Heidenheim / Kathrin Schuler Was die Stadträte von der Forderung von Tierschützern halten, wurde im Kulturausschuss ausgiebig und emotional erörtert.

Emotionaler wurde länger nicht mehr diskutiert im Gemeinderat: Schon zu Beginn stand fest: Der Sachverhalt, über den die Räte entscheiden sollten, liegt außerhalb der Kompetenzen einer Stadt wie Heidenheim.

So war schnell klar, dass es ein kommunales Wildtierverbot in Heidenheim so bald nicht geben wird. Auch in Zukunft wird es Zirkussen wie dem kürzlich gastierenden Charles Knie erlaubt sein, exotische Tiere in der Manege auftreten zu lassen. Denn: Ein solches Verbot (das in andere Städte durchaus verabschiedet wurde) wäre aus Sicht der Verwaltung rechtswidrig, wie Reiner Krieger von der Geschäftsstelle für Recht, Ordnung und Sicherheit betonte. Es würde mit dem Grundrecht auf Berufsfreiheit der Zirkusbetreiber kollidieren – und ein Zirkus könnte das Verbot per Gericht übergehen.

Dennoch: Dass es sich um eine ethische Frage handle, die jeder nach eigenem Gewissen beantworten müsse, machte zu Beginn der Debatte Rudi Neidlein, Fraktionsvorsitzender der SPD, klar. Darum gebe es auch keine „Fraktionsmeinung“: „Keiner kann mir sagen, dass große Tiere wie Elefanten im Zirkus artgerecht gehalten werden können“, meinte er und sprach sich darum persönlich für ein Verbot aus. Damit sich die Zirkusbetreiber darauf einstellen können, sollte dieses allerdings erst in einigen Jahren greifen.

Mit diesem Vorschlag konnte sich auch Christoph Weichert von den Freien Wählern anfreunden. Seiner Meinung nach würden die Zirkustiere durch ein kommunales Verbot aber eher noch mehr Nachteile erleiden: „Den Betreibern würde hier ihr Broterwerb genommen werden“. Da er sich aber außer Stande sah, die Situation der Tiere hinsichtlich der artgerechten Haltung zu beurteilen, stimmte er gegen ein sofortiges Verbot.

Norbert Fandrich machte es Grundsätzlich: Was denn eigentlich ein Wildtier sei, wollte der Linken-Stadtrat wissen. SPD-Stadträtin Gabi Wegmann argumentierte in eine ähnliche Richtung: Weshalb habe ein Zirkustier mehr Aufmerksamkeit verdient als ein Nutztier, das als Schnitzel endet?

Oberlader platzt der Kragen

Gerhard Oberlader, ebenfalls SPD, wurde der Disput an diesem Punkt schließlich zu bunt. Tierschutzorganisationen wie Peta – die sich mit der Bitte um die Einführung des Wildtierverbots an die Stadtverwaltung gewandt hatte – gingen ihm auf den Geist. „Ich warte nur noch darauf, dass man den Tieren auch noch das Wahlrecht zugesteht“, so Oberlader. Massentierhaltung sollte viel eher Thema sein als der Auftritt eines einzelnen Zirkus im Jahr. Zudem sei der Zirkus eine kulturelle Errungenschaft.

Ulrich Grath, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, lenkte die Diskussion schließlich zurück zum Ausgangspunkt: „Die Frage, ob wir heute hier einen Beschluss fassen können, stellt sich doch eigentlich gar nicht.“ Selbst mit einem wie von Rudi Neidlein vorgeschlagenen Zeitrahmen bliebe ein Wildtierverbot rechtswidrig. Stattdessen schlug Grath vor, einfach den Markt und Menschen machen zu lassen: „Jeder entscheidet für sich, ob er das sehen will oder nicht. Wenn keiner mehr hingeht, erledigt sich die Sache von selbst“, so Grath. Dieser Meinung war auch OB Bernhard Ilg.

Aufgrund der fehlenden Entscheidungskompetenz entschied sich der Ausschuss dann am Ende auch, wenig überraschend, gegen ein städtisches Wildtierverbot. Das Thema werde aber an die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises weitergegeben. Und zur Sicherheit soll das Thema in zwei Jahren erneut im Gemeinderat zur Sprache kommen.