Heidenheim / Michael Brendel Im zehnten Jahr seines Bestehens will der Bürgerverein den zentralen Platz als Treffpunkt inmitten des Wohngebiets weiter aufwerten.

Viele Vereinsfunktionäre bewegt ein grundsätzliches Problem: Ihnen gehen die Mitglieder aus. Wofür also das ganze Engagement, der zeitliche Aufwand? Fragen, die sich die Führungsriege des Bürgervereins „Unsere Voithsiedlung“ nicht stellen muss.

Im zehnten Jahr des Vereinsbestehens ist das einst zum Ziel erhobene Wir-Gefühl gefestigter denn je, gehen die Ideen nicht aus. Aktuelles Vorhaben: Der zentrale Platz – dort gelegen, wo Friedrich-Voith- und Paul-Priem-Straße zusammentreffen – soll eine höhere Aufenthaltsqualität erhalten.

Bänke unter Bäumen

Der Weg dorthin ist relativ unspektakulär, wie Thomas Potzner beschreibt, der Vorsitzende des Bürgervereins: Wildblumen sollen künftig die Hecken entlang der Parkplätze ersetzen, von vier Bäumen umstandene Sitzmöglichkeiten geschaffen werden, ebenso ein Boule-Platz auf der Ostseite. Einen solchen hatte Potzner schon bei der Gründung des Vereins am 18. Juli 2009 ins Gespräch gebracht. Verwirklicht wurde er bisher aber nicht.

Mit seinen Vorstellungen, die er zusammen mit einem Naturgartenplaner ausarbeitete, stieß der Bürgerverein bei der Stadtverwaltung auf offene Ohren. Lediglich von einem gestalterischen Element musste er sich verabschieden: Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht, und um Vandalismus vorzubeugen, wird es entlang der Parkplätze keine Natursteinmauer geben.

Nachdem die Stadt auf die dafür vorgesehenen Flächen eine neue Bodenschicht aufgebracht hat, übernimmt der Bürgerverein das Pflanzen und Säen. Ihm obliegt in Zukunft auch die Grünpflege, wobei er den Baumschnitt nicht selbst vornehmen darf. Finanzieren will der Verein seine gärtnerische Tätigkeit laut Potzner aus Sponsorengeldern und den Beiträgen seiner mittlerweile 110 Mitglieder. Für die Anschaffung der Sitzbänke sollen Stifter gewonnen werden.

Flexibel nutzbar

Die anstehenden Veränderungen sollen nicht an der Flexibilität des Platzes rütteln, die sich bereits bei einer Vielzahl von Veranstaltungen als großer Vorteil erwiesen hat. Die Freifläche war beispielsweise mehrfach Schauplatz des vom Bürgerverein organisierten Maibaumfests, des Weihnachtsbaum-Anglühens und des Stadtteilfests.

Dass in der Voithsiedlung ein bemerkenswerter Gemeinschaftsgeist herrscht, haben die Bewohner des Stadtteils in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt. Beispiel: Als die Stadtverwaltung vor einem Jahrzehnt Überlegungen anstellte, den maroden Treppenweg zwischen Lerchenweg und Altenheimstraße dicht zu machen, protestierten Anwohner, schlossen sich in der „IG Gängle“ zusammen – und lieferten einen Lösungsvorschlag mit. Sie boten an, bei der Sanierung selbst anzupacken und sich anschließend um die Pflege zu kümmern.

Gesagt, getan: „Für den Winterdienst gibt’s einen Plan, und das Räumen und Streuen funktioniert absolut reibungslos“, so Potzner.

Der Bürgerverein: Wie alles begann

Ende 2004 wurde die Voithsiedlung in das Sanierungs- und Modernisierungsprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen. In der Folge erfuhr die Infrastruktur eine Reihe von Verbesserungen. Zu den wichtigsten Vorhaben gehörten der Bau des Kinderhauses und die Sanierung von Straßen. Auch der zentrale Platz, der streng genommen gar keinen Namen hat, im allgemeinen Sprachgebrauch aber nach Friedrich-Voith benannt ist, erhielt ein neues Gesicht.

Die Bewohner des Stadtteils fanden sich in vier Arbeitsgemeinschaften zusammen: Stadtteilzeitung, Senioren, Integration, Kinder/Jugend. Zur Halbzeit des auf die Dauer von acht Jahren angelegten Förderprogramms war die Frage zu beantworten, wie das bürgerliche Engagement auf Dauer bewahrt werden kann.

Die Antwort: Im Rahmen des zweiten Stadtteilfests wurde am 18. Juli 2009 der Bürgerverein „Unsere Voithsiedlung“ gegründet. Er hat sich die positive Weiterentwicklung der Voithsiedlung mit ihren Teilgebieten Walther-Wolf-Straße und Eisenbergsiedlung auf die Fahnen geschrieben. bren