Natur Zu Besuch in Heidenheims erstem Waldkindergarten

Jeder Tag ist Waldtag: Die kleinen Entdecker des Waldkindergartens am Talhof toben am liebsten draußen in der Natur.
Jeder Tag ist Waldtag: Die kleinen Entdecker des Waldkindergartens am Talhof toben am liebsten draußen in der Natur. © Foto: Jennifer Räpple
Heidenheim / Joelle Reimer 10.11.2013
Zehn Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren kommen derzeit täglich in den Waldkindergarten am Talhof. Anfang Oktober wurde er als erster Kindergarten dieser Art in Heidenheim eröffnet und findet bereits kurz nach seiner Gründung regen Zuspruch.

Ein Kind nach dem anderen springt aus dem Wagen, der dort mitten in der Wiese neben einem Kiesweg steht. Mit warmen Jacken und Mützen ausgestattet, machen sich drei Jungs gleich auf den Weg zu den herumliegenden Holzstämmen und turnen darauf herum. Zwei Kinder tragen einige kleine Bretter hinter den Wagen, wo sie sie zurecht sägen. „Gehen wir zum Waldsofa?“, fragt plötzlich jemand. Das lassen sich die anderen nicht zweimal sagen und rennen los, den kurzen Weg entlang in den Wald.

Das ist aber nicht das erste, was die Kinder des Waldkindergartens an diesem Vormittag erleben. „Um 7.30 Uhr kommen die ersten Kinder, um 8.30 Uhr die zweite Gruppe“, sagt Maria Charisius, Gründerin des Kindergartens. Für die Kinder beginnt der Morgen bei den Kälbchen im Stall des Talhofs, denn von dort bekommen sie ihre Trinkmilch. Nach dem täglichen Morgenkreis und dem Frühstück verbringen sie die meiste Zeit in der Natur – das ist der große Unterschied im Vergleich zum regulären Kindergarten.

„Wir sind bei jedem Wetter draußen, egal ob bei Sonne oder Schnee. Dadurch bekommen die Kinder einen Bezug zur Natur“, erläutert Charisius den Schwerpunkt des pädagogischen Konzeptes. Dazu gehören vor allem viel Bewegung, die Förderung der Kreativität und der richtige Umgang miteinander. Die Kinder spielen und lernen in und mit der Natur, denn zusätzliches Spielzeug gibt es so gut wie keines. Mit Lupen werden beispielsweise Käfer und Spinnen untersucht, es wird ein Bollerwagen gebaut, mit Steinen gerechnet oder im Wald getobt. „Selbst die Vierjährigen können schon mit einem Schnitzmesser und dem Akkuschrauber umgehen“, sagt Charisius.

Aber auch gezielte Fördermaßnahmen wie Sprachförderung oder musikalische Früherziehung finden statt. Bei richtig schlechtem Wetter gehen die Kinder in den Waldwagen, um sich aufzuwärmen. Gleich daneben befindet sich das selbst gebaute Klohaus mit einer mobilen Campingtoilette. „Der jetzige Wagen ist noch eine Übergangslösung, den hat uns der Talhof für drei Monate geliehen“, erzählt Charisius. Im Januar soll dann der richtige, sieben Meter lange Wagen kommen.

Die Idee, einen Waldkindergarten in Heidenheim zu gründen, kam Charisius, nachdem sie aus Freiburg hergezogen war. „Als ich mit meinem Mann nach Heidenheim kam, wollten wir, dass unsere Kinder weiterhin in einen Waldkindergarten gehen können“, erzählt Charisius. „Zu diesem Zeitpunkt gab es hier aber noch keinen.“ Im Mai dieses Jahres hatte Charisius den endgültigen Entschluss gefasst und warb dann auf einem Elterninformationsabend für ihre Idee. „Nach diesem Abend hatte ich bereits 15 feste Anmeldungen“, sagt sie. Die Gründung selbst ging dann unheimlich schnell. Innerhalb von fünf Monaten war der Kindergarten betriebsbereit und konnte mit Unterstützung der Stadt, des ehemaligen Forstdirektors Hans Schmid und des Talhofs bereits Anfang Oktober eröffnet werden.

„Bisher sind wir rundum zufrieden“, sagt die Gründerin. Zwei Fachkräftestellen werden im Kindergarten auf drei Mitarbeiter verteilt, zudem gibt es Praktikanten. Nach und nach kommen weitere Kinder hinzu, vorerst wird es jedoch nur eine Gruppe geben. „Wir waren ja sozusagen Quereinsteiger, normalerweise meldet man sich erst im März für den Kindergarten an“, sagt Charisius. Dafür aber sei die Anmeldezahl so kurz nach der Eröffnung sehr hoch gewesen. Die Eltern, deren Kinder im Waldkindergarten sind, seien begeistert von diesem Konzept. „Eine Mutter hat mir erzählt, dass ihr Kind sogar am Wochenende in den Kindergarten wollte“, sagt Charisius. Und auch sie selbst habe mit ihren eigenen Kindern gute Erfahrungen gemacht. „Beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule fällt auf, dass die Kinder vom Waldkindergarten konzentrierter und ausgeglichener sind“, so Charisius. Und den Eindruck bekommt man wirklich, wenn sie dort im Wald gemeinsam auf einem matschigen Hügel ihre selbstgebaute Rutsche testen und selbst der Jüngste, der erst den zweiten Tag dort ist, ganz selbstverständlich mit den anderen spielt.

Info Heute und am Samstag, 23. November, verkauft der Kindergarten Selbstgebasteltes auf dem Wochenmarkt. Am 24. November gibt es einen Adventsmarkt auf dem Talhof. Dort erhalten interessierte Eltern auch noch weitere Infos.
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