracht werden. Der Frau ging es nach einigen Tagen wieder besser. Doch ihr 79-jähriger Mann starb später auf der Intensivstation.
  • Auch in Rendsburg hatte es 2017 einen schweren Vergiftungsfall gegeben, wie die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung damals berichtete: Eine 78-Jährige hatte drei selbst gezogene Zucchini aus dem Garten eines Bekannten geschenkt bekommen. Zwei davon bereitete sie zu - und genoss sie ohne Beschwerden. Eine dritte schmeckte bitter. Die Frau schälte sie und bereitete trotzdem eine Suppe daraus - mit fatalen Folgen: Sie bekam blutigen Durchfall, starke Bauchschmerzen und musste sich heftig erbrechen. Die Rentnerin musste drei Tage lang in der Klinik behandelt werden. Die Diagnose: „Cucurbitacin-Vergiftung.“

Erhitzen der Zucchini ist wirkungslos

Die Giftstoffe überleben auch Erhitzen.
© Foto: Aileen Kapitza, dpa

„Das Fatale ist, dass die Bitterstoffe hitzebeständig sind, sich also beim Kochen nicht zersetzen. Offensichtlich bilden Zucchini- und Kürbispflanzen bei heißem und trockenem Wetter verstärkt Bitterstoffe aus. Auch nimmt der Bitterstoffgehalt während der Fruchtreife zu. Das ist neben dem aromatischeren Geschmack ein guter Grund, Zucchini möglichst jung zu ernten“, erklärte Minister Hauk.

Zucchini nie neben Zierkürbissen anpflanzen

Zucchini sollten niemals in der Nähe von Zierkürbissen angepflanzt werden, da diese eine sehr hohe Konzentration an Bitterstoffen beinhalten. Kommt es zu Kreuzungen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zucchini und vor allem die später daraus gewonnenen Samen einen sehr hohen Anteil Bitterstoffe beinhalten und damit giftig sind.

Giftstoffe nicht nur in Zucchini vorhanden

Bei den als Cucurbitacine bezeichneten Bitterstoffen handelt es sich um eine Gruppe von toxischen Stoffen, die verschiedene Kürbisgewächse – zu denen neben Kürbissen auch Zucchini, Gurken oder Melonen zählen – natürlicherweise bilden können. Cucurbitacine verursachen einen stark bitteren Geschmack, wirken als Zellgift und können Lebensmittelvergiftungen mit gastrointestinaler Symptomatik hervorrufen.

Je nach aufgenommener Dosis können die Symptome von Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfen und Durchfall bis hin zu lebensbedrohlicher hämorrhagischer Gastroenteritis (blutiger Durchfall) reichen. In seltenen Fällen können die Vergiftungen zum Tod führen.

Zucchini und Kürbisse grundsätzlich vor Zubereitung probieren

Vereinzelt können auch im Handel erworbene Zucchini oder Kürbisse belastet sein. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte Zucchini oder Kürbisse grundsätzlich vor dem Verarbeiten vorsichtig probieren. Auch hier gilt: Bittere Exemplare sollten aussortiert und entsorgt werden“, sagte der Verbraucherschutzminister.

Bei gekaufter Ware sollten Verbraucher umgehend das Produkt beim Händler reklamieren. Wer sich mit seiner Beschwerde nicht ernst genommen fühlt, kann sich auch an die Lebensmittelüberwachung wenden. Zuständig ist die Behörde des Ortes, in dem das Produkt erworben wurde.

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