Heidenheim Wolfgang Sörös: „Mein Sohn ist der bessere Musiker“

Kostbarer Moment für Vater und Sohn: Wolfgang und Martin Sörös haben den gemeinsamen Auftritt im Naturtheater genossen. Im Alltag bleibt kaum Zeit für gemeinsames Musizieren. Der 26-jährige Martin lebt nahe Ludwigsburg, wird bald zum zweiten Mal Vater. Wolfgang Sörös, der als Lehrer an der Hirscheckschule auch Musik unterrichtet hat, probt in der Regel solo für Wohnzimmerkonzerte.
Kostbarer Moment für Vater und Sohn: Wolfgang und Martin Sörös haben den gemeinsamen Auftritt im Naturtheater genossen. Im Alltag bleibt kaum Zeit für gemeinsames Musizieren. Der 26-jährige Martin lebt nahe Ludwigsburg, wird bald zum zweiten Mal Vater. Wolfgang Sörös, der als Lehrer an der Hirscheckschule auch Musik unterrichtet hat, probt in der Regel solo für Wohnzimmerkonzerte. © Foto: Kalle Linkert
Heidenheim / Manuela Wolf 15.08.2018
Der Heidenheimer Wolfgang Sörös ist erstmals mit seinem Sohn Martin, einem studierten Jazzmusiker, gemeinsam aufgetreten. Im Interview erzählen sie, wie es sich anfühlt, als „Sörös old and Sörös young“ Musik zu machen.

Beruf, politisches Ehrenamt, Hobby, Frisur: Wolfgang Sörös ist einer, den man kennt im Kreis Heidenheim. Seit er im Ruhestand ist, tritt der 66-Jährige mit seinem Akkordeon in Wohnzimmern und auf kleinsten Bühnen auf. Sein Repertoire umfasst 60 Titel von Mundart bis Italo-Klassiker, dazu erzählt er Anekdoten aus der Musikgeschichte und aus seinem Leben. Unlängst trat er erstmals mit seinem Sohn Martin vor Publikum auf. Im Interview erklären „Sörös old and Sörös young“, was Profi-Musiker und Autodidakten voneinander lernen können und warum es ohne Familienbande diesen Auftritt nie gegeben hätte.

Herr Sörös, viele Musiker träumen von großen Bühnen. Seit Sie im Ruhestand sind, geben Sie mit Vorliebe Konzerte auf engstem Raum. Warum?

Wolfgang Sörös: Musik machen ist für mich wie „schwätzen“ mit den Leuten. Ich bin jedes Mal aufgeregt. Ich stehe ganz alleine da. Kein Notenständer mit Texten. Ich singe, spiele und rede und bediene nebenbei die gesamte Technik. Da ist Konzentration gefragt. Ich stehe unter Stress, das ist sehr anstrengend, auch wenn ich das manchmal gar nicht so empfinde. Wenn ich mich wohl fühle und alles gut läuft, kann ich sogar die Augen schließen und mich ganz hingeben. Das ist toll. Diese hautnahe Atmosphäre, diese direkte Rückmeldung vom Publikum finde ich sehr spannend.

Sie haben über 20 Jahre lang in einer Band gespielt. Genießen Sie es jetzt, alleine aufzutreten?

Wolfgang Sörös: Ich genieße, dass ich finanziell unabhängig bin und nur noch die Lieder spiele, hinter denen ich stehe. Früher habe ich Tanzmusik für Geld verkauft. Ich war Dienstleister. Wenn jemand heute zu mir sagen würde, jetzt aber das Kufsteinlied, würde ich sofort nach Hause gehen.

Sie haben alle zwei, drei Wochen einen Auftritt. Wie viel Vorbereitung steckt in so einem Abend?

Wolfgang Sörös: Ich bin tatsächlich unglaublich fleißig. Es kann gut sein, dass ich schon morgens mit einer Tasse Kaffee im Bett sitze und dabei Texte rezitiere. Man muss alles hundertprozentig auswendig draufhaben, sonst kriegt man es nicht hin, wenn man aufgeregt ist.

Für die Veranstaltung mit Ihrem Sohn Martin im Theatercafé haben Sie nur viermal geprobt. Hat Sie das nervös gemacht?

Wolfgang Sörös: Wir haben quasi mein Programm zu zweit gespielt, von daher musste ich nichts Neues dazulernen. Die Frage war: Wo ist Martin eine Bereicherung, welche Lieder werden durch ihn besser? Dass schon vor unserer ersten Probe Eintrittskarten verkauft worden waren, hat mir Bauchschmerzen gemacht. Außerdem habe ich Respekt vor Martins Können. Ich hätte mich weniger vor dem Publikum geniert als vor ihm. Aber nach der ersten Probe war klar: das klappt. Ich war überwältigt von Martins Improvisationskunst. Er ist eindeutig der bessere Musiker von uns beiden.

Das Publikum war sehr angetan von diesem Konzert. Wird man Sie öfter gemeinsam auf der Bühne sehen?

Martin Sörös: Es genügt mir, alle drei Monate in Heidenheim aufzutreten. Das soll ja was Exklusives bleiben. Das nächste Mal spielen wir am 17. August im Brenzpark.

Sie sind „Master of Jazzpiano“. Was kann ein studierter Musiker wie Sie von einem nicht studierten Musiker wie Ihr Vater einer ist trotzdem noch lernen?

Martin Sörös: Er ist Perfektionist. Sein Üben ist exzessiv, das war es schon immer; er steigert sich dabei richtig rein. Manche Titel aus seinem Programm kenne ich bereits von Kindesbeinen an.

Wäre er nicht Ihr Vater, wären Sie dann trotzdem mit ihm aufgetreten?

Martin Sörös: Ich schätze, was er kann. Und ich weiß, was er nicht kann. Ich finde es spannend zu sehen, wie er sich im Alter weiterentwickelt und an Neues wagt. Es hat Spaß gemacht. Ohne Vater-Sohn-Liebe hätte es dieses Konzert aber nicht gegeben. Ich hätte mir niemanden gesucht, um solch ein Programm zu spielen. Der Zeitaufwand wäre mir zu groß gewesen.

Ist das nun Lob oder Kritik?

Wolfgang Sörös: Mein Sohn hat nach dem Auftritt nicht mit mir geschimpft. Ich denke also, dass er zufrieden war. Ich habe das Konzert als eine Art musikalische Fürsorge empfunden. Es war sozusagen ein umgekehrtes Stärkeverhältnis. Der Sohn als Stütze für den Vater.

Das klingt, als sehnten Sie sich nach zahlreichen Solo-Auftritten nun doch nach einem musikalischen Begleiter.

Wolfgang Sörös: Das Ganze hat an Flexibilität gewonnen. Martin hat Ansagen gemacht, den Stress rausgenommen; ich konnte den Abend richtig genießen. Grundsätzlich habe ich aber keine Lust mehr, öffentlich Musik mit anderen zu machen. Schon weil so viel Organisation dranhängt. Immer wieder die Frage: Wer hat wann Zeit? Nervige Diskussionen über Titelauswahl oder über den Sound. Ich habe das einfach satt. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann: Ich werde Martin bei meinem nächsten Wohnzimmerkonzert vermissen.

Sie treten meist gemeinsam mit Kollegen auf. Können Sie die Argumente Ihres Vaters nachvollziehen?

Martin Sörös: Klar. Wenn man mit Hobbymusikern spielt, ist es nicht selbstverständlich, dass sie sämtliche Akkorde oder Griffe beherrschen. Wenn der theoretische Background fehlt, muss man sehr viel proben und jeden Einsatz festlegen. Das geht mit einem Jazzmusiker deutlich schneller. Da gehört es dazu, aufeinander zu hören und auch mal zu improvisieren.

Was würden Sie rückblickend sagen: Welchen Anteil hatte Ihr musikalisches Elternhaus an Ihrer beruflichen Laufbahn?

Martin Sörös: Das Üben und Spielen war bei mir schon immer intrinsisch motiviert. Es war daheim keine russische Klavierschule, ich wurde zu nichts gezwungen. Aber meine Eltern haben schon forciert, dass ich auch mal länger bei einer Sache bleibe, auch wenn ich keine Lust dazu hatte. Das ist mir später zugute gekommen. Wolfgang Sörös: Alle unsere fünf Kinder hatten Musik- oder Gesangsunterricht, wir haben damals jeden Monat etwa 400 Euro an die Musikschule überwiesen. Wenn einer was kann, sagt man immer: Ja, der hat halt Talent. Ich denke, Fleiß und ein motivierender familiärer Background sind ausschlaggebend. Als Jugendlicher war ich fast jeden Tag beim Handharmonikaspielring in Schnaitheim und habe Akkordeon geübt. Das ist der Grund, warum ich das Instrument einigermaßen beherrsche. Martin hat Saxophon und Klavier gespielt. Ich erinnere mich, dass ich ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit schon von weitem habe spielen hören, wenn ich mit dem Rad hochgefahren bin zum Panoramaweg. Eine schöne Erinnerung. Vielen Dank im Nachhinein an tolerante Nachbarn.

Kann man die Vater-Sohn-Beziehung auch aus der Art heraushören, wie Sie Musik machen?

Martin Sörös: Meine Freundin hat nach dem Konzert gesagt, es sei erstaunlich, wie ähnlich mein Vater und ich uns doch seien.

Das ist ein Satz, der in vielen Beziehungen einen Streit auslöst.

Martin Sörös: Mein Vater ist eine Persönlichkeit. Natürlich hat mich das beeinflusst.

Ihre Tochter Lisa ist ausgebildete Opernsängerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin in Aurich. Martin unterrichtet zwei Tage pro Woche an der städtischen Musikschule in Freiberg und verdient seinen Lebensunterhalt mit Konzerten. Sind Sie stolz auf Ihre musikalischen Kinder?

Wolfgang Sörös: Für mich ist es schön zu sehen, wie meine Kinder in ihrer Musik aufgehen, dass es ihnen gut geht, dass sie sich wohl fühlen. Wenn Martin improvisiert, hebt er völlig ab und vergisst um sich die Welt. Wenn ich meine Tochter bei Konzerten singen höre, läuft mir schon mal eine Träne über die Backe. Da geht mir das Herz auf. Das ist viel wichtiger als Stolz.

Ihren nächsten Auftritt haben die beiden am Freitag, 17. August, im Brenzpark.

Country, Irish Folk und ein Vater-Sohn-Auftritt im Brenzpark

Am Wochenende wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sommer im Park“ generationenübergreifende Musik, Irish Folk und und Country-Musik gespielt. Den Anfang machen am Freitag, 17. August, „Sörös old und Sörös young“: Um 18 Uhr spielen Vater und Sohn (Wolfgang und Martin Sörös) im Brenzpark. Wer wie Wolfgang Sörös Akkordeon, Gitarre und E-Bass spielt, 66 Jahre alt ist und einen studierten „Master of Jazzpiano“ als Sohn hat, sollte nicht länger damit warten, mit diesem preisgekrönten, virtuosen 26-Jährigen aufzutreten.

Am Samstag, 18. August, führt Günther Brommler beim Grenzstein-Lapidarium um 16 Uhr durch den „Steinernen Geschichtsgarten“ mit seltenen und eigenwilligen Grenzsteinen. Traditionelle Irish-Folk-Musik gibt es dann am Samstagabend ab 18 Uhr mit „Giant's Causeway“. Die Band ist seit vielen Jahren in Sachen Irish Folk und immer wieder mit Jethro Tull und Bob Dylan unterwegs. Für die Fans irischer Musik ist es ein Pflichttermin, für alle anderen eine Gelegenheit, sich von irischer Musik begeistern zu lassen.

Am Sonntag, 19. August, präsentieren die „Silverheads“ ab 16 Uhr auf dem kleinen Festplatz Country und Westernmusik. Zu ihrem Repertoire gehören Songs von Johnny Cash, Waylon Jennings, John Denver, den Bellamy Brothers und vielen mehr.

Alle Veranstaltungen finden auf dem kleinen Festplatz im Brenzpark statt. Für Parkbesucher ist der Eintritt frei.

Außerdem zeigt der Verein für Nepal Ostwürttemberg noch bis 9. September seine Projekte unter dem Titel „Bildung – Der Weg aus der Armut“ im Veranstaltungspavillon. Die Ausstellung kann vor und nach den Veranstaltungen besucht werden

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