Heidenheim Wintermärchen: in der Welt der Phantasie-Marie

Heidenheim / Joelle Reimer 03.12.2018
Das Wintermärchen „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ des Naturtheaters feierte am Samstag Premiere im Konzerthaus – zauberhafte Balletteinlagen inklusive.

Leises Geflüster geht durch die Reihen. Es raschelt, tuschelt, kichert, und wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, dass sie sich mitten im Publikum verstecken, die Mäuse.

Doch natürlich sind es nur Geräusche des gespannten Abwartens; ein Abwarten, was denn da nun gleich auf der Bühne passieren wird. Ein blauer Lichtstreifen unter dem großen Vorhang ist zunächst alles, worüber die rund 450 Besucher spekulieren können. Und eben über die Mäuse. „Mäuse, ja. Die wird es auf der Bühne geben – aber vor denen haben wir ja keine Angst, oder?“ Die Frage von Thomas Jentscher, der das Naturtheater-Wintermärchen „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ von E. T. A. Hoffmann bei der Premierenvorstellung am Samstag im Konzerthaus anmoderierte, wurde mit einem lautstarken Nein quittiert – auch wenn es wohl einige kleine Zuschauer gab, die, hätte man sie gefragt, ihre Antwort nach dem Stück nochmal revidiert hätten.

Alle Augen auf den Mäusekönig

Wer dafür verantwortlich war? Ganz klar: Der Mäusekönig. Den hatten die Regisseure Steffen Vogel und Alexandra Hirschberger mit Matti Schott mehr als nur passend besetzt; mit schwarzer Stupsnase und weißen Nagezähnen, mit geschmeidigen Bewegungen und authentischer Mimik spielte Schott den Widersacher des Nussknackers so stringent fies, dass sich einige Kinder im Publikum schon allein beim Auftauchen der grauen Mausepfote hinter dem Bett der jungen Marie am liebsten Augen und Ohren gleichzeitig zugehalten hätten – und dann wieder doch nicht, weil man ja gespannt wartete, was wohl als nächstes passiert. Kleine Maus, große Wirkung.

Stellenweise etwas langatmig

Diese Spannung, die beim Auftauchen des Mäusekönigs stets mit Nebelschwaden, blauem Licht und einem Knall eingeleitet wurde, kam den anderen Szenen dafür immer wieder abhanden. Besonders die Hinführung zum Kern der Geschichte schien zumindest für die Kinder im Publikum etwas langatmig; angefangen bei den winterlich-zauberhaften Balletteinlagen der Eleven von Gabriele Schulz über die Schneeballschlacht zwischen den Geschwistern Marie (Magdalena Burg) und Fritz (Hanno Dienstbach) bis hin zum gespannten Warten auf Heiligabend. Denn erst mit der Bescherung fängt ja bekanntlich alles an, und zwar genau dann, als Marie Bekanntschaft mit dem Nussknacker ihres Onkels Drosselmeier macht; letzterer übrigens wunderbar überzogen und sympathisch gespielt von Manuel Meiswinkel.

Ein Spiel mit der Phantasie

Der Onkel ist es auch, der Marie als einziger zu glauben scheint, dass die nächtlichen Besuche des Mäusekönigs keinem Fiebertraum entspringen, und er liefert zugleich die passende Geschichte: Von der Prinzessin Pirlipat, die in einem fernen Königreich vom Mäusekönig in eine hässliche Kreatur verwandelt wurde, von der Nuss, die den Fluch aufheben könnte und von einem Jüngling geknackt werden müsse, vom Nussknacker, dem ebendies gelang, der daraufhin aber von der Mutter des Mäusekönigs in eine hölzerne Figur verwandelt und von der Prinzessin zurück gelassen wurde. Und davon, dass er nicht zurück kommen könne, bis der Fluch von ihm genommen sei.

Ende gut, alles gut

Hier war nun viel Phantasie vom jungen Publikum gefragt, um die nächtlichen Geschehnisse einzuordnen und den am Ende auftauchenden Neffen des Onkels mit dem Nussknacker (Sebastian Hirschberger) gleichzusetzen, in den Marie sich während ihrer nächtlichen Abenteuer verliebt hat – ein schönes Wintermärchen mit romantischem Ausgang, das aber vielleicht etwas viel verlangt von seinen jüngsten Zuschauern.

Viel verlangt wurde auch von Magdalena Burg, die quasi non-stop auf der Bühne präsent war, sich dem jedoch gewachsen zeigte und völlig in der Rolle der Marie aufzugehen schien. Im Gegensatz dazu blieb Sebastian Hirschberger als Nussknacker fast etwas blass, was aber sicherlich der Rolle selbst zuzuschreiben ist. Wunderbar simpel zeigte sich das Bühnenbild: Allein der Farbwechsel der Tücher im Hintergrund versetzte die Zuschauer sofort in die jeweilige Szenerie, getreu dem Motto: kleiner Aufwand, große Wirkung.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel