Heidenheim / Elena Kretschmer Mieten, wohnen, kaufen: Während die einen monatlich Miete zahlen, finanzieren sich die anderen mit dem Geld lieber ein Eigenheim. Mitarbeiter aus der HZ-Redaktion erklären, wo sie Vor- und Nachteile sehen.

Mieten oder kaufen? Eine gute Frage. Glaubt man der fünfjährlichen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes, mieten die Deutschen lieber, als dass sie kaufen. Ein Vergleich der Zahlen aus den Jahren 1998 bis 2018 lässt eindeutig erkennen, dass rund 60 Prozent in einem Mietverhältnis und ungefähr 40 Prozent in den eigenen vier Wänden leben. Welche Variante ist die bessere? So denken Mitarbeiter aus der HZ-Redaktion darüber.

Fünf Meinungen

„Das ist eine Frage des Alters“, sagt Redakteurin Karin Fuchs. Eine eigene Immobilie macht ihrer Meinung nach unbeweglich. „Deshalb finde ich es nicht sinnvoll, dass sich ein junger Mensch an die eigenen vier Wände kettet.“ Die Immobilie als Geldanlage – das sei zwar ein Argument, für sie jedoch ein spießbürgerliches. „Geld anlegen kann man auch anders. Wer unbedingt auf Immobilien setzen will, macht das über einen Immobilienfond.“

Der Umgang mit Schulden, Zinsen und eine über Jahrzehnte dauernde Tilgung will gelernt sein: „Ich spreche nicht ab, dass ein junger Mensch das nicht könnte, doch geht es in diesem Lebensabschnitt doch um entscheidendere Dinge: das Leben ausprobieren, seinen Partner finden, auch mal den Wohnort wechseln – wer hat da noch Zeit und Kraft, sich mit säumigen Zahlungen und Renovierungen herumzuschlagen?“

Dennoch gibt es für Fuchs einen überzeugenden Grund, sich für einen Kauf zu entscheiden, wohlgemerkt nach der Sturm- und Drangzeit im Leben: die Freiheitsliebe. „Unabhängig sein vom Vermieter oder einer Wohnungsgesellschaft. Das ist ein gutes Lebensgefühl.“

Eine Frage des Geldes

Für Redakteur Günter Trittner ist es zuerst eine Frage des Geldes. „Wer am Ende jedes Monats bei Null dasteht, sollte sich auf das Risiko eines Wohnungskaufs nicht einlassen“, rät er. „Auch bei der jetzigen Niedrigzinsphase sollten 30 Prozent des Bruttokaufpreises (Notar und andere Abgaben) auf der hohen Bank liegen.“ Denn auch bei einer eigenen Wohnung würden die bekannten Nebenkosten anfallen, Rücklagen für Reparaturen und eine höherwertige Ausstattung kämen noch dazu.

„Auf lange Sicht finde ich eine eigene Wohnung immer besser. Es sei denn, jemand wechselt berufsbedingt häufig seinen Standort. Dann ist mieten wohl die richtige Wahl“, so Trittner. Ein eigenes Zuhause werde man besonders im Alter schätzen.

Dass sich der Wert einer Wohnung über die Jahre erhöht, darauf sollte man als Nutzer nicht spekulieren. Denn realisieren könne man den Gewinn ja nur, wenn man die Wohnung verkauft. „Und wo wohnt man dann? Bei den enorm gestiegenen Immobilienpreisen kann der Wechsel von alt auf neu eine teure Sache werden.“

Unabhängig im Eigenheim

Auch Redakteur Klaus Dammann hat dazu eine Meinung: „Klar hat das Mieten einer Wohnung oder eines Hauses seine Vorteile – vor allem in jüngeren Jahren. Man ist unabhängiger und weniger fest an einen Ort gebunden. Auch die finanzielle Belastung ist geringer als beim Kauf.“

Aber ein Mieter ist doch stark von seinem Vermieter abhängig. Wenn der sich nicht richtig um notwendige Arbeiten an der Wohnung oder ihrer Ausstattung kümmert, kann es immer wieder Ärger geben. Darüber hinaus kann es zur Kündigung kommen. „Wenn dabei vom Vermieter Eigenbedarf angemeldet wird, ist es rasch vorbei mit dem gemütlichen Leben im gemieteten Domizil“, so Dammann.

Kaufen erfordert zunächst zwar mehr Kapital für die Investition, bietet dann allerdings auch die ersehnte Sicherheit (solang man seine Darlehensraten pünktlich zahlt). Ein entscheidender Punkt ist aber doch, dass man als Mieter seinem Vermieter allmonatlich die Wohnung oder das Haus abzahlt, letztlich aber ohne eigenes Vermögen dasteht. „Beim Kauf gehört einem nach einiger Zeit die Immobilie, denn man zahlt mit den Raten den Wert ab, der einem dann selbst bleibt. Und Immobilien sind in der heutigen Zeit eben die beste Kapitalanlage.“

Mieten oder Kaufen? - Eine Typfrage

Für Volontärin Kathrin Schuler ist „mieten oder kaufen“ nicht nur eine Typfrage, sondern vor allem „abhängig von der eigenen Lebenssituation“. Für junge Menschen stellt sie sich aber auch meist gar nicht: Nach der Schule stehen Auslandsjahr, Praktika, Studium und Co. auf dem Plan – Umzüge und Wohnortwechsel häufen sich in ähnlicher Zahl wie die Stationen im Lebenslauf.

Ungebunden und unabhängig muss man dafür sein können, und sowohl in geographischer als auch in finanzieller Hinsicht ist man das nur als Mieter. „Wer ein Eigenheim besitzt, ist weniger flexibel“, so Schuler. Ein kurzfristiger Ortswechsel ist nicht möglich: Als Eigentümer zwingen nicht nur die wiederkehrenden Kreditzahlungen zu langfristiger Lebensplanung, sondern man hängt auch fast zwangsläufig sein Herz an das Zuhause. „Mauern sind also auch nichts anders als Wurzeln – sie halten uns fest.“

Vielleicht gibt es aber auch für alles eine Zeit – um sich auszuprobieren und zu verwurzeln. Das Problem ist nur: Wer sich zu lange ausprobiert und jahrzehntelang mit dem Gehalt die Mietkosten begleicht (die auch für Ein-Zimmer-Wohnungen horrend sein können) statt einen Kredit fürs Eigenheim abzubezahlen, wird irgendwann feststellen, dass es ihm am dafür notwendigen Eigenkapital fehlt.

Manches spricht fürs Mieten

Laut Redakteur Dieter Reichl spricht trotz des schwäbischen Gebots „Schaffa, schaffa, Häusle baua“ so manches fürs Mieten. Was einem in einem Mehrparteienhaus so alles begegnen kann: Der erfüllte Kinderwunsch der Nachbarn von oben mit seinen lautstarken Folgen. Der ständige Ehekrach der Nachbarn unten. Die frisch eingezogene Studentin nebenan mit Party-Gen. Der Grillfan vom Balkon unten. Oder es kommt ein neuer, attraktiver Job in einer anderen Stadt reingeflattert. Oder urplötzlich kommt die Lust auf was Neues auf. Soll's ja geben.

„Servus und adieu zu sagen fällt als Mieter leicht“, ist Reichl überzeugt. Hauptvorteil also: die größere Beweglichkeit im Leben im Vergleich zu Inhabern von Eigentumswohnungen. Zugegeben: Gilt natürlich in erster Linie für überzeugte Singles. Eine mehrköpfige Familie tut sich da schwerer.

Zweiter Vorteil: Man zahlt nicht jahrzehntelang in den besten Lebensjahren einen fetten Brocken vom ohnehin stets mageren Gehalt an die Bank zurück, um das für den Wohnungskauf aufgenommene Darlehen mühselig auf ein Niveau zu senken, das keinen Schweißausbruch mehr bereitet. Will heißen: „Mehr Geld für Gran Canaria, für den Zwiebelrostbraten im Restaurant, für die Modelleisenbahn. Was ja auch Lebensqualität bedeutet.“

Klar, auch Mieten kann seine Tücken haben. Die von den Nachbarn akkurat und misstrauisch überwachte Kehrwoche. Nachtspeicheröfen. Kletternde Mietzahlungen. Und ein freundlicher, fairer Vermieter wächst auch nicht auf Bäumen.