Heidenheim Wohnungslose haben kaum Chancen, eine Wohnung zu finden

Beim Mittagstisch für Wohnungslose wurden 2017 fast 1000 Essen ausgegeben.
Beim Mittagstisch für Wohnungslose wurden 2017 fast 1000 Essen ausgegeben. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Silja Kummer 12.06.2018
Das Aufnahmehaus der Wohnungslosenhilfe ist stark ausgelastet, weil der Wohnungsmarkt eng ist und bezahlbare Wohnungen in Heidenheim fehlen. Die Zahl der Kurzübernachtungen sinkt.

Um Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben und auf der Straße leben, aber auch um solche, denen der Verlust ihrer Wohnung erst droht, kümmert sich die Wohnungslosenhilfe der Caritas. Die professionellen Helfer stellen dabei fest, dass der Frauenanteil bei den Wohnunglosen stetig ansteigt. Bei der Fachberatungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten lag der Frauenanteil bei den Beratungen 2017 bei 27 Prozent. 20 Prozent der Hilfesuchenden waren zwischen 18 und 24 Jahren alt, im Aufnahmehaus lag der Anteil der zwischen 18 und 30 Jahre alten Menschen sogar bei 30 Prozent. „Das ist eine erschreckende Anzahl von jungen Wohnungslosen“, so Wolfgang Lohner, Leiter der Caritas Wohnunglosenhilfe.

Problem erkannt

Lohner freut sich deshalb, dass Landrat Thomas Reinhardt Vertreter von Wohlfahrtsverbänden zu einem Gespräch eingeladen hatte: „Die Verwaltungsspitze hat diese Problemgruppe als solche erkannt und es ist der erklärte Wille vorhanden, nach Lösungen für diese besonders problematische, aber auch besonders hilfsbedürftige Gruppe zu suchen“, sagt er. Lohner erinnert aber auch daran, dass trotz des gestiegenen Frauenanteils und der zunehmenden jungen Wohnunglosen der typische Heidenheimer Wohnunglose männlich, deutsch, ledig und zwischen 50 und 60 Jahre alt sei.

Im Aufnahmehaus der Wohnungslosenhilfe wurden 2017 insgesamt 25 Personen betreut. Die durchschnittliche Belegung lag bei 112 Prozent und war damit höher als in den Vorjahren. Die Verweildauer lag im Durchschnitt bei 244 Tagen. Tatsächlich waren die Menschen zwischen fünf Tagen und mehr als anderthalb Jahren im Aufnahmenhaus untergebracht.

Kürzere Aufenthalte hatten Gründe wie Konflikte mit den Mitbewohnern, die Geburt eines Kindes oder ein Hausverbot. Der Grund dafür, dass Menschen sehr lange im Aufnahmehaus blieben, ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt: Die Vonovia als größter Vermieter vor Ort mache eine Vermietung von einer Bonitätsprüfung abhängig. „Bei dieser fielen die meisten unserer Klienten durch“, so Sozialpädagoge Hubert Pflüger. Auf dem privaten Wohnungsmarkt seien die Chancen für Wohnungslose ebenfalls sehr gering. Es fehle vor allem Wohnraum für Einzelpersonen.

Von den 25 im Aufnahmehaus betreuten Personen waren nur zwei weiblich, die am stärksten vertretene Altersgruppe war mit 32 Prozent die der 18- bis 30-Jährigen. 28 Prozent der Menschen waren zwischen 51 und 60 Jahre alt.

Nach jahrelangem Anstieg der Übernachtungszahlen in der Kurzübernachtung verzeichnete die Caritas 2017 in diesem Bereich einen Rückgang. Insgesamt wurden 2050 Übernachtungen gezählt, diese wurden von 74 Personen beansprucht. Wohnungslose dürfen dieses Angebot 14 Tage lang ohne Angabe von Gründen in Anspruch nehmen, sie können aber mehrmals pro Jahr kommen. Der Frauenanteil bei der Kurzübernachtung lag bei fast 19 Prozent.

Im Bereich des betreuten Wohnens gab es, genehmigt durch den Kreistag, eine leichte Erhöhung und eine Ausdifferenzierung des Angebots. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so Wohnungslosenhilfe-Leiter Wolfgang Lohner. Es stehen jetzt 15 Plätze „Klassisch betreutes Wohnen“ mit einer Befristung auf 18 Monate zur Verfügung, zwei Plätze „Intensiv betreutes Wohnen“ für unter 25-Jährige, acht Plätze „Extensiv betreutes Wohnen Langzeit“ sowie sieben Plätze betreutes Wohnen für psychisch kranke Menschen.

Frühstück und Fernseher

Neben den Wohnungs- und Übernachtungsangeboten betreibt die Caritas die Tagesstätte und Wärmestube für Wohnungslose, die auch von im Freien schlafenden Obdachlosen genutzt wird. Dort gibt es einen subventionierten Mittagstisch, Frühstücksmöglichkeiten, einen Aufenthalts- und Fernsehraum sowie Duschen und Waschmaschinen. An die Fachstelle Wohnungssicherung können sich Menschen wenden, denen der Verlust ihrer Wohnung droht. 106 Hilfesuchende haben dies 2017 getan. In vielen Fällen konnte die Wohnungslosigkeit abgewendet werden. Auffällig ist laut Caritas, dass 27 Hilfesuchende zwar ein Arbeitseinkommen hatten, aber trotzdem ihre Miete nicht bezahlen konnten.

Unterstützung im Alltag beim betreuten Wohnen

Das betreute Wohnen ist ein Angebot der Caritas zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten. Die Personen haben eine eigene Wohnung und können selbstständig ihren Alltag bewältigen, bekommen aber Unterstützung etwa bei den Finanzen, Behördenangelegenheiten oder der Gesundheit. 2017 wurden insgesamt 35 Personen betreut.

Die meisten der betreuten Personen waren zwischen 41 und 50 Jahre alt, jedoch wurden auch neun Menschen unter 30 Jahre begleitet. Seit dem 1. Januar 2018 gibt es 25 statt bisher 15 Plätze im betreuten Wohnen.

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