Asyl Wer möchte Flüchtlinge willkommen heißen?

Bilden den Kern des neuen Freundeskreises Asyl in Heidenheim: Dr. Helga Ströhle und Helmut Hofacker.
Bilden den Kern des neuen Freundeskreises Asyl in Heidenheim: Dr. Helga Ströhle und Helmut Hofacker. © Foto: Arthur Penk
Heidenheim / Silja Kummer 07.11.2013
156 Menschen, die alle auf der Flucht aus ihren Heimatländern in Heidenheim gelandet sind, leben derzeit im Wohnheim an der Walter-Wolf-Straße. Von den Heidenheimern sind sie weitgehend isoliert, Kontakte zur Bevölkerung gibt es so gut wie keine. Der neue Freundeskreis Asyl will das ändern.

Die Gerstetter Psychotherapeutin Dr. Helga Ströhle und der Heidenheimer Helmut Hofacker sind der Kern einer Gruppe von engagierten Menschen, die im Asylbewerberheim an der Walter-Wolf-Straße einen akuten Handlungsbedarf sehen. Ehrenamtliche Hilfe für die Flüchtlinge gab es bislang in keiner organisierten Form – obwohl oft schon einfachste Hilfestellungen die Lebensqualität der Asylsuchenden verbessern würde.

„In den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, ist Gastfreundschaft ein hohes Gut“, sagt Helmut Hofacker. Hier seien die Menschen völlig auf sich gestellt, oft ohne Familie und den Rückhalt ihrer eigenen Kultur. Das vor zwei Jahren aus Herrenberg zugezogene Ehepaar Hofacker wohnt in der Nähe des Asylbewerberheims und lädt regelmäßig Bewohner zu sich nach Hause ein. Oft wird dabei gekocht oder gebacken – Landestypisches aus der Heimat der Flüchtlinge genauso wie beispielsweise deutsche Weihnachtsplätzchen in der Adventszeit. „Wir haben unser Haus geöffnet“, sagt Hofacker – und die meisten der Eingeladenen waren zuvor noch nie bei einer deutschen Familie zu Hause.

Helmut Hofacker und seine Frau Agnes haben erfahren, dass gerade einfache Dinge wie der Arztbesuch oder der Gang zu einer Behörde für die Asylsuchenden extrem schwierig sein können. Auch das Erlernen der deutschen Sprache oder einfach, eine sinnvolle Beschäftigung im ansonsten völlig unstrukturierten Tagesablauf zu finden, bereitet den Flüchtlingen oft Probleme.

Helga Ströhle kam in Kontakt mit dem Asylbewerberheim, als sie von Amnesty International gebeten wurde, eine traumatisierte Bewohnerin zu behandeln. Als sie zum ersten Mal selbst dort zu Besuch war, sei sie entsetzt gewesen über die beengten Wohnverhältnisse, die spürbare Frustration der auf engstem Raum zusammenlebenden Flüchtlinge. Gleichzeitig hörte sie dort aber auch vom Engagement des Ehepaars Hofacker und nahm Kontakt zu den beiden auf.

Mittlerweile haben sich noch mehr Mitstreiter gefunden, darunter auch Maren Becker von der örtlichen Amnesty-Gruppe und Mitglieder der Brückengemeinde. Vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg hat sich die Gruppe grundlegend informieren lassen und sich nun den Namen „Flüchtlinge und wir – Freundeskreis Asyl Heidenheim“ gegeben. „Wir müssen aber noch mehr werden“, sagt Helga Ströhle. Noch stehe man ganz am Anfang der Arbeit und sammle Ideen, was getan werden könnte. Besonders suche man Menschen, die Zeit haben, um beispielsweise Flüchtlinge zu begleiten, Dokumente ins Englische zu übersetzen oder auch nur einmal einen Ausflug in die nähere Umgebung zu machen.

Klar sei aber auch, dass man nur punktuell helfen könne und jeder dabei auch seine eigenen Kräften im Blick haben müsse. Grundsätzlich aber wird sich das Betätigungsfeld des Freundeskreises Asyl in nächster Zeit eher vergrößern als verkleinern, da der Landkreis mit steigenden Flüchtlingszahlen rechnet und auch die Kreisgemeinden wieder Menschen aufnehmen müssen.

Info Am Donnerstag, 16. Januar 2014, ist das nächste Treffen des Freundeskreises Asyl in Heidenheim geplant. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, kann sich bei Helga Ströhle, Tel. 07323.5695, melden.
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