Heidenheim Wohin mit den alten Reifen?

Im Entsorgungszentrum Mergelstetten werden Altreifen von ihren Felgen getrennt. Hans Maier verarbeitet dort täglich zwischen 30 und 40 Stück.
Im Entsorgungszentrum Mergelstetten werden Altreifen von ihren Felgen getrennt. Hans Maier verarbeitet dort täglich zwischen 30 und 40 Stück. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Maximilian Haller 05.11.2018
Experten empfehlen, Autos möglichst bald wintertauglich zu machen. Und auch bei der Entsorgung verschlissener Reifen gibt es einiges zu beachten.

Es herrscht reger Betrieb im Mergelstetter Entsorgungszentrum. Bagger sammeln Unmengen an Müll, Schrott und Altmetall auf ihren großen gelben Schaufeln. Um sie herum türmen sich die Reste all dessen, was die Menschen hier abladen. Jede Müllart hat ihren eigenen Bereich auf dem sechs Hektar großen Areal, so gibt es auch einen Raum, in dem ausgediente Reifen gesammelt werden.

Nach diesem langen Sommer will man es kaum glauben, doch der Winter steht vor der Tür. Die Frage nach der richtigen Bereifung des eigenen Autos drängt sich da in den Vordergrund. Manch einer setzt seine Reifen illegal am nächsten Waldrand aus, sobald diese das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben, oder verbrennt sie gar im eigenen Hinterhof. Doch das ist die Ausnahme. Wer sich seiner Altreifen jedoch ordnungsgemäß entledigen will, kann diese gegen eine geringe Gebühr beim Entsorgungszentrum in Mergelstetten abgeben.

„Wir nehmen alles, bis auf die ganz großen Traktorreifen“, sagt Bärbel Hörger, die unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit in dem Entsorgungszentrum verantwortlich ist. Im vergangenen Jahr wurden dort 28,7 Tonnen Altreifen entgegengenommen. Ein Teil davon stammt aus sogenanntem „wilden Müll“, also Abfall, der nicht ordnungsgemäß am Straßen- oder Waldrand deponiert wurde.

Verbrennung nicht in Mergelstetten

In der Mergelstetter Anlage werden die Reifen allerdings nur gesammelt. Die Verbrennung geschieht außerhalb. Bisher lief das über die Firma Schwenk aus Ulm, berichtet Bärbel Hörger. Derzeit sei das Entsorgungszentrum jedoch auf der Suche nach einem neuen Entwerter. Reifen aufzubereiten wäre natürlich umweltfreundlicher“, sagt Hörger. In der Regel seien die Reifen, die beim Entsorgungszentrum abgegeben werden, jedoch in einen so maroden Zustand, dass eine Aufbereitung nicht mehr möglich sei. „Oft lagern diese Reifen jahrelang im Keller und werden dadurch sehr hart.“

Im Zentrum kümmert sich Hans Maier um die Reifen. Er hievt einen der schwarzen Gummischläuche samt Felge auf die dafür vorgesehene Maschine, zückt ein Messer und sticht an mehreren Stellen in den Reifen. „Die Luft muss raus“, erklärt der 72-Jährige. Nachdem die Maschine den Reifen abgepresst hat, steckt Maier ein Montiereisen zwischen Gummi und Felge und trennt die beiden voneinander.

Zwischen 30 und 40 Stück pro Tag verarbeitet er. „Je älter die Reifen sind, desto schwieriger.“ Der ideale Reifen für ihn sei jung und weich. Die Felgen landen auf dem Schrotthaufen und werden gesondert entsorgt.

Autohaus-Kunden sind früh dran

Viele Menschen entledigen sich der ausgedienten Reifen auch direkt über ihren Autohändler. „Wir entsorgen regelmäßig große Mengen an Altreifen“, berichtet Thomas Rüdiger, Inhaber von Autohaus Rüdiger und Obermeister der Kfz-Innung Heidenheim. 6000 Stück pro Jahr kommen da zusammen. Einmal im Monat werden die Altreifen an die Entsorgungsfirma Scherer aus Memmingen abgegeben, welche sie anschließend fachgerecht vernichtet.

Wann die eigenen vier Räder ersetzt werden sollten, dass kann theoretisch jeder Autofahrer selber anhand des Reifenprofils erkennen. Doch auch wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei 1,6 Millimeter liegt, hält Rüdiger davon wenig: „Wir empfehlen, die Reifen ab eine Profiltiefe von drei Millimetern zu entsorgen.“ Das sei im Übrigen die offizielle Empfehlung des ADAC.

Zudem sei die Lebensdauer von Autoreifen zeitlich begrenzt. „Nach vier bis fünf Jahren wird so ein Reifen einfach porös und der Gummi zu hart“, erklärt der Obermeister der Kfz-Innung. Vorsicht geboten ist bei Winterreifen: Für den Laien, so Rüdiger, sehen diese auf den ersten Blick oft noch gut genug für eine weitere Saison aus. Wenn der Winter dann wie immer plötzlich da ist, ist bei vielen PKW-Besitzern die Überraschung groß. „Seit über 30 Jahren ist es so, dass, wenn es heute schneit, die Leute sofort vor der Tür stehen“, erinnert sich Rüdiger

In diesem Jahr hat man sich nicht vom goldenen Oktober täuschen lassen: „Wir montieren schon seit vier Wochen Winterreifen.“ Zum Teil seien die Leute sogar noch früher dran gewesen als in den vergangenen Jahren. Im Entsorgungszentrum Mergelstetten gehen trotzdem etwa gleich viele Reifen ein wie das restliche Jahr über. „Das ist kein Saisongeschäft“, so Bärbel Hörger. Die meisten Reifen, die dort ankommen, lagern oft schon seit Jahren bei ihren Besitzern.

Reifen ist nicht gleich Reifen

Im Entsorgungszentrum werden fast alle alten Reifen angenommen. Einzige Ausnahme: Reifen mit einem Durchmesser von mehr als 1,25 Meter müssen draußen bleiben.

Fahrradreifen wandern in den Restmüll, da sie aus einem anderen Material bestehen als Autoreifen.

Umsonst ist die Entsorgung in Mergelstetten nicht. Bei PKW-Reifen bis 16 Zoll fallen für die Abnahme ohne Felge zwei Euro Gebühr an, mit Felge sind es vier Euro. LKW-Reifen, die eine Größe von 16 Zoll übersteigen, werden nur ohne Felge entgegengenommen.

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