Konzert Willy Astor alles andere als la-la-la-langweilig

Heidenheim / Siglinde Broich-Bernt 22.01.2015
Trommelwirbel: Willy Astor ist in der Stadt. Bereits zum dritten Male, und das bisher im Drei-Jahres-Rhythmus. Im Konzerthaus, „in diesem wunderschönen Theater“, machte er am Mittwochabend fast drei Stunden lang ordentlich Zirkus.

Willy Astor gestand „aus tiefstem Herzen“, dass Heidenheim seine „absolute Lieblingsstadt“ ist. Schon alleine deshalb darf er gerne wiederkommen.

Weil Willy Astor nicht immer so ganz genau weiß, wo er sich gerade aufhält, fragt er sich durch. Hinter und vor der Bühne. Daran lässt er selbstverständlich jeden teilhaben. Die Feuerwehr sei da, „weil sie gehört hat, da brennt's“.

Selbst Jesus wird für die Orientierung bemüht. Schließlich habe der Messias schon vor langer Zeit entschieden: „Jetzt kehre ich zu meinen Heiden heim.“

Bekanntlich ist dem Bayern nichts heilig. Er verballhornt so ziemlich alles und jeden. Gnadenlos. Nicht selten spontan. Aus Götz von Berlichingen wird einer von Herbrechtingen. Anja, Benjamin und Bastian, löchert Astor charmant mit Fragen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und im Laufe des Abends noch froh darüber sein wird, keinen Platz in der ersten Zuschauerreihe ergattert zu haben.

Nachdem der ernstzunehmende Spaßvogel ein Hustenbonbon erbettelt hat, legt er los. Als Zirkusdirektor, (Wort)-Akrobat, (Zuschauer)-Dompteur, (Text)-Jongleur, Musiker, (Seil)-Tänzer, (Trapez)-Künstler, (Pausen)-Clown und (Spaß)-Macher natürlich.

Für die „Mädlis“ spielt er Medleys, bedient sich bei Sportfreunde Stiller, bei Kinderliedern, bei Abba und präsentiert die Ohrwürmer und Welthits als „Blatt-Laus, Blatt-Laus“, „Es klappert die Miele“, „Wenn ich mit dir bei Esso ess“.

Diesen geschliffenen Blödsinn verbinden wohl die meisten mit dem Münchner, der in diesem Jahr seine 30-jährige Bühnenpräsenz feiert und vor allem durch seine Wortspiele bekannt wurde. Keine Frage, dass die einen großen Teil in seinem noch aktuellen Programms „Nachlachende Frohstoffe“ in Anspruch nehmen.

Man schätzt allerdings auch den Kabarettisten, den Komponisten, den exzellenten Gitarrenspieler, von dem man einfach nur hingerissen sein kann. Astor will und wird wieder leisere, ernstere Töne anschlagen und präsentierte im Konzerthaus was und wie er es will: „Einfach einfach“.

Sein Akustik-Gitarren-Projekt „Sound of Islands“ hat er nie aus den Augen verloren. Am sechsten Album wird gerade noch gefeilt. Was 1994 galt, hat zwei Jahrzehnte bei Astor immer noch Bestand: „Ich möchte mit meiner Musik eine Sprache finden, die von allen Menschen verstanden werden kann und sie genauso berührt wie mich bei ihrer Entstehung.“

Pause kennt der Alleinunterhalter nicht. In der gibt er Autogramme, für sparsame Schwaben gerne auch auf Eintrittskarten. Er lässt sich mit den Fans fotografieren („Aber bitte ohne Blitz“) und sieht wohl mit Genugtuung, dass reichlich eingekauft wird: CD, Bücher, T-Shirts mit der Aufschrift „Immer bist du der Bestimmer“. Herrenunterhosen, die – auch wenn nicht Heiden-, sondern Rüssels Heim beworben wird – finden schnell ihren Träger.

„Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich“ des Willy Astor lassen am Abend aufhorchen. Für das Projekt hat der Arrangeur und Produzent (das ist Astor ja auch) unter anderen Kollegen wie Mary Roos und Otto Waalkes gewinnen können. „Kindischer Ozean“, so der Titel der CD, scheint bestens geeignet für lange Autofahrten, wenn der Nachwuchs auf dem Rücksitz motzt: „Mir ist so langweilig.“

Wer hätte das von sich behaupten können, an diesem Abend mit Willy Astor? Der kann mindestens 120 Kinofilmtitel in eine Geschichte verpacken, Säle zum Singen bringen, Ehemännern Tipps mit auf den Heimweg geben. Merke: Nur ein happy Wife garantiert ein happy Live.

Im Eintrittspreis inbegriffen: ein Blick ins nächste Programm „Reim Time“. Wichtige Fragen stehen darin im Raum. Ob die Miss muss? Irgendwann schon. Bei allem Op-ti-mis-mus. Klar bereits auch dies: 13 Kilo Sand im Po sind im-po-sant.

Nicht ausschließlich mit dieser „Welturaufführung“ bedankte sich Willy Astor bei seinen Fans. Deren Begeisterung habe „verdammt gut getan.“ Für Heidenheim hat er übrigens ein – zugegebenermaßen – kleines Lied geschrieben, mit dem bekennenden Text, der gleichzeitig Titel ist: „Es ist noch Platz in meinem Herzen“.

Mal sehen, ob Willy Astor das in drei Jahren immer noch so sieht. Ein Platz in seinem Terminkalender würde auch schon reichen.

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