Heidenheim Besucherzahlen: So lief der Sommer im Naturtheater

Heidenheim / Joelle Reimer 31.08.2018
Die beiden Stücke „Frühstück bei Tiffany“ und „Der Prinz und der Bettelknabe“ lockten lediglich knapp 38.500 Zuschauer auf den Schlossberg – die Veranstalter sind dennoch zufrieden.

Der Cappuccino ist ausgeschlürft, die Tassen sind leer. Hinter den Verantwortlichen des Heidenheimer Naturtheaters, die in einem Café über die diesjährige Theatersaison diskutieren, liegt, wenn man so will, ein stattliches Frühstück. Genau genommen sogar gleich mehrere – 20 an der Zahl.

So oft nämlich war das Hauptstück „Frühstück bei Tiffany“ seit Mitte Juni auf der Freilichtbühne zu sehen. Vor genau zwei Wochen dann die letzte Aufführung; genug Zeit also, sich Gedanken über erfüllte oder auch nicht erfüllte Erwartungen zu machen. „Wir sind zufrieden“, schickt Norbert Pfisterer als Vorsitzender des Naturtheatervereins gleich vorweg.

Saison nicht unter den Top-Ten

Zufrieden, das heißt für ihn: Die Schauspieler können auf eine enorme Leistung zurückblicken, an Ton- und Lichttechnik gibt's nichts zu meckern, und mit Kostüm, Maske und Kulissenbau haben im Hintergrund alle Rädchen ineinander gegriffen. Es heißt aber auch: zufrieden wegen oder gerade trotz der Besucherzahlen.

Denn mit insgesamt 38 456 Besuchern im Haupt- und Kinderstück und einer Gesamtauslastung von 85,2 Prozent reiht sich die Saison 2018 nicht gerade in die Top-Ten der vergangenen Jahre ein. Und dennoch: „Wir haben insbesondere beim Erwachsenenstück nicht damit gerechnet, dass es doch so viele Besucher anzieht“, sagt Marita Kasischke, Mitglied im Beirat des Naturtheaters. 19 093 Gäste wurden hier in insgesamt 20 Vorstellungen gezählt – das macht im Schnitt 955 Zuschauer pro Aufführung. Damit liegt die Auslastung bei 93 Prozent.

Erwachsenenstück liegt vorne

„Es ist dieses Jahr der sehr seltene Fall eingetreten, dass die Quote beim Erwachsenenstück höher ausgefallen ist als beim Kinderstück“, so Pfisterer. „Der Prinz und der Bettelknabe“ haben in 24 Aufführungen 19 363 Zuschauer gesehen – das macht eine Auslastung von 78,6 Prozent und eine durchschnittliche Besucherzahl von 807 Personen pro Aufführung.

Über die Gründe der insgesamt eher geringen Auslastung kann nur spekuliert werden, auch wenn es einige Anhaltspunkte gibt. „Das Kinderstück zum Beispiel ist nicht so bekannt, und man hat öfter gehört, dass es nichts für kleinere Kinder sei. Da sind uns einige Kindergärten weggefallen“, so Pfisterer. Bei „Frühstück bei Tiffany“ hätten sie unerwartet viele Besucher gehabt: „Das Stück wurde kontrovers diskutiert. Einige fanden es gut, anderen war es zu lang, zu textlastig. Aber ich freue mich immer, wenn über ein Stück geredet wird.“

Künstlerischer Anspruch wichtiger als Zahlen

Außerdem mache er den Erfolg nicht allein an Zahlen fest: „Es mag sein, dass viele Gäste leichte Unterhaltung wollen. Trotzdem werden wir auch künftig abwechseln. Mal etwas Bekanntes, Beliebtes, mal etwas Unbekanntes, Schwieriges.“ Schließlich habe man einen künstlerischen Anspruch und müsse deshalb nicht immer hundertprozentig ausgelastet sein.

Der Naturtheaterverein macht sich also auch in Zukunft selbstbewusst an die Stückauswahl. Mit Blick auf die Ausstattung und Rahmenbedingungen, die seit dem Umbau auf dem Schlossberg vorhanden sind, erklärt sich dieses Selbstbewusstsein fast von selbst: „Was wir hier bieten, findet sich bei kaum einer Amateurbühne im süddeutschen Raum“, sagt Pfisterer.

Allein die aufwendige Kulisse habe dieses Jahr über 50 000 Euro gekostet, dazu seien etliche Neuanschaffungen im technischen Bereich gekommen. „Wir wollen den Vereinsmitgliedern etwas bieten. Wenn optimale Bedingungen herrschen, überträgt sich das auf das Spiel – und auf die Zuschauer“, so Kasischke.

Proben für das Herbststück

Für einige der 550 Mitglieder ist nach dem Ende der Sommerspielzeit nun erst einmal Pause angesagt. Andere hingegen proben schon seit einer Weile parallel – für das Herbststück „Der Herr der Fliegen“, das am 19. Oktober Premiere hat. Und auch das Wintermärchen „Der Nussknacker und der Mäusekönig“, das ab dem 1. Dezember zu sehen sein wird, steckt schon in der Vorbereitung. „Besonders Technik, Maske, Kostüme und der Hausmeister haben eigentlich nie Pause“, so Kasischke, die selbst ein Lied davon singen kann.

Denn: Nicht nur Herbst- und Winterstück, sondern auch die nächste Saison will geplant sein – und die wird sicherlich eine ganz besondere, feiert das Naturtheater 2019 doch sein 100-jähriges Bestehen. „Schon seit über einem Jahr ist eine spezielle Jubiläums-Crew dabei, richtig was auf die Beine zu stellen“, sagt Pfisterer. Unter anderem wird es eine Festwoche im Juli geben – mehr wird aber noch nicht verraten.

Ein straffes Programm also. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen des Naturtheaters angesichts des anstehenden Arbeitspensums im Jubiläumsjahr trotzdem ab und zu noch Zeit für eine kleine Kaffeepause finden – auch ohne Tiffany.

Hier geht’s zu den Bildergalerien der beiden Stücke:

Herbststück und Wintermärchen und Ausblick auf die Spielzeit 2019

Als Herbststück 2018 wird „Der Herr der Fliegen“ von William Golding gespielt – ab dem 19. Oktober bis 3. November. Regie führen Stephan Fritz und Ulrike Valentin. Dabei geht es um eine Gruppe Kinder, die in einem fiktiven Krieg aus ihrer Heimat evakuiert werden und dabei mit dem Flugzeug über einer unbewohnten Südseeinsel abstürzen. Die Überlebenden müssen ihren Alltag völlig auf sich alleine gestellt bewältigen.

Das Wintermärchen „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ wird vom 1. bis 21. Dezember gespielt. Eine Mischung aus Ballett, Theater und großer Inszenierung soll große und kleine Besucher (ab vier Jahren) in märchenhaft weihnachtliche Stimmung versetzen. Regie führt dabei Steffen Vogel.

Tickets für das Wintermärchen gibt es im Ticketshop des Pressehauses und den Geschäftsstellen der Heidenheimer Zeitung sowie in der Tourist-Information Heidenheim und vor Ort im Naturtheater.

2019 wird „West Side Story“ als Hauptstück im Sommer aufgeführt. Regie führen Ulrike Valentin und Cornelia Härtner. Kinderstück wird „Der Herr der Diebe“ nach einer Romanvorlage von Cornelia Funke.

Der Vorverkauf für die Spielzeit 2019 im Naturtheater startet am 1. Dezember 2018.

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