Heidenheim Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?

Wie soll die Arbeit der Zukunft aussehen? Das fragten Martin Gross, Leni Breymaier (stehend) und Saskia Esken.
Wie soll die Arbeit der Zukunft aussehen? Das fragten Martin Gross, Leni Breymaier (stehend) und Saskia Esken. © Foto: privat
Heidenheim / pm 05.11.2018
Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Darüber diskutierte SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier mit ihrer Abgeordnetenkollegin Saskia Esken und dem Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross.

Die Digitalpolitikerin Esken ist im Bundestag Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda und vertritt die SPD-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz. Esken gab einen Überblick über Fragen, die derzeit in Politik und Wissenschaft diskutiert werden. Sämtliche Lebensbereiche seien durch neue Technologien und Vernetzung betroffen, autonomes Fahren und Robotik seien keine weit entfernten Zukunftsthemen mehr. Es gehe um den Umbau des Bildungssystems hin zum „lebenslangen Lernen“.

Überwachung verhindern

Das Bildungssystem habe weder die digitalen Kompetenzen schon hinreichend auf dem Schirm, noch die Notwendigkeit, Menschen zu ermutigen und zu befähigen, ein Leben lang zu lernen, sagte die 56-Jährige. Ausbildungsberufe müssten neu gedacht, ein Recht auf Weiterbildung verankert werden.

Bei aller Produktivitätssteigerung und neuen Möglichkeiten durch künstliche Intelligenz habe der Mensch nach Meinung sämtlicher Fachleute die Oberhand, denn emotionale Intelligenz und Kreativität seien nicht programmierbar, meinte Esken. Ebenfalls wichtig sei es, dass die heutigen Grundstrukturen rechtlicher Standards auch in Zukunft gelten. Besonderes Augenmerk lege die SPD auf ein Datenschutzarbeitnehmergesetz, das die Überwachung der Beschäftigten verhindern soll.

Esken forderte, Frauen im IT-Bereich stärker als Vorbilder sichtbar zu machen. Bei vielen Diskussionsrunden säßen nur Männer auf dem Podium. Dabei gebe es herausragende Informatikerinnen und Informationssoziologinnen.

Arbeitsplätze fallen weg, neue kommen hinzu

Martin Gross unterstrich, dass sich durch die Digitalisierung die Teilhabe an Gütern und Wohlstand in der Gesellschaft verändern werde. Nicht jedem müsse mehr ein Auto gehören, wenn das selbstständige Fahrzeug als Dienstleistung abgerufen werden könne. Jobs würden zu Hunderttausenden wegfallen, könnten in gleichem Umfang aber auch neu entstehen.

Rationalisierungswellen erwartet der Gewerkschafter im Bereich von Finanzdienstleistungen, im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst. Verlagern werden sich laut verschiedener Studien viele Arbeitsplätze auf die Sektoren Erziehung, Gesundheit und ins Sicherheitsgewerbe. „Wir sind mitten drin in der Digitalisierung und müssen bereits heute die Probleme lösen“, so der Gewerkschafter. Gerade am Beispiel der Logistik zeige sich häufig ein hoher Grad an Ausbeutung und Überwachung, dem gesetzlich Einhalt geboten werden müsse. Wie Esken plädierte Gross dafür, die Ängste der Menschen in Bezug auf den Wandel ernst zu nehmen, und sich trotzdem technologiefreundlich aufzustellen.

Wem kommt die Rendite zugute?

Bei der Diskussion hob Leni Breymaier hervor, dass es im Kern um eine Verteilungsfrage gehe: „Der Wohlstand wird auch in der Digitalisierung erwirtschaftet. Unterhalten müssen wir uns darüber, wem die digitale Rendite zugute kommt.“ Das Publikum sprach vor allem die Themen Bildung und Arbeitsschutz im digitalisierten Zeitalter an, es ging um Sehnsucht nach Entschleunigung und um Kritik an Forderungen nach permanenter Erreichbarkeit.

Man war sich einig, dass sich diesem großen Thema nur mittels Information und Diskussion beikommen lässt. Ängste seien nicht unbegründet, gestaltet werden könne die digitale Revolution aber in jedem Fall, so der Konsens vor Ort.

Der Umgang mit künstlicher Intelligenz

Der Bundestag hat vor einigen Wochen eine Enquete-Kommission zur künstliche Intelligenz (KI) geschaffen. Darin geht es um die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung, um die Risiken, aber auch die wirtschaftlichen Potenziale.

Der Kommission gehören 19 Mitglieder des Bundestages sowie 19 externe Sachverständige an. Im Sommer 2020 soll der Abschlussbericht mitsamt Handlungsempfehlungen vorliegen. kf

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