Zellteilung in Echtzeit beobachten und Strukturen innerhalb der Zelle erfassen – wenn Michael Kaschke, Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG, von  dem neuen Spezialmikroskop berichtet, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Man könnte Krebszellen beobachten und direkt die Reaktion auf Medikamente erfassen. Das würde die Krebsforschung verändern“, der sonst so sachliche 62-Jährige Physiker und Manager wird  bei dieser Beschreibung fast emotional.

Entwickelt wurde die Produktneuheit von dem Oberkochener Optikkonzern gemeinsam mit Eric Betzig. Der US-amerikanische Physiker erhielt  2014 gemeinsam mit zwei Kollegen den Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung superauflösender Fluoreszenzmikroskopie.

Wechsel an der Spitze bei Zeiss in Oberkochen steht an

Für Michael Kaschke war das die letzte Jahrespressekonferenz als Chef des Konzerns. Seinen Posten als Aufsichtsrat gibt er zum 1. April auf. Sein Nachfolger wird Karl Lamprecht. Der 54-Jährige ist seit zwei Jahren Vorstandsmitglied der Halbleitersparte von Zeiss. Kaschke wird sich dann vor allem seiner neuen Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender das Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) widmen.

Seit 2008 leitete der gebürtige Thüringer die Geschicke des Optik-Konzerns von der Ostalb und konnte in dieser Zeit zehn Rekordbilanzen in Folge vorlegen. So auch in diesem Jahr:

  • Erstmals stieg der Umsatz mit 6,4 Mrd.  € (Vorjahr: 5,8 Mrd. €) auf mehr als 6 Mrd €.
  • Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 1,063 Mrd. € (Vorjahr: 772 Mio. €) erstmals über der angestrebten Grenze von 1Mrd. €.

Grund für diese Rekordbilanz sei vor allem die wachsende Nachfrage nach Medizintechnik. „Die  Menschen werden immer älter und in immer mehr Regionen haben die Einwohner Zugang zu medizinischer Versorgung“, fasste Kaschke zusammen.

Zum guten Ergebnis hätten alle vier Sparten beigetragen:

  • Halbleitertechnik
  • Industrielle Messtechnik
  • Medizintechnik
  • Brillengläser und Objektive

Hausinterner Umsatzrekord dank der Halbleitersparte

„Unser Motor hat auf allen vier Zylindern gut gearbeitet“, so Kaschke. Einen hausinternen Umsatzrekord mit 1,6 Mrd. € erzielte die Halbleitersparte – dank der Markteinführung der EUV-Technologie, die Zeiss mit seinen Partnern ASML aus den Niederlanden und Trumpf aus Ditzingen entwickelt hat. Bei diesem optisch-elektronischen Verfahren wird elektromagnetische Strahlung für die Herstellung besonders kleiner und effizienter Schaltkreise genutzt. Die ersten Chips, die mit EUV produziert wurden, finden sich bereits in neuen Smartphones, wie Kaschke verkündete.

Bereits Mitte der kommenden Dekade könnte die Technik aber schon wieder überholt sein, prognostiziert Kaschke. Darum arbeite man bereits an der Nachfolgetechnologie.

Zeiss verzeichnet Rückgänge bei den Objektiven

Weniger erfreulich entwickelte sich das Geschäft mit Foto-Objektiven für Endverbraucher. „Unsere Kunden Canon und Nikon haben Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich“, so der Vorstandsvorsitzende. Teilweise kompensieren könne man die Entwicklung durch  High-End-Produkte für die Filmproduktion.

Mehr Mitarbeiter eingestellt


Rund 90 Prozent des Umsatzes erzielte die Carl Zeiss AG  im vergangenen Jahr außerhalb Deutschlands. Dabei sei Asien nach Amerika zum zweitwichtigsten Markt herangewachsen. Weltweit stieg die Mitarbeiterzahl um 7 Prozent auf 31 260 – davon knapp 18 000 außerhalb Deutschlands. Schwerpunkt des Konzernausbaus sei Deutschland gewesen – darunter Jena in Thüringen sowie Oberkochen und Aalen in Baden-Württemberg – mit insgesamt mehr als 1200 neuen Mitarbeitern. dpa