Heidenheim Wirtin des „Schwarzen Ochsen“ wird heute 80 Jahre alt

Wird heute 80 Jahre alt: Gertrud Keim, Wirtin des „Schwarzen Ochsen“ und Heidenheimer Original.
Wird heute 80 Jahre alt: Gertrud Keim, Wirtin des „Schwarzen Ochsen“ und Heidenheimer Original. © Foto: Manuela Wolf
Heidenheim / Manuela Wolf 14.03.2018
Auch mit 80 Jahren steht Gertrud Keim, Wirtin im „Schwarzen Ochsen“, noch dreimal pro Woche am Herd - ans Aufhören denkt sich noch lange nicht.

An drei Tagen in der Woche steht Gertrud Keim morgens um acht in der Küche und kümmert sich um das, was den „Schwarzen Ochsen“ ausmacht: Bratkartoffeln, Linsen mit Spätzle, Kutteln, panierte Schnitzel, Knödel, Braten, Maultaschen. Später wäscht und bügelt sie Tischdecken und Servietten, die Leute sollen sich ja wohl fühlen bei ihr. Ab 17 Uhr ist dann Betrieb in der guten Stube, die fast noch genau so eingerichtet ist wie damals, vor rund 60 Jahren, als sie das Lokal gemeinsam mit ihrem Mann übernommen hat.

Oft sind freie Plätze Glückssache, man rückt zusammen, man erzählt sich Neuigkeiten und erinnert sich an gute alte Zeiten. Wenn die letzten Stammgäste aufbrechen, geht es gegen Mitternacht. Und dann merkt die Wirtin doch manchmal, dass sie keine 50 mehr ist. Dass sie heute ihren 80. Geburtstag feiert, mag sie aber auch nicht so recht glauben.

Denn gesundheitlich geht es ihr gut und der Wirtshausbetrieb macht ihr sogar „immer noch mehr Spaß“ als früher. „Weil ich doch so gerne koche und mit den Leuten schwätze. Wer viel Liebe abgibt, erntet auch viel davon“, sagt sie. Dafür, und auch für ihre gesellige, humorvolle Art, wird sie von ihren Stammgästen aus dem gesamten Landkreis Heidenheim sehr geschätzt. „Ich werde oft zur Begrüßung oder zum Abschied gedrückt. Wenn ich nicht mehr Wirtin wäre, denke ich mir oft, wer würde mich dann noch drücken?“

Getrud Keim stammt aus einer kinderreichen Härtsfelder Familie. Als sie 14 Jahre alt war, hätte sie gerne eine Ausbildung zur Floristin begonnen. Doch weil der Vater viel zu früh gestorben und die Verhältnisse auf dem Bauernhof ärmlich waren, schickte die Mutter sie ins Kloster Neresheim „zum Kochen und Geldverdienen“. Die Begeisterung für Blumen und Pflanzen, für Selbstgemachtes und Schönes hat sie sich über die Jahrzehnte bewahrt. Wenn sie das Wochenende in ihrem Wohnwagen auf einem Campingplatz bei Ellwangen verbringt, bindet sie Kränze und Gestecke. Kreatives Hobby, viel Ruhe, viel Natur – nach einer arbeitsreichen Woche genau das Richtige, findet die Geschäftsfrau.

Wie eine große Familie

Unterstützt wird sie von Sohn und Schwiegertochter und von fünf Mitarbeiterinnen. Gertrud Keim: „Sie alle denken und arbeiten mit mir, wir verstehen uns gut, es ist wie eine große Familie.“ Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes vor 21 Jahren liege die Last trotzdem allein auf ihren Schultern. „Ich habe im Leben so viel bekommen, was ich mir nicht gewünscht habe. Natürlich ist das Gefühl gut: Ich habe es alleine geschafft. Manchmal wäre es aber auch einfach schön, einen Partner an meiner Seite zu haben.“ Dass ihre Stammgäste ihr stets das Gefühl gegeben haben, gebraucht zu werden, trug sie oft über traurige Zeiten hinweg.

Der „Schwarze Ochsen“ bleibt heute übrigens geschlossen. Das Personal und Keims Kinder bereiten gemeinsam für die Jubilarin und die geladenen Gäste ein Festessen vor. Neben vielen persönlichen Glückwünschen wird es sicher auch viele Grüße per Whats-App geben. Gerade die Enkelkinder halten auf diesem Weg regen Kontakt zu ihrer Oma, und die macht gern mit.

„Viele Leute fragen mich in diesen Tagen, wie lange ich noch Wirtin sein will. Ich kann dazu nur sagen, dass ich im Moment ganz bestimmt nicht ans Aufhören denke. Der liebe Gott wird sagen, wann Schluss ist, dann nehme ich einen warmen Schlafanzug und mein Schwabenradio mit ins Grab. Bis dahin mache ich selbstverständlich weiter.“

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