Tierschutz Wildtiere im Zirkus sollen in Heidenheim weiterhin auftreten können

Auftritt mit Zebra und Lama: Auch künftig sind Auftritte von Wildtieren im Zirkus (unser Bild entstand kürzlich beim Gastspiel des Zirkus Knie) in Heidenheim möglich.
Auftritt mit Zebra und Lama: Auch künftig sind Auftritte von Wildtieren im Zirkus (unser Bild entstand kürzlich beim Gastspiel des Zirkus Knie) in Heidenheim möglich. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Silja Kummer 25.11.2017
Auf Bitten der Tierrechtsorganisation Peta lies die Stadt ein kommunales Wildtierverbot prüfen, hält dies aber für gesetzlich nicht möglich.

Als vor einem Monat der Zirkus Charles Knie in Heidenheim Station machte, kritisierte die Tierrechtsorganisation Peta, dass das Unternehmen mit Wildtieren arbeitet. Rund 100 Tiere reisen mit dem Zirkus mit, darunter sind Kamele, Zebras, Lamas und exotische Rinder. Besonders die „ungewöhnlich hohe Frequenz an Ortswechseln und die damit einhergehenden langen Standzeiten auf Transportern“ prangerte Peta an. Auch die nicht artgemäße Haltung in reizarmen, kargen Gehegen fand die Organisation kritikwürdig.

Leiden nicht dokumentiert

Peta wandte sich auch an die Stadtverwaltung in Heidenheim und bat darum, ein kommunales Zirkuswildtierverbot auszusprechen. In der Sitzung des Kultur-, Sozial-, Schul- und Sportausschusses (KUSSS) am kommenden Dienstag schlägt das Ordnungsamt den Stadträten vor, ein solches Wiltierverbot abzulehnen. Dahinter steht die Auffassung der Verwaltung, dass dies rechtlich nicht zulässig wäre.

Das Ordnungsamt führt an, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bislang keine ausreichenden Erkenntnisse habe, die erhebliche Leiden von Wildtieren im Zirkus dokumentieren würden. Deshalb sei laut dem Ministerium auch eine Rechtsverordnung zum Verbot der Tiere nicht gerechtfertigt. Einem Verbot entgegen stehe auch das Grundrecht des Zirkusbetreibers, dessen Berufsfreiheit in Artikel 12 des Grundgesetzes festgeschrieben ist.

Keine unabhängigen Studien

Darüber hinaus habe der wissenschaftliche Dienst des Bundestages festgestellt, dass es keine unabhängigen Studien gebe, die belegen, dass es sich bei der Haltung von Wildtieren im Zirkus um Tierquälerei handle. Wildtiere müssen zudem bei jedem Ortswechsel vom jeweiligen Veterinäramt überprüft werden. Insbesondere bezieht sich die Verwaltung aber auch auf einen Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, nach dem eine Kommune einem reisenden Zirkusunternehmen die Überlassung kommunaler Flächen nicht verweigern könne, wenn dieses über eine Erlaubnis über die Zurschaustellung von Tieren nach dem Tierschutzgesetz verfüge.

Die Tierrechtsorganisation Peta ist in diesem Punkt anderer Meinung: Der Beschluss des OGV Lüneburg lasse sich nicht verallgemeinern und stehe im Widerspruch zur bisherigen Rechtssprechung. Peta weist darauf hin, dass 85 Städte und Gemeinden bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen haben. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof habe diesen den Rücken gestärkt, in dem er die Klage eines Zirkusbetriebs abgewiesen habe.