Esoterik Heidenheimer Yoga-Verein steht in Verbindung zu rumänischer Sekte

In der Nachbarschaft der Dualen Hochschule in Heidenheim residiert eine von zehn deutschlandweiten Filialen der „Deutschen Akademie für traditionelles Yoga“.
In der Nachbarschaft der Dualen Hochschule in Heidenheim residiert eine von zehn deutschlandweiten Filialen der „Deutschen Akademie für traditionelles Yoga“. © Foto: Christian Thumm
Silja Kummer 12.12.2017
Die umstrittene „Akademie für traditionelles Yoga“ bietet in Heidenheim Kurse an - auch speziell für Studenten der Dualen Hochschule. Sie gehört zu einer rumänischen Sekte, deren 65-jähriger Guru von Interpol gesucht wird.

Die „Akademie für traditionelles Yoga“ hat in Heidenheim seit mehr als zehn Jahren eine Niederlassung. Was viele nicht wissen: Der Verein, der in Deutschland insgesamt zehn Yogastudios unterhält, gehört zur rumänischen Yoga-Sekte „Misa“ („Movement for Spiritual Integration into the Absolute“). Deren Gründer und geistiger Führer Gregorian Bivolaru wird von Interpol gesucht wegen Menschenhandels und sexuellen Missbrauchs.

Davon will man in Heidenheim nichts gewusst haben: Der Heidenheimer Leiter der Yogaschule, Franz W., habe Bivolaru in mehreren Vorträgen live erlebt, ansonsten kenne er ihn persönlich nicht. Er habe bei Bivolaru nie ein Verhalten miterlebt, dass im Gegensatz zur yogischen Lehre stehe und auch die Umstände der Interpolsuche seien ihm nicht bekannt.

Diese Aussagen werden von der Berliner Pressesprecherin der Organisation übermittelt. Franz W. war zunächst zu einem Gespräch mit unserer Zeitung bereit, hat aber dann die Pressesprecherin eingeschaltet, nachdem ihm im Vorfeld die Fragen zugesandt worden waren – in denen es unter anderem um den Guru der Organisation ging.

Eine Sektenaussteigerin berichtet

Der Leiter der Heidenheimer „Akademie für traditionelles Yoga“ stammt wie Bivolaru aus Rumänien. Sie habe den in Heidenheim tätigen Lehrer bei Yoga-Camps der Sekte in Rumänien getroffen, berichtet die Sekten-Aussteigerin Cecilia Tiz. 14 Jahre lang hat sie selbst dazugehört und auch Kurse gegeben, bis sie den ersten Beweis für den sexuellen Missbrauch von Frauen gefunden habe, so Tiz.

Wie die Sekte dabei vorgeht, hat sie genauso wie andere Ex-Mitglieder von Misa für eine beim Fernsehsender N-TV ausgestrahlte Reportage des Journalisten Markus Thöß erzählt: Den Frauen werde erklärt, sie müssten Tantra-Sex haben, um zur Erleuchtung zu kommen. Mehrere Frauen wurden zu Bivolaru nach Paris geschickt, um vom Meister selbst „eingeweiht“ zu werden.

Andere wurden bei Yoga-Camps der Sekte gefilmt, bei denen sogenannte „Miss Shakti“-Wettbewerbe stattfanden. Die Filmsequenzen mit den nackten Frauen wurden später ohne das Wissen der unfreiwilligen Darstellerinnen für Pornofilme verwendet. Auch sollen, so berichtet es eine Aussteigerin im Film, Frauen in Bars oder Video-Chats in der Sexindustrie gearbeitet haben und mussten mit dem so verdienten Geld die Sekte unterstützen. All diese Vorwürfe streitet Bivolaru in einem von Markus Thöß mit ihm in einem rumänischen Gefängnis geführten Interview ab, es bestehe kein Zusammenhang zwischen Misa und Pornos.

Dagegen spricht beispielsweise, dass der dänische Leiter von Misa, Mihai Stoian, unter dem Namen Paul Diamond als Pornodarsteller in dem Film „Magic Passage“ zu sehen ist. Stoian fungiere als Ausbilder aller in der Organisation tätigen Yogalehrer, meint Cecilia Tiz. Auch der Heidenheimer Leiter der Yogaschule, der von Beruf Gymnasiallehrer ist, sei vermutlich von ihm ausgebildet worden, so Tiz.

Beruf und Yoga verknüpft

Franz W. habe seine Ausbildung zum Yogalehrer über die Atman International Federation for Yoga and Meditation erhalten, sagt dazu die Pressesprecherin der „Deutschen Akademie für traditionelles Yoga“. Das bedeutet lediglich, dass W. seine Ausbildung innerhalb der Organisation absolviert hat. „Zusätzlich ließ er von Anfang an seine Ausbildung als Gymnasiallehrer inklusive diverser Fortbildungen in Pädagogik und Methodik des Unterrichtens mit in seine Aus- und Weiterbildung als Yogalehrer einfließen“, so die Pressesprecherin. Für seine Yogalehrerfortbildung besuche W. einmal im Monat einen Kurs in Berlin.

Keine Kurse mehr an der DH

Zu Kursen im Heidenheimer Studio der „Deutschen Akademie für traditionelles Yoga“ sollen auch Studenten der Dualen Hochschule (DHBW) kommen: Schnupperstunden des Studios fanden sich bisher im Hochschul-Sportangebot der Studierendenvertretung der DHBW. Eine Sprecherin der Studierendenvertretung erläutert dazu, dass als Hochschulsport mehrere Sportarten angeboten werden. Dabei kooperiere die Studierendenvertretung mit verschiedenen Partnern. „Wir hatten die Yogaschule bei Google gefunden und wussten von dem Hintergrund natürlich nichts“, so die Sprecherin. Weitere Kurse seien jedoch nicht mehr geplant.

Was ist Yoga?

Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die ursprünglich als Weg zur Selbsterkenntnis zu verstehen ist. In vielen westlichen Yogakursen werden hauptsächlich die körperlichen Übungen („Asanas“) praktiziert, manchmal auch mit Meditation oder Aufmerksamkeitsübungen verbunden. Der Begriff Yoga taucht bereits 400 v. Chr. in Schriften des Hinduismus auf. Yoga ist seit 2016 als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco anerkennt.