Heidenheim Wo der Dirigent zum Kapitän wird

Die Stuttgarter Saloniker brachten im Rahmen von „Sommer im Park“ am Sonntag einen Hauch von Themse nach Heidenheim, als sie ihre Wassermusik mitten auf der Brenz spielten.
Die Stuttgarter Saloniker brachten im Rahmen von „Sommer im Park“ am Sonntag einen Hauch von Themse nach Heidenheim, als sie ihre Wassermusik mitten auf der Brenz spielten. © Foto: Hans-Peter Leitenberger
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 27.08.2018
Die Stuttgarter Saloniker spielten im Rahmen von „Sommer im Park“ – jedoch nicht auf einer Bühne, sondern auf einem schwimmenden Floß mitten auf der Brenz.

Mehrere Schiffe für die Musiker brauchte Georg Friedrich Händel vor über 300 Jahren auf der Themse bei seiner „Wassermusik“ für den exzentrischen König Georg I. Am sonnigen Sonntagnachmittag genügte ein Floß auf der Brenz für Patrick Siben und seine Saloniker, um gepflegte Unterhaltung zu bieten.

An die 400 Besucher drängten sich zu beiden Seiten des Flusses, um ein anspruchsvolles wie buntes Programm mit Geige, Cello, Bass, Flöte Klarinette, Posaune und Trompete zu genießen, wobei die Spieler gelegentlich die Position des Floßes auf dem Wasser gekonnt „zurechtstochern“ mussten, was der zum Glück trägen Fließgeschwindigkeit der Brenz geschuldet war.

Schwimmende Bühne

Zunächst musste jedoch das Klavier aufs Floß geschafft werden – eine mit Spannung verfolgte Prozedur. Ein Hauch von Themse an der Brenz lag danach auf dem fröhlichen Geschehen, als die „Wassermusik“ mit barockem Charme dargeboten wurde.

Der Allrounder Patrick Siben gab als Pianist, Dirigent und Kapitän eine glänzende Figur ab, und seine absolute Begeisterung für die Brenz als Orchesterbühne drückte er mit subtilem Spiel wie gelegentlichen „Heidenheim – Ahoi“-Rufen aus.

Die Saloniker, längst Stammgäste bei „Sommer im Park“, ließen es bei dem anmutigen Melodiefluss in Friedrich von Flotows „Matrosen“ charmant angehen und die knisternde, flotte Rhythmik bei Scott Joplins „The Cascades“ begeisterte Spieler wie Zuhörer. Bezug zum Wasser hatten alle Stücke, so etwa „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss mit zarten Klarinettentönen und dezenten Streicherfiguren.

Trotz des leicht schwankenden Untergrundes stimmten Tempo und Dynamik und Patrick Siben bot mit Söhnchen Pirmin auf dem Schoß einen subtilen Anschlag und ein flüssiges Spiel.

Zu Ehren der Brenz-Schwäne

Die wiegenden Bewegungen bei dem Ohrwurm „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach wurden mit Eleganz und Grazie dargeboten. In respektvollem Abstand verfolgten die Brenz-Schwäne zusammen mit dem begeisterten Publikum die Klänge aus Tschaikowskijs „Schwanensee“. Der lyrisch-elegische Charakter dieses Stücks kam im überaus farbigen Spiel der Saloniker glänzend zur Geltung.

Mit leichter Hand und sicherem Können agierten die famosen Spieler durchweg und die humorvolle Moderation Patrick Sibens tat ein Übriges, um den musikalischen Genuss vollkommen zu machen. Nicht nur die leicht jazzige Zugabe „The Swan“ aus den 1920er-Jahren machte den Abschied von den formidablen Musikern richtig schwer.

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