Heidenheim Wie wird das Wetter bei den Opernfestspielen?

Digitaler Schlossblick: Die Live-Webcam auf dem Dach des Pressehauses hat immer im Blick, ob sich die Opernfestspiele im Freien oder im Saale abspielen.
Digitaler Schlossblick: Die Live-Webcam auf dem Dach des Pressehauses hat immer im Blick, ob sich die Opernfestspiele im Freien oder im Saale abspielen. © Foto: Archiv/Arthur Penk
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 22.06.2018
Rittersaal oder Festspielhaus, im Freien oder im Saale? In der nun beginnenden heißen Phase der Saison spielt auch die meteorologische Komponente eine gewichtige Rolle.

Alle reden über Fußball. Aber in Heidenheim beginnt nun die Zeit, da noch mehr als sonst übers Wetter geredet wird. Denn am Wetter kommt man nicht vorbei, wenn es um die Opernfestspiele geht. Das war so, und das bleibt so, auch wenn der Ausweichort CC dem Thema seit bald zehn Jahren den ganz großen Schrecken und viel von der einst damit einhergehenden Aufregung genommen hat. Trotzdem kommt man nicht um die Angelegenheit herum. Man denke nur an die vergangene Spielzeit, als von beinahe nichts anderem die Rede war, weil erst die letzte von acht Vorstellungen von Richard Wagners „Holländer“ im Freien und nicht im Saale stattfand.

Da hieß es, informiert zu sein. Und nicht zuletzt deshalb häufen sich schon vor dem Eröffnungskonzert am kommenden Sonntag die Fragen an die Kulturredaktion dahingehend, wie das denn noch mal sei mit den Regularien rund ums Heidenheimer Opernwetter.

Nach wie vor gilt: Ist das Wetter schön, gibt's die Oper bei Sonne, Mond und Sternen unter freiem Himmel im Rittersaal auf Schloss Hellenstein. Und ist das Wetter schlecht, wird im Festspielhaus Congress-Centrum gespielt.

Die Spielregeln

Nun tritt aber in unseren Breiten nicht selten auch der Fall ein, dass das Wetter sich eher zweifelhaft gestaltet. Und da fängt's dann auch bei den Opernfestspielen an, richtig interessant zu werden. Die Frage aller Fragen in Zweifelsfällen lautet: Wo wird gespielt?

Und die unumstößliche Antwort darauf wird an allen Vorstellungstagen bis 18 Uhr gegeben. Was wiederum bedeutet, dass sich die Besucher ab 18 Uhr übers Wettertelefon der Opernfestspiele (Rufnummer 07321.327-4220) darüber informieren können, wo denn nun die Oper oder das Konzert über die Bühne gehen wird. Musikfreunde mit freier Sicht aufs Schloss hingegen können mit bloßem Auge erkennen, zu welchem Veranstaltungsort sie aufbrechen müssen, denn: Weht auf dem Rittersaal-Turm auch nach 18 Uhr noch die Wetterfahne der Opernfestspiele, wird die Vorstellung im Rittersaal über die Bühne gehen. Ist die Flagge zum erwähnten Zeitpunkt weg, lautet die Parole „Festspielhaus“.

Allerdings ist der Blick aufs Schloss und auf die Wetterfahne auch ganz ohne direkten Schlossblick möglich. Denn die auf dem Dach des Pressehauses untergebrachte Live-Webcam der HZ-Homepage hat ihr Objektiv auf den Schlossberg gerichtet und wird via Internet in bester Qualität zeigen, ob die Fahne weht oder nicht.

Wobei die Wetterentscheidung nicht Pi mal Daumen oder vom Frosch im Einmachglas, sondern nach bestem Wissen und Gewissen getroffen wird. Von Oliver von Fürich, Leiter des Festspielbetriebs und persönlicher Referent von Ferstspieldirektor Marcus Bosch. Fürich steht in Kontakt mit der Stuttgarter Dependance des Deutschen Wetterdienstes, wo der Meteorologe vom Dienst mögliche Regen- oder Gewitterfronten auf dem Radarschirm beobachtet und einschätzt, ob diese in der Zeit von 20 bis 23 Uhr über Heidenheim ziehen oder auch nicht.

Der bei Publikum und Festspielern zweitunbeliebteste Klimafall aber tritt ein, wenn zwar trockenes Wetter garantiert ist, gleichzeitig aber die Temperaturen bereits am frühen Abend so niedrig sind, dass es unter freiem Himmel im Rittersaal für alle Beteiligten eher ungemütlich werden könnte. In solchen Fällen lautet die Frage an Stuttgart: Wie hoch – oder niedrig – wird um 22.30 Uhr die Lufttemperatur im Rittersaal zu Heidenheim voraussichtlich sein? Lautet die Vorhersage „unter 17 Grad Celsius“, wird die Vorstellung von vornherein ins Festspielhaus verlegt.

So fordert es übrigens der Vertrag mit dem Festspielorchester, den Stuttgarter Philharmonikern, die ab einer gewissen Temperatur nämlich unter anderem um ihre nicht eben billigen Instrumente fürchten müssen. Und der unbeliebteste Klimafall? Der sähe so aus, dass warm und trocken angesagt war, aber völlig unerwartet doch Regen über den Rittersaal zöge. Nun würde die Vorstellung unterbrochen, bei nicht nachlassendem Regen allerdings dann abgebrochen. In diesem Falle besteht, wie bei Freilichtaufführungen allgemein üblich, kein Ersatzanspruch.

Schlechtwetterkarten

Sogar schlechtes Wetter hat, seit es das CC gibt, bei den Opernfestspielen seine guten Seiten: Denn bei Vorstellungen im Festspielhaus sind, selbst wenn die Vorstellung an sich ausverkauft sein sollte, an der Abendkasse grundsätzlich 80 Schlechtwetterkarten zu haben.

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